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NPL-Barometer 2026 zeigt erhöhte Kreditrisiken bei Immobilien und
Mittelstand / steigende Insolvenzen erwartet
Berlin/Hamburg (ots) - Die Kreditrisiken deutscher Banken konzentrieren sich
besonders auf Gewerbeimmobilien und den Mittelstand. Das zeigt das NPL-Barometer
2026 der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) und der Frankfurt
School of Finance & Management. Die neue Auswertung der ESG-Offenlegungen macht
den Branchenunterschied sichtbar: Ende 2025 lag die Quote notleidender
Engagements in klimaintensiven Sektoren bei deutschen Instituten um 2,8
Prozentpunkte über der Quote des übrigen Firmenkreditbuchs. Im EU/EWR-Aggregat
betrug der Abstand 0,74 Prozentpunkte, also rund ein Viertel des deutschen
Werts.
Immobilienwirtschaft prägt den ESG-Befund
Zur Gruppe der klimaintensiven Sektoren zählt in der verwendeten Systematik auch
das Grundstücks- und Wohnungswesen. Auf diesen Bereich entfallen rund 60 Prozent
der notleidenden Engagements in klimaintensiven Sektoren bei den sieben
deutschen Instituten, deren Branchenangaben die BKS im Detail auswerten konnte.
Die Zahl zeigt das Gewicht der Immobilienwirtschaft innerhalb dieser Stichprobe.
Der ESG-Vergleich beschreibt die Verteilung der Kreditrisiken nach Branchen; die
Ursachen müssen anhand von Konjunktur, Geschäftsmodellen und
Finanzierungsbedingungen eingeordnet werden. Über die zusammengefassten Bestände
dieser sieben Banken liegt der Branchenabstand bei 3,43 Prozentpunkten und damit
über dem EBA-Deutschlandwert von 2,8 Prozentpunkten; die Bankenkreise
unterscheiden sich.
"Neben den Konjunktur- tritt ein Transformationszyklus, der Branchen dauerhaft
neu bewertet und Sicherheiten entwertet, die über Jahrzehnte als solide galten",
sagt Prof. Dr. Christoph Schalast, Vorsitzender des Beirats der BKS und
Professor an der Frankfurt School of Finance & Management.
Barometer seit 2015 und Ausblick bis 2027
Das Geschäftsklima im deutschen NPL-Markt liegt 2026 bei +0,32 und damit nahezu
auf dem Vorjahreswert von +0,31. Die seit 2015 fortgeführte Reihe zeichnet den
Weg von der Niedrigzinsphase über die Pandemie und die Zinswende bis zum
heutigen erhöhten Niveau nach. 2015 lag der Index bei -0,16, 2023 erreichte er
+0,46. Positive Werte stehen in der Systematik des Barometers für einen
aktiveren Markt für notleidende Kredite aus Käufersicht.
Parallel haben die notleidenden Kreditbestände wieder zugenommen: von 29,7
Milliarden Euro Ende 2021 auf 48,6 Milliarden Euro Ende 2025. Für den 31. März
2026 meldet die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA 50,1 Milliarden Euro in
ihrer deutschen Bankenstichprobe. Das Barometer-Panel erwartet 50,4 Milliarden
Euro zum Jahresende 2026 und 53,1 Milliarden Euro zum Jahresende 2027.
Bei Krediten an kleine und mittlere Unternehmen erwartet das Panel eine
NPL-Quote von 5,1 Prozent Ende 2026 und 5,7 Prozent Ende 2027. Der EBA-Istwert
im ersten Quartal 2026 liegt bei 4,3 Prozent. Für Gewerbeimmobilien rechnet das
Panel mit 6,5 Prozent zu beiden Jahresenden, nach 6,8 Prozent im ersten Quartal
2026.
Insolvenzgeschehen nach Branchen
Die Unternehmensdaten ergänzen diesen Ausblick: 2025 wurden in Deutschland laut
Destatis 24.064 Unternehmensinsolvenzen erfasst. CRIF erwartet für 2026 bis zu
26.000 Fälle. Im ersten Halbjahr entfielen nach der CRIF-Auswertung 22,7 Prozent
der Insolvenzfälle auf das Verarbeitende Gewerbe, 13,4 Prozent auf das
Gastgewerbe, 13,3 Prozent auf das Baugewerbe und 11,7 Prozent auf den Handel
einschließlich Kfz-Reparatur. Zusammen sind das rund 61 Prozent aller Fälle.
Nach der aktuellen CRIF-Einstufung gelten im September 2026 insgesamt 322.890
Unternehmen als insolvenzgefährdet. Das entspricht 10,3 Prozent aller
Unternehmen. Die Zahl der insolvenzgefährdeten Unternehmen liegt um 1,4 Prozent
über dem Vorjahr. Unter den von CRIF genannten Branchen weisen die Gastronomie
mit 13,2 Prozent und der Kfz-Handel mit 12,5 Prozent besonders hohe
Gefährdungsanteile auf. Diese Werte beziehen sich auf die Unternehmen innerhalb
der jeweiligen Branche und sind von der Verteilung tatsächlich eingetretener
Insolvenzen zu unterscheiden.
"Unsere Daten zeigen, dass die Zahl der Unternehmen mit erhöhtem Insolvenzrisiko
weiter zunimmt. Deshalb erwarten wir für 2026 einen erneuten Anstieg der
Unternehmensinsolvenzen", erklärt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF
Deutschland.
Auch Privatpersonen stehen unter Druck
CRIF registriert für das erste Halbjahr 2026 insgesamt 54.900 Privatinsolvenzen,
4,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet CRIF
110.000 Fälle nach knapp 108.000 im Jahr 2025. Die Zahlen ergänzen den Blick auf
die Kreditqualität um die finanzielle Lage privater Haushalte.
Ein weiterer Beobachtungspunkt ist Stage 2: Kredite, deren Ausfallrisiko seit
Erstansatz deutlich gestiegen ist, die aber noch nicht bonitätsbeeinträchtigt
sind. Zum 31. März 2026 beträgt ihr Anteil an den zu fortgeführten
Anschaffungskosten bewerteten Krediten in der deutschen EBA-Stichprobe 15,0
Prozent, im EU/EWR-Aggregat 9,1 Prozent. Stage 3 bezeichnet dagegen Kredite mit
bereits eingetretener Wertminderung: Verlustereignisse wie Zahlungsausfälle oder
erhebliche finanzielle Schwierigkeiten des Schuldners beeinträchtigen die
erwarteten Rückzahlungen. Mögliche Übergänge von Stage 2 zu Stage 3 verdienen
deshalb besondere Aufmerksamkeit.
"Für Unternehmen und ihre Finanzierungspartner rücken damit die frühzeitige
Erkennung von Krisen und die Wahl geeigneter Restrukturierungsinstrumente in den
Mittelpunkt", sagt Martin Kropp, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei
der auf Sanierungen und Restrukturierungen spezialisierten Kanzlei Schultze &
Braun. Dazu gehören vorinsolvenzliche Verfahren, das StaRUG und die
Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und finanzierenden Banken. "Fakt ist: Kein
Unternehmen ist davor gefeit, in eine wirtschaftliche Schieflage zu geraten.
Wenn Krisenanzeichen aber frühzeitig erkannt werden, stehen die Chancen gut,
eine Krisensituation zu meistern oder sie sogar zu vermeiden. Das ist für die
Unternehmen, aber auch für ihre Finanzierungspartner das beste Ergebnis",
erläutert Kropp.
BKS fordert Evaluierung und mehr Markttransparenz
"Wer Altlasten aus der Bilanz nehmen kann, hat Kapital frei, um den Umbau seiner
Kundschaft zu begleiten", betont BKS-Präsident Dr. Marcel Köchling. Die BKS
verbindet die Ergebnisse mit zwei Forderungen: einer Evaluierung des
Kreditzweitmarktgesetzes und mehr Transparenz über die von der Aufsicht
erhobenen Transaktionsdaten. Die bereits von der Aufsicht erhobenen
Transaktionsdaten sollten aggregiert und anonymisiert zugänglich gemacht werden.
Über das NPL-Barometer
Das NPL-Barometer erfasst seit 2015 die Einschätzungen von Fach- und
Führungskräften, die in deutschen Kreditinstituten unmittelbar mit Kreditrisiken
und notleidenden Engagements arbeiten. Die strukturierte Expertenbefragung
beleuchtet unterschiedliche Kreditsegmente sowie Bestandsentwicklung,
Transaktionen, Preise und regulatorische Rahmenbedingungen. Im Panel sind
verschiedene Banktypen vertreten. Die Ergebnisse liefern ein fachlich fundiertes
Stimmungsbild aus der Bankpraxis, das die BKS mit Aufsichtsdaten und weiteren
Marktindikatoren einordnet. Die Zahl der auswertbaren Antworten variiert je nach
Frage. Die Befragung fand von Januar bis Mai 2026 statt. Redaktionsschluss der
Barometer-Datenauswertung war der 3. September 2026; die CRIF-Angaben wurden für
die Pressekonferenz im September ergänzt.
Das Webinar zum NPL-Barometer findet am 16. September 2026 um 14 Uhr statt.
Informationen zu Teilnahme, Materialien und Pressezugang:
mailto:jan.dzieciol@bks-ev.de . Auf Anfrage bietet die BKS einen Pressezugang
zur BKS-Datenplattform an, unterstützt bei vertiefenden Auswertungen und
vermittelt Interviews mit den Beteiligten. Das vollständige Pressepaket steht
hier zum Download bereit:
https://bks-ev.de/wp-content/uploads/2026/09/Pressepaket_NPL_Barometer_2026.zip
Über die BKS
Die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing e. V. vertritt seit 2007
Investoren, Servicer und Dienstleister des deutschen Marktes für notleidende
Kredite. Gemeinsam mit der Frankfurt School of Finance & Management erhebt sie
seit 2015 das NPL-Barometer. http://www.bks-ev.de
Über CRIF Deutschland
CRIF ist ein weltweit tätiger Anbieter von Kreditinformationen und Lösungen für
das Risikomanagement. CRIF Deutschland veröffentlicht regelmäßig Analysen zu
Unternehmens- und Privatinsolvenzen sowie zum Zahlungsverhalten der deutschen
Wirtschaft. http://www.crif.de
Über Schultze & Braun
Schultze & Braun ist mit rund 30 Standorten in Deutschland und dem europäischen
Ausland vertreten. Die Kanzlei berät Unternehmen und Investoren sowie
finanzierende Banken bei Restrukturierungen und Sanierungen und ist in der
Insolvenzverwaltung tätig. http://www.schultze-braun.de
Pressekontakt:
Oliver Ollrogge, CRIF GmbH, Bereich Marketing/PR
E-Mail: mailto:o.ollrogge@crif.com, Tel.: 040 / 89 803 582
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/22285/6352202
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