(neu: weitere Branchenwerte und Kurse)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Salzgitter-Aktie
Im frühen Handel stieg das Salzgitter-Papier bis auf 54,45 Euro, kam dann aber wieder deutlich zurück und legte zuletzt um vier Prozent auf 52,50 Euro zu. Damit bleibt es in der Handelsspanne seit Mitte Juli, die von einem recht begrenzten Auf und Ab geprägt ist. Erst Kurse über 57,90 Euro könnten helfen, wieder in Richtung des Anfang Juni erreichten 16-Jahres-Hochs von 67,60 Euro zu steigen.
Für Thyssenkrupp
BofA-Analyst Reinhardt van der Walt sieht angesichts von Schutzmaßnahmen durch die EU ein Aufwärtspotenzial für die Salzgitter-Aktie von 18 Prozent, was die durchschnittliche Analystenschätzung für das operative Konzernergebnis (Ebitda) 2027 betrifft. Die erst kürzlich übernommenen Hüttenwerke Krupp Mannesmann erweiterten zudem die Kapazitäten Salzgitters in einem sich zunehmend knapperen Markt, während die Management-Risiken überschaubar seien.
Obendrein verwies der Experte darauf, dass Phasen des Salcos-Projekts - das Transformationsprogramm zur C02-freien Stahlproduktion - nach hinten verschoben wurden, was einen raschen Schuldenabbau in den kommenden Jahren ermögliche und das Cashflow-Profil (FCF), das Anleger besonders interessiert, verbessere.
Zu Thyssenkrupp hatten sich die BofA-Analysten Jason Fairclough und van der Walt bereits am Freitag nach Quartalszahlen des Industriekonzerns geäußert und das Kursziel von 18 auf 19 Euro erhöht. Hier sieht er vor allem weitere Kurstreiber einerseits durch die Abspaltung von TK Accelis, der früheren Thyssenkrupp Materials Services. Andererseits verwies er als Kurstreiber auf den am 28. September anstehenden Kapitalmarkttag von TK Steel. Dann wird das Management der Stahlsparte über deren wirtschaftliche Entwicklung, die Fortschritte beim Umbau sowie die geplante eigenständige Aufstellung berichten.
Die Kursziele der Aktien von ArcelorMittal, Voestalpine und SSAB hatten die Analysten der BofA vor rund einer Woche angehoben und sich insgesamt noch etwas positiver über die europäische Stahlbranche geäußert. Sie erwarten etwa steigende Preise für Flachstahl 2027 oder verwiesen auf eine sich weiter anspannende Marktlage als Kurstreiber für die Branche.
Dabei hatten sie ArcelorMittal im Speziellen aufgrund des hohen Engagements im europäischen Massenstahlgeschäft positiv hervorgehoben, da dieses Geschäft eine Hebelwirkung bei steigenden Preisen bedeute. Zudem lobten sie die Transparenz, was die Verwendung der Finanzmittel betrifft, und die Taktik, was Investitionen in die Dekarbonisierung angeht.
Voestalpine schätzen die Experten aufgrund des defensiven Ertragsprofils, der attraktiven Bewertung der Aktie sowie der raschen Entschuldung der Bilanz. Letztgenannter Aspekt schaffe strategischen Spielraum, um sich aus schwierigen Automobilmärkten zurückzuziehen und in höherwertige Produktsegmente wie Bahntechnik, Luft- und Raumfahrt oder Lagerregalsysteme zu gehen, schrieben sie.
Bei SSAB hatten sie das Potenzial angesichts der Erholung des US-Blechmarktes positiv hervorgehoben. Außerdem nannten die BofA-Experten die steigenden Stahlpreise in der EU und die "Premiumisierungsstrategie" der Schweden, die auf eine stärkere Fokussierung auf nachgelagerte Bereiche der Wertschöpfungskette bei Spezialstahlprodukten abziele. Allerdings betonten sie zugleich die Risiken in der Dekarbonisierungspolitik von SSAB und der Umsetzung des beschleunigten EAF-Umrüstungsprogramms, also weg von traditionellen Hochöfen und hin zu Elektrolichtbogenöfen (EAF). Das dürfte ihres Erachtens das Aufwärtspotenzial der Aktie im kommenden Jahr begrenzen./ck/tih/jha/