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OTS: Atradius Kreditversicherung / Zahlungsverzug wird zum Risiko: ...

27.05.2026
um 10:03 Uhr

Zahlungsverzug wird zum Risiko: Konjunkturkrise belastet Liquidität
und Lieferketten
Köln (ots) -

- Warnsignale im B2B: 87 Prozent der befragten Unternehmen berichten von
Zahlungsverzögerungen
- Ertragsmargen unter Druck durch Ausfälle: Bei zehn Prozent der Unternehmen
liegen Forderungsausfälle bei über fünf Prozent des gesamten
B2B-Rechnungsvolumens
- Weiter steigende Insolvenzzahlen erwartet: Mehr als jedes dritte Unternehmen
erwartet einen weiteren Anstieg

Späte Zahlungen und steigende Forderungsausfälle setzen deutsche Unternehmen
unter Druck. Die schwache Konjunktur verschärft die Situation - mit direkten
Folgen für Liquidität und Lieferketten. Das aktuelle Atradius-Zahlungsbarometer
für Deutschland zeichnet ein besorgniserregendes Bild der wirtschaftlichen Lage.
"Während sich die Kreditbedingungen der Banken in ganz Westeuropa verschärfen,
ist der Druck auf deutsche Unternehmen aufgrund ihrer starken Abhängigkeit von
Bankfinanzierungen besonders hoch", sagt Frank Liebold, Country Director
Deutschland beim internationalen Kreditversicherer Atradius.

Aufgrund der hohen Kosten für Bankkredite rücken Lieferantenkredite in
Deutschland weiter in den Mittelpunkt der Unternehmensfinanzierung. Gleichzeitig
bleibt der deutsche Markt im europäischen Vergleich zurückhaltend: Nur 35
Prozent der B2B-Verkäufe werden auf Kredit abgewickelt - gegenüber 52 Prozent im
westeuropäischen Durchschnitt. "Wenn Käufer ihr eigenes Kapital früher einsetzen
müssen, erhöht das den Druck auf das Betriebskapital und schwächt die
Liquiditätslage", betont Frank Liebold. Um die eigene Liquidität zu sichern,
begrenzt die Mehrheit der Anbieter Zahlungsfristen auf maximal 30 Tage.

Die Folgen zeigen sich entlang der Lieferketten: 87 Prozent der deutschen
Unternehmen berichten inzwischen über Zahlungsverzögerungen im B2B-Geschäft -
deutlich mehr als im westeuropäischen Durchschnitt (77 Prozent). Längere
Zahlungszyklen erhöhen in mehreren Branchen die Forderungslaufzeit und
erschweren eine verlässliche Cashflow-Planung. Mit zunehmendem Liquiditätsdruck
wächst zugleich das Insolvenzrisiko - und damit die Gefahr von
Forderungsausfällen, besonders für KMU und hoch verschuldete Unternehmen. Zehn
Prozent der Unternehmen melden Forderungsausfälle von fünf Prozent und mehr
ihres gesamten B2B-Rechnungsvolumens - mit erheblichen Auswirkungen auf die
Rentabilität. "In dieser Größenordnung zehren Forderungsausfälle stetig am
Betriebskapital und belasten die Unternehmensrentabilität", sagt Frank Liebold.
Als häufigste Ursachen für verspätete Zahlungen nennen Unternehmen
Cashflow-Probleme beim Kunden, interne Genehmigungsverzögerungen, Verzögerungen
bei Banken sowie komplexe Zahlungsprozesse. Rund 21 Prozent der Befragten geben
an, aufgrund des Zahlungsrisikos ihrer Kunden selbst Zahlungen an eigene
Lieferanten verzögern zu müssen.

Ausblick 2026/2027: Unternehmen erwarten anhaltend hohe Zahlungsrisiken

Das Vertrauen in eine kurzfristige Besserung ist gering - insbesondere in der
Industrie und im Handel. Weil Zahlungsverzögerungen in Deutschland inzwischen
weiter verbreitet sind als in Westeuropa, rechnen viele Unternehmen nicht mit
einer raschen Normalisierung des Zahlungsverhaltens im B2B-Geschäft. Stattdessen
erwarten sie, dass sich Liquiditätsengpässe in den kommenden Monaten weiter
verschärfen. "Der anhaltende Konflikt in der Ukraine und im Nahen Osten,
geopolitische Spannungen im Allgemeinen sowie plötzliche handelspolitische
Kurswechsel und Konflikte sorgen für zusätzliche Unsicherheit - besonders für
exportorientierte Unternehmen", sagt Frank Liebold.

Vor diesem Hintergrund dürfte das Zahlungsausfallrisiko bei Kunden in
Deutschland weiterhin hoch bleiben - ohne klare Anzeichen dafür, dass sich die
Verschlechterung verlangsamt. "Deutschland steht unter erheblichem Druck, da die
anhaltend hohe Insolvenzquote das Geschäftsumfeld weiterhin belastet", betont
Frank Liebold. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Insolvenzerwartungen
wider: 34 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem weiteren Anstieg
der Insolvenzen, während 52 Prozent davon ausgehen, dass das Risiko auf dem
bereits erhöhten Niveau verbleibt.

Die Erwartung steigender Unternehmensinsolvenzen erhöht den Druck entlang der
Lieferketten zusätzlich. Das würde die Fähigkeit wirtschaftlich schwächerer
Unternehmen, Zahlungsverzögerungen zu kompensieren, weiter einschränken und die
Notwendigkeit eines konsequenten Cash-Managements unterstreichen. Gleichzeitig
begrenzen wirtschaftliche und handelspolitische Unsicherheiten den Spielraum für
eine Margenerholung - auch wenn die Nachfrage erste Anzeichen einer
Stabilisierung zeigt. Der etwas stärkere Optimismus in Westeuropa deutet darauf
hin, dass sich Unternehmen dort unter den aktuellen Bedingungen besser in der
Lage sehen, ihre Margen zu sichern.

Den weiteren wirtschaftlichen Abschwung stuft mehr als drei Viertel der
Unternehmen als größtes Risiko für den B2B-Zahlungsverkehr ein, gefolgt von
Kostendruck und geopolitischer Instabilität. "Unternehmen müssen sich aktuell
mehr denn je einer ganzen Bandbreite an Herausforderungen stellen. Das sehen wir
bereits in vielen Branchen im starken Anstieg der Nichtzahlungsmeldungen", so
Frank Liebold. "Unternehmen sollten jetzt ihre Liquidität sichern, Kreditlimite
konsequent steuern und Forderungen aktiv absichern - denn jede Verzögerung im
Zahlungseingang erhöht den Druck für alle", sagt Frank Liebold, Country Director
Deutschland bei Atradius.

Das Atradius Zahlungsmoralbarometer ist eine jährliche Umfrage zum
Zahlungsverhalten im weltweiten Geschäftskundenbereich (B2B). Die aktuelle
Ausgabe basiert auf einer Befragung von 210 Unternehmen in Deutschland, die im
ersten und zweiten Quartal 2026 durchgeführt wurde.

Das vollständige Zahlungsmoralbarometer finden Sie auf unserer Webseite
http://www.atradius.de .

Pressekontakt:

Atradius Kreditversicherung
Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y
Reaseguros

Astrid Goldberg
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2210
E-Mail: mailto:astrid.goldberg@atradius.com

Stefanie Heilken
Pressereferentin
Telefon: +49 (0) 221 2044 -1034
E-Mail: mailto:stefanie.heilken@atradius.com

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