BONN/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Deutschlands Paketbranche hat die Anzahl ihrer Automaten, an denen Sendungen abgeholt und aufgegeben werden, stark ausgebaut. Wie aus einer Marktstudie des Logistikverbandes BPEX hervorgeht, gab es im vergangenen Jahr 23.000 Automaten mit 1,9 Millionen Fächern. Das waren viel mehr als früher. Die meisten entfallen auf den Marktführer DHL, der aktuell auf rund 18.000 Stationen kommt und damit 3000 mehr als Anfang 2025. Der Automatenbetreiber Myflexbox hat 1416 Standorte in Deutschland und damit mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr (602). Auch Amazon
Treiber der Entwicklung ist die steigende Paketmenge: Die Menschen bestellen immer mehr Waren im Internet, im vergangenen Jahr stieg die Anzahl der in Deutschland verschickten Pakete um 2,6 Prozent auf rund 3,8 Milliarden. In den Coronajahren 2020 und 2021 war es sogar um jeweils 12 Prozent nach oben gegangen, danach normalisierte sich die Entwicklung.
Die Nachteile der Haustürzustellung
Automaten stehen vor allem in Städten, auf dem Land ist das Automatennetz noch recht grobmaschig - inzwischen wird aber auch dort immer stärker ausgebaut. Mit den Automaten möchten die Logistikfirmen vermeiden, dass sie Pakete bis zur Haustür fahren müssen. Es geht für sie schneller, wenn sie in einem Schwung viele Pakete an einem Automaten einsortieren und die Empfänger später selbst vorbeikommen, um sie abzuholen.
Die Haustürzustellung kostet hingegen viel Zeit und damit auch Geld: Wenn der Empfänger nicht vorab sein Einverständnis zur Abstellgenehmigung gegeben hat, muss der Paketbote klingeln und warten, bis ihm geöffnet wird. Das kann dauern. Noch schlechter läuft es, wenn niemand daheim ist - dann vergeht wertvolle Wartezeit, die dem Paketboten beim Austragen seiner Paketmengen an anderer Stelle fehlt. Daher bewerben die Firmen "Out of Home"-Alternativen zur Haustürzustellung. Damit gemeint sind Automaten wie die DHL-Packstation und Paketshops, wo man sich die Ware auch hinschicken lassen kann.
Etwas ernüchternd ist aus Branchensicht, dass der "Out of Home"-Anteil der Paketmassen in Deutschland der BPEX-Studie zufolge im vergangenen Jahr nur bei 14 Prozent lag - binnen drei Jahren ging es ein Prozentpünktchen nach oben. Die Paketmenge sei zwar gestiegen, dennoch sei diese Entwicklung langsam, sagt Studienautor Klaus Esser. 86 Prozent der Pakete landen der Marktanalyse zufolge noch immer an der Haustür. Woran liegt das? "Wir sehen, dass dieses Angebot auch noch ein bisschen stärker angereizt werden müsste", sagt Esser. "Damit die privaten Verbraucher das auch wertschätzen und stärker nutzen."
Die Vorteile der Automaten
Der Automaten-Ausbau soll weitergehen, allein Marktführer DHL möchte 2030 30.000 Standorte in Deutschland haben. Die "Out of Home"-Nachfrage werde in den nächsten Jahren steigen, sagt DHL-Manager Holger Bartels. "Die Automaten können rund um die Uhr flexibel genutzt werden, sind gut erreichbar und einfach zu bedienen." Durch den Ausbau des Paketen-Netzes werde der Weg zum nächsten Automaten im Schnitt immer kürzer.
Myflexbox-Chef Jonathan Grothaus sieht ebenfalls großes Potenzial. "Die klassische Haustürzustellung ist historisch gesehen der teuerste und ineffizienteste Teil der Lieferkette." Die Automaten senkten die Stopp-Kosten der Logistiker drastisch und es würden klimaschädliche "Ehrenrunden" eliminiert, wenn also Paketzusteller erfolglos an Haustüren klingelten. Myflexbox ist anbieterunabhängig. Unter den Eigentümern ist keine Paketfirma, vielmehr gehört das Unternehmen britischen Finanzinvestoren. Es geht steil nach oben: Vor zwei Jahren gab es nur 244 Myflexbox-Standorte in Deutschland, nun sind es fast sechsmal so viele./wdw/DP/jha