MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Rückversicherer Munich Re
Die Munich-Re-Aktien verloren bis zur Mittagszeit fast drei Prozent auf 508,40 Euro und gehörte damit zu den größten Verlierern im Dax
Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re
Bei der Erneuerungsrunde zum Juli war vor allem Geschäft in Nord- und Südamerika und Australien sowie mit globalen Kunden an der Reihe. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken verzeichnete die Munich Re dabei einen Preisrückgang um 5,5 Prozent. Die Schweizer Konkurrentin Swiss Re hatte am Donnerstag von einer ähnlichen Entwicklung berichtet.
Rechnet man die drei großen Erneuerungsrunden seit dem Jahreswechsel zusammen, liegt der Preisrückgang bei der Munich Re im Schnitt bei 3,1 Prozent. Entsprechend dampfte der Konzern sein erneuertes Geschäftsvolumen im Juli um 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro ein.
"Auf Geschäft, für das wir keine risikoadäquaten Preise erhalten, verzichten wir bewusst", sagte Jurecka am Freitag in einer Videokonferenz mit Journalisten. Die Qualität der Verträge sei für die Munich Re dank weitgehend stabiler Bedingungen und Konditionen jedoch weiterhin hoch. Bei dem nicht erneuerten Geschäft handelte es sich laut Finanzchef Buchanan um nicht sonderlich lukrative Verträge für den Konzern. Der Verzicht gehe daher vor allem zulasten des Umsatzes und belaste weniger den Gewinn.
Entsprechend strich der Vorstand nur seine Umsatzprognose zusammen. So soll der Umsatz der Rückversicherungssparte im laufenden Jahr mit 38 Milliarden Euro 2 Milliarden niedriger ausfallen als bisher gedacht. Für den gesamten Konzern die Munich-Re-Spitze nun von 62 Milliarden statt 64 Milliarden Euro aus. Die Erstversicherungstochter Ergo aus Düsseldorf soll hingegen weiterhin einen Versicherungsumsatz von 24 Milliarden Euro erreichen.
Dass Versicherer wie Allianz und Generali bei den Rückversicherern auf die Preise drücken können, erklärt sich auch an den zuletzt vergleichsweise geringen Katastrophenschäden. An diesem Gesamttrend änderten auch die verheerenden Waldbrände in Kalifornien Anfang 2025 und die derzeitigen Feuer in Frankreich, Spanien und Italien nichts.
Wie teuer die derzeitigen Brände die Versicherungsbranche und die Munich Re zu stehen kommen, wagten Jurecka und Buchanan noch nicht zu beziffern. Bisher seien jedoch vor allem ländliche Regionen betroffen, sagte Buchanan. Es gebe derzeit keine Anzeichen dafür, dass diese Brände für die Munich Re zu einem besonders teuren Schaden würden.
So profitierte die Munich Re auch im zweiten Quartal von sehr geringen Großschäden im Schaden- und Unfallgeschäft. Zudem trieben die gestiegenen Aktienkurse und andere Neubewertungen von Beteiligungen das Kapitalanlageergebnis nach oben. Buchanan berichtete von höheren Wertgewinnen auf breiter Front.
Während die Rückversicherungssparte ihren Gewinn nur um drei Prozent auf 1,9 Milliarden Euro steigerte, legte der Gewinn von Ergo um 28 Prozent auf 321 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich verdiente die Munich Re dadurch rund 2,2 Milliarden Euro und damit über sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie sie im Juli schon vorab mitgeteilt hatte.
Nach den ersten sechs Monaten stehen nun 3,9 Milliarden Euro Gewinn in den Büchern. Jurecka sieht den Dax-Konzern daher "auf sehr gutem Weg" zu einem Jahresgewinn von 6,3 Milliarden Euro. Anheben mochte er die Prognose indes noch nicht: Vieles hänge nun vom Verlauf der Hurrikan-Saison im Nordatlantik ab, die noch bis November dauert./stw/jsl/mis