EU-Bericht: Deutschland fehlt Tempo bei digitalem Wandel
BRÜSSEL (dpa-AFX) - Deutschland hinkt im europaweiten Vergleich bei der Digitalisierung wegen struktureller Probleme zum Teil deutlich hinterher - trotz vereinzelter Trümpfe. Besonders beim Glasfaserausbau und der 5G-Netzabdeckung hat die Bundesrepublik noch klaren Nachholbedarf, wie aus einem Bericht der EU-Kommission hervorgeht.
Anhaltende strukturelle Schwächen begrenzten das Potenzial bei der Digitalisierung, heißt es darin. So belege Deutschland beim Glasfaserausbau den vorletzten Platz in der EU. Zudem hänge man bei der Digitalisierung der Behörden hinterher: Sowohl die Verfügbarkeit digitaler Angebote als auch deren Nutzung fallen demnach im EU-Vergleich gering aus. Die Akzeptanz der Online-Ausweisfunktion sei besonders niedrig.
Brüssel: Fehlendes Tempo - mehr KI-Infrastruktur nötig
Verbesserungen seien zwar im Gange, es fehle jedoch an Tempo. Die Empfehlung des Berichts: "Angesichts der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Lage sind schnellere und tiefgreifendere Anpassungen erforderlich, um Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu stärken."
So sei insbesondere die Implementierung von KI eine Baustelle. Es sei mehr Kapazität in Rechenzentren nötig. Zudem brauche es mehr Infrastruktur, etwa durch KI-Testzentren und KI-Fabriken. Auch wenn es um Spezialisten geht, gebe es noch Verbesserungsbedarf: Der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland bremse die Wirtschaft spürbar aus.
Bericht sieht auch deutsche Stärken
Gleichzeitig listet der Bericht auch Stärken auf. So sei die Bundesrepublik der größte Standort für Mikroelektronik in der Europäischen Union und nehme bei Quantentechnologien eine führende Rolle ein. Quantencomputer können manche Probleme viel schneller lösen als herkömmliche Computer - vor allem in Bereichen wie Kryptographie, Materialforschung oder KI. Im Bericht wird auch der sogenannte Supercomputer Jupiter lobend erwähnt, der im Forschungszentrum Jülich bei Aachen steht. Er gilt als einer der schnellsten Computer der Welt.
Der sogenannte Digital Decade Report ist ein jährlicher Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission zur digitalen Entwicklung in der EU. Er soll zeigen, wie weit die EU und ihre Mitgliedsländer bei der Umsetzung verschiedener Digitalisierungsziele für das Jahr 2030 sind. Im nächsten Jahr wolle man das Programm, an dem der Report sich orientiert, noch einmal unter die Lupe nehmen und an die heutigen Gegebenheiten anpassen, hieß es aus Brüssel./wum/DP/stk