FRANKFURT (dpa-AFX) - Der zuletzt wieder etwas entspanntere Blick der Anleger auf die Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran könnte sich vor dem Hintergrund jüngster Ereignisse eintrüben. Am Wochenende hatte sich der Konflikt um die Straße von Hormus nach gegenseitigen Angriffen der Vereinigten Staaten und des Iran erneut gefährlich zugespitzt.
In der Nacht auf Sonntag bombardierte das US-Militär bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche Ziele entlang der iranischen Südküste. Als Reaktion attackierten Irans Streitkräfte US-Ziele in Jordanien und den Golfstaaten und erklärten die Meerenge erneut für gesperrt.
US-Präsident Donald Trump widersprach am Sonntag und sagte mit Blick auf die Straße von Hormus in der NBC-Sendung "Meet the Press": "Sie ist offen". Gespräche über eine diplomatische Lösung für die künftige Verwaltung der Meerenge endeten am Samstag ohne Durchbruch. Am Sonntagabend setzten die USA die Attacken auf den Iran fort.
Am Freitag hatte es noch die Hoffnungen gegeben, dass der Dax
Grund der Hoffnung war, dass der Ölpreis als Gradmesser für die Inflationssorgen am Donnerstag und Freitag wieder etwas nachgegeben hatte. Damit ist es nach der erneuten Zuspitzung erst einmal vorbei. Zum Wochenstart legte der Preis für die Referenzsorte Brent kräftig zu und näherte sich wieder der Marke von 80 Dollar; die Dax-Indikation bei IG gab am Montagmorgen um 0,9 Prozent auf 24.850 Punkte nach.
Das Wohl und Wehe des deutschen Leitindex in der neuen Woche hängt aber auch davon ab, ob wichtige Preisdaten aus den USA nicht doch wieder die Furcht vor einer anziehenden Teuerung schüren. Zudem könnten enttäuschende Geschäftszahlen von US-Großbanken den Optimisten am Aktienmarkt einen Strich durch die Rechnung machen.
Aktuell ist Analyst Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) noch recht zuversichtlich gestimmt. Denn nach dem jüngsten Kursrutsch des Dax als Reaktion auf die wieder aufgenommenen kriegerischen Handlungen zwischen dem Iran und den USA hat sich der Leitindex zuletzt wieder stabilisiert. Anleger könnten dem Experten zufolge auf ein bekanntes Muster setzen: Mit dem erratischen Führungsstil des US-Präsidenten ist auch eine "Beruhigung" der Lage jederzeit möglich.
Für Unruhe könnten aber die US-Verbraucherpreise am Dienstag und die Erzeugerpreise in den Vereinigten Staaten am Mittwoch sorgen, denn es ist wohl bereits viel Zinshoffnung im Leitindex eingepreist. "Je höher der Turm, desto empfindlicher reagiert er auf Wind, und der Dax ist gerade ein hoher Turm", sagte Roland Schmack, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Meine Werte.
Die größte Gefahr für das Börsenbarometer seien deshalb in der neuen Woche die Preisdaten aus den Vereinigten Staaten. Sollten diese höher als erwartet ausfallen, wackele sofort die Aussicht auf ein günstigeres Zinsumfeld, auf die ein guter Teil der jahrelangen Dax-Rally basiere.
Zweitens bleibt Schmack zufolge die Bewertung im Technologiesektor ein latentes Risiko, denn die Stimmung hänge an der Nervosität rund um KI-Investitionen und Kapitalkosten der sogenannten Hyperscaler. Damit sind große Cloud-Computing-Dienstleister gemeint, die weltweit viel Speicherplatz und Rechenleistung anbieten.
Drittens sind geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten dem Experten zufolge weiterhin ein Belastungsfaktor, insbesondere der Nahostkonflikt, die US-Handelspolitik und die Diskussion über die Unabhängigkeit der US-Notenbank. "Wer nach diesem Lauf noch auf der Kaufseite bleibt, sollte die Stoppkurse enger ziehen als sonst", mahnte Schmack.
In den USA nimmt zudem die Berichtssaison der Unternehmen zum zweiten Quartal Fahrt auf. Der Zahlenreigen startet traditionell mit den großen Banken. So berichten am Dienstag JPMorgan
Am Mittwoch folgen Morgan Stanley
Europaweit werden die Zahlen des Chipzulieferers ASML
Hierzulande ist die Berichtssaison noch kein großes Thema. Am Dienstag veröffentlicht der Verpackungshersteller Gerresheimer
An diesem Tag informieren auch der Autobauer Mercedes-Benz Group
Bereits am Montag steht der Abschluss des fünften klassischen Börsengangs in Deutschland im laufenden Jahr auf der Agenda. Der Mastsysteme-Hersteller Smag Mobile Antenna Masts
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---