Scheidender Verteidigungsminister bestätigt Konflikt mit Armeeführung
KIEW (dpa-AFX) - In der Ukraine hat der populäre scheidende Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow einen Konflikt mit der Armeeführung bestätigt. "Wir mussten feststellen, dass alle unsere Initiativen blockiert wurden und (Oberbefehlshaber Olexander) Syrskyj nicht bereit ist, offen und direkt über die Probleme zu sprechen", sagte Fedorow in Kiew. Er warf Syrskyj vor, intrigiert zu haben. Syrskyj habe Präsident Wolodymyr Selenskyj ultimativ vor die Wahl gestellt, sich zwischen ihm - Fedorow - und Syrskyj zu entscheiden.
Gleichzeitig erklärte Fedorow aber auch, dass er selbst eine Ablösung von Syrskyj und Generalstabschef Andrij Hnatow angestrebt habe. "Wir haben keine andere Wahl, wenn wir den Feind asymmetrisch mit minimalen Verlusten besiegen wollen", begründete er das Vorhaben. Fedorow machte noch einmal deutlich, dass er auf die Weiterentwicklung der Drohnentruppen setze. Seit mehreren Wochen erzielen die ukrainischen Drohneneinheiten teils spektakuläre Erfolge mit Angriffen auf Ziele tief im russischen Hinterland.
Fedorow machte Syrskyj für die Zwangsmobilisierungen von wehrpflichtigen Männern für den Krieg verantwortlich. Fedorow wollte nach eigenen Worten das System zur Rekrutierung von Soldaten reformieren und die Zwangsmobilisierung vermeiden. Stattdessen wollte er Männer mit lukrativen Verträgen anwerben. "Wir können diese Reform nicht ohne aktive Beteiligung des Generalstabs durchziehen, der sie aber sabotiert", klagte Fedorow. Die Finanzierung des neuen Vertrags- und Anreizsystems gilt nicht als gesichert.
Könnte Selenskyj noch umdenken?
Fedorow ist seit der Entlassung der Vorgängerregierung geschäftsführend Verteidigungsminister. Er gab zu verstehen, dass er darauf hoffe, dass Selenskyj seine Entscheidung revidieren könnte, ihn nicht erneut als Minister zu nominieren. "Ich glaube, dass der Präsident dem ukrainischen Volk zuhört. Und ich hoffe, dass die Situation korrigiert wird", sagte er.
In Kiew und anderen Städten demonstrierten Hunderte vor allem junge Menschen gegen die Entlassung Fedorows. Ein Angebot Selenskyjs, weiter als Berater für den Präsidenten tätig zu sein, hat Fedorow nach eigenen Worten abgelehnt. Für die Nachfolge ist der bisherige Innenminister Ihor Klymenko im Gespräch. Dieser soll jedoch unbestätigten Berichten nach abgelehnt haben./ast/DP/he