FRANKFURT (dpa-AFX) - Europäische Chemiewerte
Udeshi und Fraser machten die Hoffnung auf eine Sonderkonjunktur durch den Nahost-Krieg zunichte, die die gesamte Branche seit März deutlich angetrieben hat. Der Stoxx Europe 600
Nun gossen Udeshi und Fraser allerdings Wasser in den Wein. "Der Branchen-Blues kehrt wohl zurück", schrieb JPMorgan-Experte Udeshi zur Branche. Die Länge des Nahost-Kriegs bleibe zwar schwer einzuschätzen, jüngste Daten hätten aber bereits gezeigt, dass der kurzfristige Rückenwind durch seine Verwerfungen schwächer ausfallen dürfte als gedacht und wohl auch bereits abflache. Die Anleger dürften also das zweite Quartal nicht allzu hoch hängen, denn ein schwaches zweites Halbjahr und auch 2027 rücke die strukturellen Probleme der Branche wieder in den Fokus: Immense Überkapazitäten und immer stärkere Konkurrenz bei Spezialprodukten aus China und dem Rest Asiens.
Während Udeshi mit einem Kursziel von 18 Euro für Lanxess immerhin noch mit "Neutral" votiert nach zuvor "Overweight", rät Goldman Sachs-Expertin Fraser mit den von ihr für fair erachteten 13 Euro zum Verkauf. Sie stellte den Preisauftrieb durch die Verwerfungen des Nahost-Kriegs infrage und betonte anhaltende Bilanzrisiken. Ihre Hochstufung auf "Neutral" im Februar habe auf Besserung des US-Geschäfts gesetzt, so Fraser. Dann hätten aber durch den Krieg die globalen Preise für Energie und Chemieprodukte das Regiment übernommen.
Die Ergebnisse des ersten Quartals hätten, wenn überhaupt, nur geringe Anzeichen geboten, dass Lanxess von höheren Preisen profitiere. Und der Ausblick für das operative Ergebnis im zweiten Quartal liege um 10 Prozent unter dem Konsens und sogar um 37 Prozent unter ihrer Schätzung, so Fraser. Aus ihrer Sicht hat der Krieg die Risiken erhöht, ohne dafür echte Margenchancen zu bieten./ag/ajx/stk