Gewerkschaft: Regierung muss mehr für Erhalt von Industriejobs tun
BERLIN (dpa-AFX) - Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft IGBCE, Michael Vassiliadis, fordert die Bundesregierung zu mehr Anstrengungen für den Erhalt von Industriearbeitsplätzen in Deutschland auf. Es gebe keine wirklichen strategischen Lösungsansätze, sagte Vassiliadis am Montagabend vor Journalisten in Berlin - kurz vor der Kabinettsklausur in Neuhardenberg. Die Regierung setze zu stark auf die Frage sozialpolitischer Reformen.
In der jüngsten IGBCE-Mitgliederumfrage hätten 90 Prozent der Befragten angegeben, der Politik fehle es an Verständnis für die Themen der Industriebeschäftigten. Die Industrie verliere Monat für Monat rund 15.000 Arbeitsplätze, sagte Vassiliadis. Die Regierung aber bleibe "unter ihren Möglichkeiten". Es brauche einen Neustart strategischer Ansatzpunkte für eine Industriepolitik. Unter Industriebeschäftigten gebe es einen Vertrauensverlust vor allem in die SPD.
Chemiepark in Sachsen-Anhalt möglicherweise vor dem Aus
In Sachsen-Anhalt stehe wegen ungelöster Versorgungsfragen möglicherweise ein ganzer Chemiepark vor dem Aus - aber die Politik diskutiere über Krankschreibungsregelungen, sagte Vassiliadis. Er forderte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, noch in dieser Woche ein Bekenntnis abzugeben, den Chemiepark erhalten zu wollen.
Der US-Konzern Dow Chemical hatte bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und im sächsischen Böhlen Ende 2027 geschlossen werden soll. Der sogenannte Steamcracker in Böhlen ist eine zentrale Anlage, die aus Rohbenzin chemische Grundstoffe herstellt. Diese Anlage steht am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette. Es wird befürchtet, dass eine Abschaltung viele angeschlossene Unternehmen in der Region in Gefahr bringen könnte./hoe/DP/mis