ROUNDUP 2: Vorläufiger Stopp für Durchfahrten in Meerenge von Hormus
(neu: Einordnung und Informationen von US-Medien, Ölpreisanstieg)
LONDON (dpa-AFX) - Nach einem Angriff auf ein Schiff im Golf von Oman hat die Weltschifffahrtsorganisation IMO die jüngst gestartete Evakuierung von Schiffen rund um die Straße von Hormus vorläufig gestoppt. "Mir wurde heute ein Angriff im Golf von Oman auf ein Schiff gemeldet, das die Straße von Hormus durchquert hat", teilte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez mit. "Dieses Schiff befand sich nicht im Rahmen des Evakuierungsplans der IMO auf der Durchfahrt."
Mehrere US-Medien berichteten unter Berufung auf US-Beamte, dass die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) ein unter singapurischer Flagge fahrendes Frachtschiff in der Straße von Hormus angegriffen hätten. Die "Washington Post" zitiert einen US-Beamten mit der Aussage, dass das Schiff von einer iranischen Drohne getroffen worden sei.
Die UN-Sonderorganisation machte keine näheren Angaben zu dem Schiff und zum Angriff. Nach Angaben des internationalen Schifffahrtsverbandes Bimco handelt es sich um ein Handelsschiff, das die Straße von Hormus unter Nutzung der Küstenverkehrszone vor Oman durchfuhr.
Er habe beschlossen, die Umsetzung des Evakuierungsplans "vorübergehend auszusetzen, um erneut zu überprüfen, ob die erforderlichen Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf unserer Evakuierungsliste und alle Schiffe in der Region weiterhin gegeben sind", sagte Dominguez. "Ich habe stets betont, dass die Sicherheit der Seeleute oberste Priorität hat. Um daher ein koordiniertes Vorgehen und die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten, wird der Evakuierungsplan bis zur Klärung der Lage ausgesetzt."
Die UN-Sonderorganisation hatte am Dienstag angekündigt, mehr als 11.000 Seeleute aus der Region zu evakuieren. Noch am selben Tag passierten erste Schiffe die Meerenge. Die für den Welthandel bedeutende Straße von Hormus war wochenlang faktisch blockiert gewesen, als zunächst der Iran mit Drohungen und Angriffen auf zivile Schiffe begann und später die USA iranische Häfen blockierten. Vorausgegangen waren amerikanisch-israelische Angriffe auf den Iran. Inzwischen haben sich Washington und Teheran vorläufig auf ein Ende der Kampfhandlungen geeinigt.
Die Öffnung der Straße von Hormus für die Schifffahrt ist ein zentraler Bestandteil des jüngst vereinbarten Rahmenabkommens. Etwaige Störungen bei der Umsetzung könnten deshalb auch die weiteren Gespräche zwischen den USA und dem Iran belasten.
Entsprechend zogen die Ölpreise an. Nach einem Rückgang von bis zu rund zwei Prozent drehte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der weltweiten Referenzsorte Brent schon am Nachmittag ins Plus. Nach Bekanntwerden des Zwischenfalls am Donnerstagabend kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent mit Lieferung im August 75,84 Dollar knapp drei Prozent mehr als am Mittwochabend./kf/zb/DP/stw