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ROUNDUP 2: Von Virusausbruch betroffenes Schiff in Teneriffa angekommen

10.05.2026
um 11:06 Uhr

(Neu: Ärzte an Bord, Details der Rückführungsaktion, PK der Ministerin García.)

MADRID/GRANADILLA (dpa-AFX) - Nach der Ankunft des von einem Ausbruch des Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffes "Hondius" in Teneriffa hat die Aktion zur Rückführung der rund 140 bis 150 Insassen in die Heimatländer begonnen. Den Transport der betroffenen Deutschen würden die Niederlande übernehmen, teilte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García vor Journalisten am Hafen Granadilla auf der spanischen Urlaubsinsel mit.

Vor der Ausschiffung der ersten Betroffenen begaben sich Ärzte an Bord der "Hondius". Das medizinische Personal führe zunächst eine epidemiologische Untersuchung durch, sagte die Ministerin. Die gute Nachricht des Tages: Nach jüngsten Informationen seien alle Passagiere und Besatzungsmitglieder weiterhin ohne Krankheitssymptome.

Nach der Überprüfung der gesundheitlichen Lage an Bord sollen alle Passagiere und zahlreiche der Crewmitglieder nach und nach und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen an Land und anschließend auf dem Luftwege in ihre jeweiligen Heimatländer gebracht werden. Man werde zunächst die 14 Spanier an Bord zusammen mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO ausschiffen und nach Madrid bringen, erklärte García. In der Hauptstadt sollen diese Menschen in einem Militärkrankenhaus in Quarantäne gehen.

Laut Schiffsbetreiber sechs Deutsche an Bord

"Der nächste Staat, der die Evakuierung übernehmen wird, sind die Niederlande. Sie werden ebenfalls Staatsbürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mitnehmen", verriet die Ministerin der linksgerichteten Regierung. García erklärte, dass alle Flüge nach Möglichkeit bis Montagnachmittag abgewickelt werden. Als letzte soll demnach eine australische Maschine mit Menschen aus dem Land sowie aus Neuseeland und verschiedenen asiatischen Ländern abheben.

Die "Hondius" war am frühen Vormittag in den Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel eingefahren. Auf dem Kreuzfahrtschiff sind Reisegäste und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide sind sechs Deutsche an Bord.

Laut den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.

WHO-Chef versichert: "Kein neues Covid"

Gesundheitsministerin García, der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska und auch der Chef der WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: "Das ist nicht ein neues Covid." Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering - zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.

Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen und auch aufgrund der Sorgen der Inselregierung vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen. Dort liegt das Schiff nun vor Anker, bevor es mit einem Teil der Besatzung in die Niederlande weiterfährt.

Wie sieht die Evakuierungsaktion genau aus?

Die Passagiere sollen zunächst in kleinen Gruppen von maximal fünf Personen auf Booten ausgeschifft werden. Nach Angaben Garcías müssen sie FFP2-Schutzmasken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen. Alle müssen an Land dann auch Einreiseformalitäten durchführen.

Per Bus geht es dann zum zehn bis 15 Autominuten entfernten Flughafen. Dort sollen die streng abgeschotteten Menschen ohne weitere Abfertigung sofort die für sie bereitgestellten Flugzeuge besteigen. Nach der Ankunft der WHO und anderer Behörden dürften alle Ausgeflogenen in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist.

Sobald die Menschen von Bord sind, soll die "Hondius" ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.

Virusausbruch löst international Besorgnis aus

Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus - auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus.

Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, "sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme".

Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei "sehr gering". Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.

Spanisches Gesundheitssystem gab den Ausschlag

Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die "Hondius" zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.

Die "Hondius" hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb die Deutsche dann am 3. Mai./er/DP/mis