RIGA (dpa-AFX) - Die angeschlagene lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat Gläubigerschutz in den USA beantragt. Der Antrag erfolge freiwillig nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts, teilte das Unternehmen in Riga mit. Es handle sich um ein Verfahren zur finanziellen Restrukturierung unter gerichtlicher Aufsicht. Flugbetrieb und Flugpläne seien nicht betroffen, hieß es in der Mitteilung des Staatsunternehmens, das sich seit längerem in finanzieller Schieflage befindet. Der US-Gläubigerschutz ist durch niedrige rechtliche Hürden auch für Unternehmen außerhalb der USA zugänglich.
Air Baltic fliegt in Deutschland die fünf größten Flughäfen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München an. Das Unternehmen sitzt in Riga und ist die größte Fluggesellschaft in den baltischen Staaten. Sie fliegt von ihrem Drehkreuz Riga zu mehr als 70 Zielen, bietet aber weder Flüge in die USA noch innerhalb der Staaten an. Größter Anteilseigner ist mit mehr als 88 Prozent der lettische Staat. Die Lufthansa
Sicherung des Betriebs mit neuem Kapital
"Wir werden den Geschäftsbetrieb wie gewohnt fortführen", betonte Unternehmenschef Erno Hildén auf einer Pressekonferenz in Riga. "Unser Ziel ist es, unsere Schulden grundlegend zu restrukturieren und mit unseren Vertragspartnern eine Einigung über diese Verpflichtungen zu erzielen." Angesichts der internationalen Ziele und Vertragspartner habe man sich dazu für ein Verfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts entschieden.
Zusammen mit der Einleitung des Gläubigerschutzverfahrens erhielt Air Baltic von Kreditgebern die verbindliche Zusage, 350 Millionen Euro an neuen Finanzmitteln zu einem Zinssatz von 12 Prozent bereitzustellen. Damit sollen die Liquidität und der laufende Betrieb des Unternehmens gesichert werden, teilten die Fluggesellschaft und die Staatskanzlei in Riga mit. Air Baltic geht den Angaben zufolge davon aus, das Verfahren bis etwa Juni 2027 abzuschließen.
Regierungschef begrüßt Verfahren
"Ich betrachte diese Lösung als eine der besten Möglichkeiten, die Überlebensfähigkeit von Air Baltic sicherzustellen, da sie die notwendigen Instrumente und Zeit bietet, um den entwickelten Restrukturierungsplan umzusetzen", teilte der lettische Regierungschef Andris Kulbergs mit. Das Unternehmen beginne damit die seit Jahren aufgeschobene Bereinigung seiner Schulden und Verbindlichkeiten.
Lettlands Regierung musste mit Kapitalerhöhungen wiederholt das Überleben des Unternehmens sichern, das durch Folgen der Corona-Pandemie und durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine in finanzielle Schieflage geraten war. Der seit längerem geplante Börsengang wurde mehrmals verschoben./awe/DP/stw