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ROUNDUP/Statistik: Täglich Gewalt gegen Bahn-Mitarbeiter

08.07.2026
um 12:44 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Bedrohungen, Schläge, Angriffe: Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres sind 1.630 Beschäftigte der Bahn und 4.672 Beamte der Bundespolizei Opfer von Straftaten geworden. Dies teilte das Bundesinnenministerium auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch mit. Gehe es so weiter, steuere man dieses Jahr auf einen neuen Negativrekord der Gewalt zu, sagte Bartsch der Deutschen Presse-Agentur.

Mit Blick auf Bahn-Beschäftigte weist die polizeiliche Eingangsstatistik für die Zeit von Januar bis Ende Mai 662 Fälle von Körperverletzung aus, 175 Mal gefährliche Körperverletzung und 661 Bedrohungen. Bei den Straftaten gegen Bundespolizisten ging es in 3.734 Fällen um Widerstandshandlungen. Hinzu kamen 1.427 tätliche Angriffe und 875 Bedrohungen. Die Bundespolizei ist unter anderem für die Sicherheit bei der Bahn zuständig.

Schockierender Todesfall

Im Februar hatte der tödliche Angriff auf einen 36 Jahre alten Schaffner in Rheinland-Pfalz Entsetzen ausgelöst. Er war während einer Ticketkontrolle von einem Fahrgast ohne Fahrschein zusammengeschlagen worden und im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter wird für Donnerstag ein Urteil erwartet.

"Der entsetzliche Tod des Zugbegleiters Serkan C. im Februar, der das ganze Land schockiert hat, hat offensichtlich nichts verändert", sagte Bartsch. "Mehr als 650 Körperverletzungen, ebenso viele Bedrohungen gegenüber dem Personal der Bahn in nur fünf Monaten. Geht es so weiter, droht in diesem Jahr bei der Bahn ein neuer Negativrekord der Gewalt."

Neuer Gipfel bei der Bahn gefordert

Der Linken-Abgeordnete hatte zu Jahresbeginn schon einmal ähnliche Zahlen für die ersten zehn Monate 2025 erfragt. Damals wurden im Schnitt jeden Tag fünf körperliche Angriffe auf Bahn-Beschäftigte registriert. Rechnerisch waren es dieses Jahr 5,5.

Hinzu kämen rund 30 geschädigte Bundespolizisten pro Tag, sagte Bartsch: "Das macht sprachlos." Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bahnchefin Evelyn Palla müssten den Schutz des Personals durch alle erdenklichen Maßnahmen verbessern. "Bahn und Innenminister sollten erneut zu einem Gipfel zusammenkommen, um Entsprechendes zu verabreden und auf den Weg zu bringen", forderte der Linken-Politiker.

Deutsche Bahn betont Veränderungen

Die Deutsche Bahn widersprach der Einschätzung, dass sich seit dem Tod des Bahnmitarbeiters im Februar nichts verändert habe. Vielmehr seien unmittelbar danach Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitenden und Fahrgästen ergriffen worden, sagte ein Sprecher.

In Regionen, in denen Übergriffe zunähmen, würden neue Sicherheitskonzepte erprobt. Der Sprecher nannte als Beispiele eine Eins-zu-eins-Begleitung: Kundenbetreuer und Kundenbetreuerinnen hätten eine Person mit Sicherheitskenntnissen an ihrer Seite. Im Juli sei ein "Trageversuch mit stichfesten Westen" hinzugekommen. Auch Bodycams hätten sich bewährt, erklärte der Bahnsprecher.

Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm nannte die Zahlen aus der Statistik gleichwohl beunruhigend. "Dieser Verrohung und Gewalt muss Einhalt geboten werden", sagte Throm. Er verwies auf das neue Bundespolizeigesetz, das in dieser Woche den Bundestag passieren werde. Durch biometrische Erkennung und den Einsatz von KI würden Gefahren an Bahnhöfen früher erkannt, meinte der CDU-Politiker./vsr/DP/stk