ESSEN (dpa-AFX) - Die für die Folgekosten aus dem deutschen Steinkohlenbergbau verantwortliche RAG-Stiftung hat im vergangenen Jahr einen Überschuss von knapp 420 Millionen Euro erzielt. Wie die Stiftung in Essen berichtete, flossen davon mehr als 309 Millionen Euro in die Finanzierung der sogenannten Ewigkeitskosten. Die übrigen 110 Millionen Euro gingen in die Rückstellungen, die sich damit zum Jahresende auf 9,87 Milliarden Euro beliefen. 2024 hatte der um den Verkauf eines großen Aktienpakets bereinigte Überschuss, der sogenannte Jahreserfolg, noch bei 452 Millionen Euro gelegen.
Bei den Ewigkeitskosten geht es um Folgen des Bergbaus, die dauerhaft bestehen bleiben. So muss im Ruhrgebiet etwa dauerhaft Grubenwasser aus den stillgelegten Bergwerken abgepumpt werden, damit es das Grundwasser nicht verschmutzt. Bezahlt wird damit auch das dauerhafte Abpumpen von Oberflächenwasser in Gebieten, die sich durch den Steinkohlenbergbau stark abgesenkt haben. Der deutsche Steinkohlenbergbau war Ende 2018 endgültig eingestellt worden.
RAG-Stiftung unter anderem an mehr als 20.000 Firmen beteiligt
Erwirtschaftet werden die Ewigkeitskosten aus zahlreichen Kapitalanlagen. So ist die Stiftung unter anderem an mehr als 20.000 Unternehmen beteiligt. Größte Einzelbeteiligung ist ein Anteil am Spezialchemiekonzern Evonik
Mehrheitseigentümerin ist die RAG-Stiftung mit insgesamt gut 58 Prozent beim Wohnimmobilienunternehmen Vivawest, dem in NRW knapp 120.000 Wohnungen gehören. Den Buchwert ihres gesamten Vermögens zum Jahresende 2025 bezifferte die Stiftung auf 15,9 Milliarden Euro, etwa 1,1 Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor. Die Stiftung hat ihren Sitz in Essen und beschäftigt 28 Menschen.
Stiftungschef Bernd Tönjes äußerte sich zufrieden mit den Zahlen. Die Stiftung habe sämtliche Verpflichtungen erfüllt. "Wir haben die Ewigkeitslasten aus dem Nachbergbau zum nunmehr siebten Mal bedient und zusätzlich die Rückstellungen zur langfristigen Absicherung der Ewigkeitslasten weiter erhöht", sagte er. Dabei habe man die Diversifizierung des Stiftungsvermögens vorangetrieben und verbleibende Konzentrationsrisiken reduziert.
Stiftung will "Anregungen" von Rechnungshöfen aufgreifen
Tönjes ging bei der Vorlage der Jahreszahlen auch auf die Anfang Mai bekanntgewordene Überprüfung der Haushalts- und Wirtschaftsführung der Stiftung durch den Bundesrechnungshof und die Landesrechnungshöfe Nordrhein-Westfalen und des Saarlandes ein. Die Bundesbehörde hatte darin unter anderem "zu hohe Einzelrisiken bei Kapitalanlagen" kritisiert, wie die "Westdeutsche Allgemeine" (WAZ) berichtete. Das Stiftungsvermögen, kritisierte der Rechnungshof laut WAZ, sei insgesamt "zu risikobehaftet angelegt".
"Wir nehmen das sehr ernst, aber können einige Vorwürfe der Rechnungshöfe so nicht nachvollziehen", sagte Tönjes zu der Prüfung. So lebe die Stiftung auskömmlich von den laufenden Beteiligungs- und Kapitalerträgen. "Und wir werden das auch in Zukunft tun", sagte Tönjes. Die Empfehlungen der Rechnungshöfe erörtere man "sachlich und unaufgeregt". "Etwa, wie wir bestehende Konzentrationsrisiken weiter abbauen oder die Profitabilität unserer Kapitalanlagen in einer vernünftigen Balance potenzieller Chancen und Risiken weiter steigern können." Manche Anregungen werde man sicherlich aufgreifen. Dem Kuratorium werde man in der nächsten Sitzung darüber ausführlich berichten.
Dem Kuratorium gehören unter anderem Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) an./tob/DP/stw