Patientenschützer fordert mehr Hilfen zur Suizid-Vorbeugung
BERLIN (dpa-AFX) - Die Deutsche Stiftung Patientenschutz dringt auf einen deutlich stärkeren Ausbau von Unterstützungsangeboten zum Vorbeugen von Suiziden. "Die Bundesregierung ignoriert das Ausmaß des Hilfebedarfs", sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Länder seien in der Pflicht, flächendeckende Krisendienste bereitzustellen. Wenn das Netz der Hilfe halten solle, brauche es jährliche Unterstützung in zweistelliger Millionenhöhe.
Brysch warnte mit Blick auf Ursachen persönlicher Krisen, schon heute seien freie Psychotherapieplätze Mangelware. Mit beschlossenen Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben werde sich die Lage weiter verschärfen. "Doch Betroffene brauchen schnellen Zugang zu Hilfsangeboten. Eine bloße Erstberatung reicht nicht aus." Notwendig sei ein Rechtsanspruch auf einen Therapieplatz innerhalb von vier Wochen in zumutbarer Wohnortnähe vor allem für aufsuchende Therapien für nicht mobile und pflegebedürftige Menschen.
Appell an neuen Minister
Der Patientenschützer forderte, der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) dürfe sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen. Ein noch von seiner Vorgängerin Nina Warken (CDU) erarbeiteter Gesetzentwurf zur Verhinderung von Suiziden werde dem Namen und Anspruch nicht gerecht.
Das Ministerium hatte einen Entwurf für ein Suizidpräventionsgesetz in die Abstimmung in der Regierung gegeben. Demnach soll eine zentrale Fachstelle geschaffen werden, die sich um eine einheitliche Krisendienst-Rufnummer kümmern soll. Im Blick stehen sollen auch Konzepte, wie die Verfügbarkeit von Mitteln zur Umsetzung von Selbsttötungen beschränkt werden kann.
Mehr als 10.000 Fälle im Jahr
Im Deutschland begehen nach Ministeriumsangaben jährlich mehr als 10.000 Menschen Suizid. Dies sei ein Anteil von einem Prozent an allen Sterbefällen. Hinzu komme eine Dunkelziffer, die statistisch nicht erfasst werde./sam/DP/stw