ROUNDUP: Auftragseingang für Industrie legt überraschend stark zu
WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Industrie hat im Juli erneut mehr Aufträge an Land gezogen als erwartet. Die Bestellungen stiegen zum Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 2,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das war deutlich mehr als von Ökonomen erwartet. Zum Vorjahresmonat stand sogar ein Plus von kalenderbereinigt gut 13 Prozent.
Der Anstieg im Juli geht fast ausschließlich auf den sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) zurück. Dort führen die staatlichen Investitionen in Verteidigung zu einer Sonderkonjunktur. Wegen außergewöhnlich vieler Großaufträge habe sich der Auftragseingang hier zum Vormonat mehr als verdoppelt, schrieben die Statistiker mit Blick auf ein Plus von gut 126 Prozent. Negativ wirkte sich dagegen vor allem der Auftragsrückgang in der Autoindustrie aus (minus 12,5 Prozent). "Konjunkturtief ist überwunden"
Das Gesamtbild im Juli sei nicht ganz so glänzend, wie es auf den ersten Blick aussehe, sagte Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank LBBW. "Dennoch zeigt sich auch mit diesen Zahlen, dass das Konjunkturtief zunächst überwunden ist. Es ist schon eine ganze Weile her, dass die deutsche Konjunktur so viele positive Schlagzeilen schrieb."
Wegen überraschend starker Exporte und der staatlichen Milliardenausgaben haben führende Institute ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft angehoben. Das Ifo-Institut erwartet für 2026 ein Wachstum der deutschen Wirtschaft um 1,4 Prozent. 2025 hatte das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,2 Prozent zugelegt, in den beiden Jahren davor war die Wirtschaft geschrumpft.
"Der starke Anstieg der Auftragseingänge in der Industrie ist ein weiteres Indiz, dass sich die deutsche Industrie langsam aus der langen Schwächephase herausarbeitet", sagte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Trotzdem blieben zentrale Probleme ungelöst, etwa Konkurrenz aus China sowie die US-Zölle. Selbst mit der Erholung der Aufträge seien viele Kapazitäten absehbar nicht ausgelastet. "Es dürften deshalb weiter Stellen in der Industrie verloren gehen."/als/jha/DP/jha/