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WOCHENAUSBLICK: Dax braucht über 25.000 Punkten neue Kurstreiber

22.06.2026
um 06:05 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem tatsächlich unterzeichneten Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran dürften Anleger in der neuen Woche Ausschau nach dem nächsten Kurstreiber halten. Gesucht wird nach der Idee, die den Dax von der 25.000-Punkte-Marke in Richtung seines bisherigen Rekordhochs von 25.507 Punkten befördern könnte, das mittlerweile schon fünf Monate alt ist. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 und die US-Börsen sind ihm da mit ihrer Rekordrally schon weit voraus.

Robert Greil von der Privatbank Merck Finck betonte, mit der grundsätzlichen Vereinbarung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten sei das politische Risiko für die Aktienmärkte gesunken. Viele Experten bleiben aber skeptisch. Unterdessen haben die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran für ein umfassendes Abkommen zur Beilegung des Kriegs an Fahrt aufgenommen.

Nach dem Auftakt der Gespräche auf Ebene der Verhandlungsführer in der Schweiz soll es nun unmittelbar im Anschluss die ganze Woche weitere Beratungen auf Arbeitsebene geben. Die Gespräche finden den Vermittlern zufolge weiter im Luxusresort Bürgenstock bei Luzern statt.

Ziel sei es, wie im Rahmenabkommen vorgesehen, innerhalb von 60 Tagen ein "finales Abkommen" zu erreichen, hieß es am frühen Morgen in einer gemeinsamen Erklärung der Vermittler Katar und Pakistan. Es werde unter anderem Arbeitsgruppen zu Irans Atomprogramm und den westlichen Sanktionen geben.

Die Gespräche seit Sonntag hätten in einer "positiven und konstruktiven Atmosphäre" stattgefunden. "Es wurden ermutigende Fortschritte erzielt, inklusive der Schaffung eines Mechanismus für weitere Gespräche", hieß es in der von den Vermittlern auf der Plattform X verbreiteten Erklärung weiter. Auch jüngste Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran, die er am Sonntag während der Gespräche in sozialen Medien veröffentlicht hatte, führten nicht zu einem Scheitern der Beratungen.

Bisher läuft der so wichtige Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nur verhalten an. Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank befürchtet, dass sich die Lage erst mittelfristig entspannen wird. "Man darf nicht übermütig werden, es dürfte bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis der Ölpreis wieder sein Vorkriegs-Niveau von knapp 70 Dollar erreicht", glaubt der Experte. Seeminen müssten erst geräumt, die Produktion wieder hochgefahren und Lager wieder aufgefüllt werden.

Der erste Zinsentscheid des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh hatte zuletzt auch nicht den notwendigen Treiber für einen weiteren Dax-Anstieg gebracht. In ersten Reaktionen ließen seine Begleitaussagen die Zinserwartungen eher nach oben schnellen, auch wenn sich seither unter Experten andere Meinungen mehren. Unter anderem rechnet der Ökonom James Knightley von der ING Bank in Zeiten nachlassender Inflation und gedämpfter Stimmung am Jobmarkt mit einer längeren Zinspause.

Am ehesten dürfte also KI-Fantasie das prägende Börsenthema bleiben. Der Investmentchef Peter Reichel von der Finanzgruppe Oddo BHF ist davon überzeugt, dass Technologie im weiteren und Künstliche Intelligenz im engeren Sinne zentrale Zukunftsthemen bleiben.

Am Mittwoch dürfte der Chipkonzern Micron nach US-Handelsschluss die KI-Rally mit seinen Zahlen auf den Prüfstand stellen. Nach dem Rekordlauf der Aktien bis über die 1.100-Dollar-Marke trauen Experten der Banken Citigroup und RBC den Papieren mit zuletzt auf 1.200 Dollar erhöhten Kurszielen noch etwas mehr zu.

Der erfolgreiche SpaceX-Börsengang hat laut Reichel auch noch einmal vor Augen geführt, dass das Umfeld im Tech-Sektor weiterhin unterstützend und der Sektor gerade bei Privatanlegern beliebt ist, die eine immer wichtigere Rolle spielten. Er sieht in dem Weltraum- und KI-Konzern von Elon Musk, der sich vom Start weg unter die größten Tech-Konzerne der USA gemischt hat, ein "Paradebeispiel für deutliche Veränderungen in der Anlegerstruktur" hin zu Privatanlegern.

Konjunkturell liegt der Fokus in der neuen Woche auf Einkaufsmanagerindizes am Dienstag, dem Ifo-Geschäftsklimaindex am Mittwoch und dem PCE-Preisindex, der am Donnerstag in den USA veröffentlicht wird. Er gilt als besonders maßgeblich für die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Reichert rechnet beim Ifo aber noch nicht mit viel Einfluss des Rahmenabkommens, da die Befragung vorher schon gewesen sei.

Auf Unternehmensseite werden am Montag zunächst die bereits beschlossenen Indexänderungen in der Dax-Familie wirksam. Die Aktien des Baukonzerns Hochtief ersetzen im Index die VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE , die in den Index der mittelgroßen Werte MDax absteigt. Dort und im Nebenwerte-Index SDax gibt es noch zahlreiche Umbesetzungen.

Beim Agrarchemiekonzern Bayer warten die Anleger im Rahmen der Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten gespannt auf einen Beschluss des obersten US-Gerichts, der von Experten noch im Juni erwartet wird. Die für Dienstag nach US-Börsenschluss geplante Vorlage der Quartalszahlen des Logistikkonzerns Fedex könnten tags darauf die DHL-Titel bewegen./tih/la/he

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

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