Umfrage: Zwei Drittel der Kitas bemängeln Personalmangel
BERLIN (dpa-AFX) - Trotz zurückgehender Kinderzahlen sehen sich viele Kitas einer Umfrage zufolge am Limit. Zwei Drittel der befragten knapp 3.300 Einrichtungen hielten den Personalschlüssel für unzureichend, heißt es im neuen Kita-Bericht des Paritätischen Gesamtverbands. Rechnerisch fehlten 107.000 pädagogische Beschäftigte, obwohl bundesweit mehr als 550.000 Kita-Plätze derzeit ungenutzt seien.
Wo weniger Kinder kämen, schrumpften die Kita-Teams, hieß es. In Sachsen etwa gingen in jedem zweiten Team mehr Fachkräfte als neue hinzukämen, berichtet der Sozialverband. Ähnlich angespannt sei die Lage in Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. 65,3 Prozent der Fachkräfte gaben an, dass sie mit dem vorhandenen Personalschlüssel den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden könnten.
Jede zweite Kita (51,5 Prozent) berichtete, sie habe in den vier Wochen zuvor die Betreuung zeitweise einschränken müssen. Neun von zehn Einrichtungen berichten von starker psychischer Beanspruchung des Personals. In 43,5 Prozent der Kitas sei binnen eines Jahres mindestens eine Fachkraft aus psychischen Gründen gegangen, heißt es in dem Kita-Bericht weiter.
"Sozialindex" gefordert
Besondere Personalengpässe gebe es in Einrichtungen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Dort reiche der Personalschlüssel oft nicht, um Sprachförderbedarf zu decken. Der Verband fordert einen "Sozialindex" in der Kita-Finanzierung, also besonders viele Ressourcen dort, wo Armut, Migration und Inklusionsbedarf die Lage besonders schwierig machen.
"Wer glaubt, weniger Kinder bedeute automatisch weniger Druck auf die Kitas, irrt", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Joachim Rock. "Wo eine Kita schließt, verschwindet eine Infrastruktur, die übermorgen wieder gebraucht werden könnte. Für Familien bedeutet das oft längere Wege und weniger Zeit füreinander."
Für den Kita-Bericht wurden nach Angaben des Paritätischen vom 12. Mai bis 20. Juni 2025 insgesamt 3.276 Personen in ebenso vielen unterschiedlichen Kitas im gesamten Bundesgebiet befragt./vsr/DP/zb