FRANKFURT (dpa-AFX) - Tiefrote Vorgaben aus der internationalen Tech-Branche haben am Freitag auch den Dax etwas in Mitleidenschaft gezogen. Eine Dreiviertelstunde nach Handelsbeginn ging es für den deutschen Leitindex um 0,45 Prozent auf 24.803 Punkte nach unten. Damit zeichnet sich ein Wochenverlust von 1,1 Prozent ab. Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang vergangener Woche hat der Dax inzwischen 4,2 Prozent eingebüßt.
Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen verlor am Freitagvormittag 0,76 Prozent auf 31.796 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um knapp 0,8 Prozent.
An der US-Technologiebörse Nasdaq war es am Donnerstag wegen erneuter Gewinnmitnahmen bei Halbleiteraktien deutlich bergab gegangen - diese gelten als Profiteure des Booms rund um Künstliche Intelligenz (KI). Vor dem Wochenende zeichnen sich weitere klare Verluste ab.
An den schwachen asiatischen Handelsplätzen stach der technologielastige japanische Nikkei 225 mit einem weiteren vierprozentigen Kursrutsch heraus. An der ebenfalls stark von Tech-Werten geprägten südkoreanischen Börse fand am Freitag wegen eines Feiertags kein Handel statt.
Marktexperte Stephen Innes verwies darauf, dass aktuell neben Gewinnmitnahmen auch Druck auf den Markt komme durch eine Korrektur bei Anlageprodukten, die mit Hebel - also im Grunde auf Pump - Investments in KI-Aktien erlaubt hätten. Dieser Korrekturprozess könnte noch eine Weile andauern.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank konstatierte eine zunehmende Angst der Anleger, dass mit der Korrektur der Halbleiter- und KI-Titel "zunehmend andere, vielleicht unbeteiligte Aktien in Sippenhaft genommen werden". Denn "je stärker die Kurse fallen, desto größer wird der Zwang, ausufernde Verluste bei Technologieaktien durch den Verkauf anderer Werte auszugleichen". Zudem bedrohe der sich verschärfende Konflikt im Nahen Osten die weltweiten Energie-Lieferketten.
Die internationale Tech-Schwäche belastete naturgemäß vor allem die hiesigen Branchentitel. Im Dax belegte der Halbleiterkonzern Infineon mit einem weiteren Kursrückgang um 4,7 Prozent erneut den letzten Platz. Zu den größten Verlierern im MDax zählten der Waferhersteller Siltronic sowie die Chipindustrie-Ausrüster Aixtron und Suss Microtec mit Abschlägen von bis zu 6 Prozent.
Auch Infineon-Branchenkollege Elmos und der Technologiekonzern Jenoptik präsentierten sich schwach. Gleiches galt für den Laserspezialisten LPKF , dessen Aktien als Schlusslicht im Nebenwerte-Index SDax 6,2 Prozent einbüßten.
Die Papiere von Siemens Energy und Hochtief gerieten mit Verlusten von 2,6 und 2,2 Prozent ebenfalls unter Druck. Der Energietechnikspezialist gilt wie der Baukonzern wegen des hohen Energiebedarfs durch den rasanten Ausbau von Rechenzentren als indirekter KI-Profiteur.
Die Titel von Dermapharm verloren zuletzt noch 3 Prozent auf 42,35 Euro. Hier belastete eine Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts für 2025 durch die Bafin. Der Finanzaufsicht zufolge liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass der Arzneimittelhersteller gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat. Die Prüfung wurde den Angaben zufolge bereits am 14. Juli eingeleitet.
Dagegen ragte SDax-Spitzenreiter SMA Solar nach Zahlen mit einem Kurssprung von 7 Prozent auf 62,25 Euro heraus. Der Hersteller von Wechselrichtern berichtete für das vergangene Quartal ein starkes Wachstum und hob seine Jahresziele erneut an. Jefferies-Analyst Constantin Hesse sprach von soliden Zahlen und lobte den neuen Ausblick. Er blieb bei seiner Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel von 80 auf 87 Euro.
Dem Autobauer BMW verhalf eine neue Kaufempfehlung der Bank HSBC zu einem Kursplus von 1,1 Prozent. Die Bayern setzten sich so etwas von der stagnierenden Branchentendenz ab.
Gefragt waren auch Softwaretitel wie Dax-Spitzenreiter SAP mit einem Plus von 2,2 Prozent sowie Nemetschek aus dem MDax mit plus 1,4 Prozent. Einmal mehr bestätigte sich das Muster, dass die Branche bei Gewinnmitnahmen im KI-Bereich tendenziell von Umschichtungen innerhalb des Tech-Sektors profitiert./gl/stk