Ölpreise: Brent steigt erstmals seit Juli über die Marke von 100 Dollar
NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben am Mittwoch angesichts neuer gegenseitiger Angriffe am Persischen Golf weiter zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent kostete erstmals seit dem 24. Juli wieder mehr als 100 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der Referenzsorte zur Auslieferung im November stieg um 2,98 Prozent auf 100,84 Dollar an.
Der Kampf zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle der Straße von Hormus ist zuletzt weiter eskaliert. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben als Vergeltung für Teherans Angriffe auf ein US-Kriegsschiff fünf iranische Rohöltanker und versenkte einen davon.
Irans Revolutionsgarden reagierten nach eigenen Angaben umgehend mit "schweren Raketenangriffen" auf das mit den USA verbündete Königreich Jordanien. Laut der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra fing die Armee 20 ballistische Raketen ab.
US-Außenminister Marco Rubio warnte Teheran vor weiteren Attacken: "Der Iran versucht weiterhin, Schiffe der US-Marine anzugreifen, und jedes Mal, wenn sie dies tun oder versuchen zu tun, werden sie Tanker verlieren", sagte Rubio während eines Besuchs in Kolumbien. Erst am Samstag hatte das US-Militär mitgeteilt, drei iranische Öltanker angegriffen zu haben.
"Der entscheidende Indikator, den es zu beobachten gilt, ist, ob dies dem
intensiven Öltransport durch die Straße von Hormus ein Ende bereiten wird",
sagte Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk
Management in Kopenhagen. "Es wird vielleicht nicht zu einem vollständigen Stillstand kommen, aber in Verbindung mit den aggressiver auftretenden Houthis im Roten Meer und den gestiegenen chinesischen Rohölimporten scheint sich das Gleichgewicht auf dem globalen Ölmarkt erneut zu verschlechtern."
Vor Beginn des Iran-Kriegs hatte der Brent-Preis noch bei gut 70 Dollar gelegen. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI verteuerte sich seitdem ebenfalls deutlich. Raffinierte Produkte wie Diesel legten noch stärker zu, da sich der Konflikt im Nahen Osten bis ins Rote Meer nahe Saudi-Arabien ausgeweitet hat - zusätzlich zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Die europäischen Erdgaspreise stiegen nach den jüngsten US-Angriffen den vierten Handelstag in Folge und erreichten den höchsten Stand seit Ende 2022.
Steigt der Rohölpreis, wird tendenziell das Tanken und das Heizen mit Öl und Gas teurer. Ein hoher Ölpreis beeinflusst auch die Preisentwicklung insgesamt, weil der Rohstoff ein wichtiger Kostenfaktor für die gesamte Wirtschaft ist.
Zuletzt war der Brent-Preis Mitte Juli kurzzeitig über 100 Dollar gestiegen. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde. Damals hatte der Beginn des Iran-Krieges durch die USA und Israel den Preis stark nach oben getrieben.
Die Straße von Hormus hat sich im Verlauf des jüngsten Iran-Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt: Der Iran blockiert mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die für den Transport von Öl, Flüssigerdgas und Dünger bedeutende Meerenge noch immer weitestgehend.
Umkämpfte Lebensader der Weltwirtschaft
Die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman gilt als Lebensader der Weltwirtschaft. Sie ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren. An der engsten Stelle ist die Schifffahrtsstraße rund 50 Kilometer breit. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen messen rund drei Kilometer.
Am Golf von Persien liegen bedeutende Ölförderländer, neben dem Iran Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. Vor dem Krieg war die Seestraße für den Schiffsverkehr offen. Ein Fünftel der weltweiten Öltransporte passierte sie täglich./jsl/stk/jha/bf/zb/nas