OTS: Proxima Fusion / Niedersachsen soll Standort für Europas nächste ...
Niedersachsen soll Standort für Europas nächste Schlüsseltechnologie
werden: Proxima Fusion plant industrielle HTS-Band-Produktion (FOTO)
Hannover (ots) - +++ Stärkung der Standortsouveränität: Ziel ist Europas erster
groß-industrieller Produktionsstandort für fusionsgeeignetes
Hochtemperatur-Supraleiter-Band (HTS-Band).
+++ Industrielle Wertschöpfung: Für die ersten beiden Projektphasen werden
Investitionen von rund 140 Millionen Euro erwartet. Angestrebt ist eine hälftige
private und öffentliche Finanzierung; Niedersachsen plant, 21 Millionen Euro
beizutragen.
+++ Proxima Fusion schafft als Ankerkunde Nachfrage für eine
Schlüsseltechnologie mit zusätzlichen Anwendungsmöglichkeiten in Energienetzen,
Medizintechnik und Antriebssystemen.
Proxima Fusion und das Land Niedersachsen haben heute eine Absichtserklärung
(Memorandum of Understanding, kurz MoU) unterzeichnet, um die Grundlage für den
Aufbau einer großindustriellen Produktion von Hochtemperatur-Supraleiter-Band
(HTS-Band) in Niedersachsen zu schaffen. Für die ersten beiden Projektphasen -
bis Ende 2029 - sind Investitionen von rund 140 Millionen Euro vorgesehen. Die
Ansiedlung soll neue industrielle Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze
schaffen und zugleich eine zentrale Voraussetzung für den Aufbau von neuen
europäischen Lieferketten bilden.
HTS-Band ist ein spezielles metallisches Band, das bei vergleichsweise hohen
Temperaturen supraleitend wird. Im supraleitenden Zustand kann es elektrische
Ströme praktisch ohne Widerstandsverluste transportieren. Dadurch lassen sich
besonders starke und zugleich kompakte Elektromagnete bauen. Diese Magnete sind
für Stellaratoren von zentraler Bedeutung: Sie erzeugen die Magnetfelder, die
das extrem heiße Plasma im Inneren einer Fusionsanlage einschließen und
kontrollieren.
HTS-Band wird so zu einer Schlüsselkomponente, weil es kompaktere und
leistungsfähigere Fusionsanlagen und damit nicht nur die physikalische Umsetzung
von Fusionsenergie, sondern auch kosteneffiziente Kraftwerke ermöglicht.
Die geplante Fabrik soll HTS-Band für den Einsatz in Fusionsanlagen herstellen,
unter anderem für die leistungsstarken Magnete von Stellaratoren. Damit würde in
Niedersachsen eine entscheidende industrielle Grundlage für Proximas
Fusionsdemonstrator Alpha, das geplante Kraftwerk Stellaris und langfristig die
Serienproduktion von Stellaratoren entstehen. Der künftige Produktionsstandort
wäre einer der ersten seiner Art in Deutschland und Europa.
Die entstehende HTS-Produktionskapazität ist auch für andere Anwendungsfelder
geeignet. HTS-Materialien können in leistungsfähigen Stromnetzen, der
medizinischen Bildgebung und Therapie, fortschrittlichen Antriebssystemen sowie
weiteren Hochfeldmagnet-Anwendungen eingesetzt werden. Eine Fertigung in
Niedersachsen wird deshalb deutlich mehr schaffen als eine zusätzliche
Lieferquelle für Stellaratoren-Technologie: Sie verbindet Materialkompetenz,
Produktionsverfahren, Qualitätssicherung, Fachkräfte und Zulieferer zu einer
industriellen Basis, die vielfältige Spin-Offs in weiteren
Hochtechnologiebranchen ermöglichen kann.
Von der Fusionsforschung zur industriellen Wertschöpfung
Mit dem MoU schaffen Niedersachsen und Proxima den Rahmen, um aus dieser
technologischen Nachfrage eine industrielle Produktionsbasis aufzubauen.
Vorgesehen sind unter anderem die Prüfung geeigneter Standorte in Niedersachsen,
eine meilensteinbasierte Unterstützungs- und Förderstruktur, die Begleitung von
Genehmigungsverfahren sowie Kooperationen mit Unternehmen, Kommunen und
Forschungseinrichtungen im Land.
Proxima befindet sich in Gesprächen mit mehreren internationalen
Technologiepartnern, um etabliertes Know-how und Produktionskapazitäten für die
Herstellung von HTS-Band nach Niedersachsen zu bringen.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies: "Wir bauen Niedersachsen zum
Vorreiter einer europäischen HTS-Produktion aus, die nicht nur Deutschlands
ambitionierte Ziele im Bereich der Fusionsenergie unterstützen wird, sondern
auch zukunftsorientierte Produktion, neue Wertschöpfung, qualifizierte
Arbeitsplätze und technologisches Know-how zu uns bringen wird, all dies
verspricht positive Innovationseffekte für viele weitere Branchen. Niedersachsen
wird im wahrsten Sinne des Wortes zum Magneten für eine neue
Schlüsseltechnologie."
"HTS-Band ist eine der Schlüsseltechnologien dafür, um Fusion industriell
schnell zu skalieren. Alpha und Stellaris schaffen die Nachfrage, um dieses
Produktions-Know-how vor Ort aufzubauen. Niedersachsen bringt die industrielle
Basis, Energiekompetenz und politische Entschlossenheit mit, um eine
Abhängigkeit in eine dauerhafte, strategische Stärke des Industriestandorts
Deutschland und Europa umzuwandeln," sagt Dr. Francesco Sciortino, Mitgründer
und CEO von Proxima Fusion.
"Niedersachsen bringt hervorragende Voraussetzungen für die Zukunftsfelder von
morgen mit. Unsere Forschungseinrichtungen verfügen über gezielte Stärken in den
Schlüsseltechnologien der Fusion, dazu zählen die Bereiche Laserphysik und
Photonik. Die geplante Ansiedlung zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit von
Wissenschaft und Wirtschaft zur Bildung neuer Stärken für Niedersachsen ist,"
sagt Falko Mohrs, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur.
Eine strategische Lücke in Europas Fusionslieferkette schließen
HTS-Band wird bislang vor allem in Asien im großen industriellen Maßstab
hergestellt. Der Aufbau eigener Fertigungskapazitäten ist strategisch relevant,
um die Lieferkette von Stellaratoren nahezu vollständig in Europa zu verorten.
Nach aktueller Planung benötigt Proxima rund 20.000 Kilometer HTS-Band für Alpha
und weitere 40.000 Kilometer für Stellaris. Diese Nachfrage macht Proxima Fusion
zum Ankerkunden: Langfristige Abnahmemengen sind wichtig für den industriellen
Hochlauf, sichern eigenes Fertigungswissen und senken die Kosten pro Meter.
Bei der Gesamtinvestition strebt Proxima eine Finanzierung zu gleichen Teilen
aus privaten Mitteln und öffentlicher Förderung an. Das Land Niedersachsen
plant, aktuell 21 Millionen Euro bereitzustellen. Das entspricht knapp 30
Prozent des vorgesehenen öffentlichen Finanzierungsanteils.
Die Vereinbarung erweitert Proximas Industriestrategie um einen zentralen
Produktionsschritt in der vorgelagerten Lieferkette. In der Alpha Alliance
arbeiten bereits mehr als 50 Unternehmen an den Systemen, Fertigungsverfahren,
Infrastrukturen und Integrationsleistungen für den Fusionsdemonstrator Alpha.
Eine Produktion von fusionsgeeignetem HTS-Band würde diese industrielle Basis um
eine zentrale Komponente ergänzen und gezielt eine entscheidende Lücke in der
europäischen Fusionslieferkette schließen. Deutschland kann damit
Fertigungswissen und Wertschöpfung im Land halten, seine Lieferketten
widerstandsfähiger machen und seine weltweit führende Stellarator-Forschung in
eine international relevante und für verschiedenste Branchen anschlussfähige
Industrie überführen.
Über Proxima Fusion
Proxima Fusion ist Europas führendes Stellarator-Unternehmen und das erste
Spin-out des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik. Das Unternehmen entwickelt
Fusionskraftwerke auf Basis von QI-HTS-Stellaratoren und baut auf den
wissenschaftlichen Durchbrüchen des Wendelstein-7-X-Programms auf.
Mit Alpha entwickelt Proxima einen Demonstrator für Nettoenergie aus Fusion
Anfang der 2030er-Jahre und verfolgt das Ziel, mit Stellaris in den
2030er-Jahren das weltweit erste kommerzielle Stellarator-Fusionskraftwerk zu
realisieren. Unterstützt wird dieser Weg durch die Alpha Alliance mit mehr als
50 Industriepartnern sowie ein hochrangig besetztes Industrial Development
Board.
Proxima Fusion beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat
seinen Hauptsitz in München sowie Büros in Zürich und Oxford. Weitere
Informationen unter: http://www.proximafusion.com
Pressekontakt:
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