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OTS: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr / ...

21.09.2026
um 06:57 Uhr

Wie wehrbereit sind wir? Die neue Bevölkerungsbefragung 2026 (FOTO)
Potsdam (ots) - Auf Grundlage der repräsentativen ZMSBw-Bevölkerungsbefragung
2026 wurde die Wehrbereitschaft der Gesellschaft in Deutschland umfassend
untersucht. Hierfür wurden im April und Mai 2026 über 2.200 zufällig ausgewählte
Bürgerinnen und Bürger befragt. Aus den empirischen Daten ist zu schließen:
Niemand sollte die Wehrbereitschaft in Deutschland unterschätzen.

Mehrheit sieht Russland als Bedrohung

Die Grundlage der gesellschaftlichen Wehrbereitschaft ist die in allen Teilen
der Bevölkerung stark ausgeprägte Wahrnehmung Russlands als Bedrohung für
Deutschlands Sicherheit. Einzig die Wählerschaft der AfD sieht in Russland
mehrheitlich keine Bedrohung. Mit dieser Bedrohungswahrnehmung steht und fällt
der öffentliche Zuspruch zur Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit
(Erhöhung der Verteidigungsausgaben, Personalaufwuchs der Bundeswehr und
Akzeptanz des Neuen Wehrdienstes) sowie zu Deutschlands militärischem Engagement
zum Schutz der NATO-Ostflanke und zur militärischen Unterstützung der Ukraine in
ihrem Abwehrkampf gegen Russland.

Großer Rückhalt für Zeitenwende und Bundeswehr

Angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Russland fordert weiterhin eine klare
Mehrheit eine finanzielle und personelle Stärkung der Bundeswehr (58 bzw. 64
Prozent). Auch der Anfang 2026 eingeführte Neue Wehrdienst stößt auf eine große
und im Vergleich zum Vorjahr gestiegene gesellschaftliche Akzeptanz (59 Prozent;
+6 Prozentpunkte) - auch bei den Jüngeren. Der gesellschaftliche Rückhalt für
die Bundeswehr ist und bleibt sehr hoch. Unabhängig von der
sicherheitspolitischen Lage geben seit einem Vierteljahrhundert mindestens drei
Viertel der Bürgerinnen und Bürger an, eine positive Einstellung zur Bundeswehr
zu haben. Aktuell sind es über 80 Prozent. Dass die Bevölkerung eine kritische
Haltung zur Bundeswehr habe, ist eine alte Behauptung, der jegliche empirische
Evidenz fehlt.

Internationale Sicherheit: Starkes Bekenntnis, sinkendes Engagement

Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hat eine realistische außen- und
sicherheitspolitische Auffassung und unterstützt eine aktive deutsche
Außenpolitik. Pazifistische, isolationistische und militaristische Positionen
vertreten nur Minderheiten in der deutschen Bevölkerung. Im Vergleich zum
Vorjahr ist der grundsätzliche Zuspruch zu einer aktiven deutschen Außenpolitik
jedoch gesunken, was sich auch in den niedrigeren Zustimmungswerten zu annähernd
allen Mitteln der Außenpolitik sowie zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr
abbildet. Diese Entwicklung führt zu einer wachsenden Diskrepanz zwischen dem
prinzipiellen Bekenntnis zu Deutschlands Verantwortung für die internationale
Sicherheit und der öffentlichen Unterstützung für das konkrete (militärische)
Engagement zum Schutz dieser Sicherheit - im Rahmen der EU, der NATO und der
Vereinten Nationen. Ungeachtet dieser Entwicklung spricht sich eine Mehrheit von
55 Prozent der Befragten dafür aus, dass Deutschland militärische Gewalt zur
Verteidigung eines östlichen NATO-Mitgliedslandes einsetzen sollte, wenn dieses
durch Russland militärisch angegriffen werden würde, ein Viertel (26 Prozent)
ist unentschlossen und eine Minderheit (14 Prozent) lehnt dies ab.

Millionen würden Deutschland verteidigen - mit und ohne Waffe

Im Falle eines militärischen Angriffs auf Deutschland wären große Teile der
Bevölkerung bereit, sich im Zivilschutz, im medizinischen Bereich, in
verteidigungsrelevanten Wirtschaftsbereichen oder auch in den Streitkräften zu
engagieren. Dabei sind Männer eher bereit, sich in technischen oder
militärischen Verwendungen zu engagieren, während Frauen sich eher einen Einsatz
im medizinischen Bereich vorstellen können. Es sind auch deutlich mehr Männer
(53 Prozent) als Frauen (15 Prozent), die grundsätzlich bereit wären, im Falle
eines militärischen Angriffs Deutschland mit der Waffe zu verteidigen. Das
konkrete Interesse am Neuen Wehrdienst ist bei jungen Männern (34 Prozent)
ebenfalls deutlich größer als bei jungen Frauen (17 Prozent). Gleiches gilt für
den Soldatenberuf: 20 Prozent der jungen Männer und 5 Prozent der jungen Frauen
können sich vorstellen, Soldat bzw. Soldatin zu werden.

Wie sind die Zustimmungswerte zur persönlichen Verteidigungsbereitschaft mit der
Waffe und zum Interesse am Dienst in den Streitkräften zu bewerten? Allein in
der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen erklären sich 50 Prozent der Männer und 16
Prozent der Frauen zum bewaffneten Kampf bereit. In absoluten Zahlen entspräche
das gemäß Zensus fünf Millionen Männern und etwas weniger als zwei Millionen
Frauen. Jeder fünfte Mann im Alter von 16 bis 29-Jahren kann sich zudem eine
berufliche Tätigkeit als Soldat in der Bundeswehr vorstellen. In absoluten
Zahlen wären das gemäß Zensus mehr als eine Million Männer. Und die
16-29-Jährigen, die ein mittleres bis sehr starkes Interesse am Neuen Wehrdienst
bekunden, entsprächen in absoluten Zahlen ca. zwei Millionen Männern und ca.
einer Million Frauen. Über die Gruppe der 18-Jährigen Männer hinaus besteht also
weiteres Potenzial an Interessenten für den Neuen Wehrdienst.

Fazit

Niemand sollte die Wehrbereitschaft der deutschen Bevölkerung unterschätzen,
denn die empirischen Befunde zeigen: Die akute Bedrohung durch Russland wird
erkannt, die aktuelle Verteidigungspolitik mitgetragen und die persönliche
Verteidigungsbereitschaft ist hinreichend stark ausgeprägt. Für die Bundeswehr
besteht die Herausforderung darin, das vorhandene Wehrpotenzial in der
Bevölkerung so auszuschöpfen, dass Deutschlands Verteidigungsfähigkeit möglichst
schnell und zugleich nachhaltig gestärkt wird.

Ergebnisse auf einen Blick

- Die Bundeswehr genießt großes Vertrauen und ist fest in der Gesellschaft
verankert: 87 Prozent vertrauen der Bundeswehr, drei Prozentpunkte mehr als im
Vorjahr. Damit belegt sie zum fünften Mal in Folge den zweiten Platz hinter
der Polizei unter den untersuchten Institutionen. Für 83 Prozent ist die
Bundeswehr ein ganz normaler Bestandteil der Gesellschaft; das sind fünf
Prozentpunkte mehr als 2025.
- Der Rückhalt für den Kernauftrag der Bundeswehr ist weiter gewachsen: 94
Prozent befürworten die Abwehr eines militärischen Angriffs auf Deutschland
als Aufgabe der Bundeswehr, acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 79 Prozent
unterstützen den militärischen Beistand für angegriffene Verbündete, ein
Zuwachs von vier Prozentpunkten. Die Verteidigung Deutschlands und seiner
Verbündeten findet damit eine besonders breite gesellschaftliche Zustimmung.
- Die Bevölkerung steht klar hinter der NATO: 76 Prozent halten Deutschlands
weitere Mitgliedschaft in der NATO für notwendig, um die Sicherheit des Landes
zu gewährleisten, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 71 Prozent
unterstützen die Einhaltung der finanziellen Zusagen an das Bündnis. Auch eine
gemeinsame europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik befürwortet mit
67 Prozent weiterhin eine klare Mehrheit.
- Eine klare Mehrheit unterstützt die weitere Stärkung der Bundeswehr: 58
Prozent sprechen sich für höhere Verteidigungsausgaben aus, 64 Prozent für
mehr Soldatinnen und Soldaten. Die Unterstützung reicht über unterschiedliche
gesellschaftliche Gruppen hinweg. Der Forschungsbericht stellt fest: "Die
Forderung nach einer Stärkung der Bundeswehr ist und bleibt ein
gesamtgesellschaftlicher Konsens."
- Immer mehr Menschen halten den Neuen Wehrdienst für notwendig: 59 Prozent
halten den Neuen Wehrdienst für notwendig, sechs Prozentpunkte mehr als im
Vorjahr. Auch bei den 16- bis 29-Jährigen ist die Zustimmung gestiegen: auf 50
Prozent bei den Männern und 40 Prozent bei den Frauen, ein Plus von fünf
beziehungsweise zwei Prozentpunkten. 68 Prozent der Bevölkerung erwarten, dass
der Neue Wehrdienst der Bundeswehr bei der Personalgewinnung hilft.
- Der Neue Wehrdienst stößt bei jungen Menschen auf Interesse: Unter den 16- bis
29-Jährigen ohne militärische Erfahrung bekunden 34 Prozent der Männer und 17
Prozent der Frauen ein mittleres bis sehr starkes Interesse am freiwilligen
Neuen Wehrdienst. Von den jungen Menschen mit eher starkem oder sehr starkem
Interesse können sich gut zwei Drittel auch eine berufliche Tätigkeit als
Soldatin oder Soldat vorstellen. Daraus ergeben sich Ansatzpunkte für eine
gezielte Ansprache zu unterschiedlichen Möglichkeiten des Dienstes in der
Bundeswehr.
- Viele Menschen können sich vorstellen, persönlich zur Verteidigung
Deutschlands beizutragen: Die Befragung erfasst erstmals ein breites Spektrum
möglicher Beiträge im Verteidigungsfall. 49 Prozent können sich ein Engagement
im Zivilschutz vorstellen, 44 Prozent im Rettungsdienst oder im medizinischen
Bereich. Für 28 Prozent kommt ein freiwilliger Wechsel an einen
verteidigungsrelevanten Arbeitsplatz infrage. Die Ergebnisse zeigen
vielfältige Möglichkeiten persönlichen Engagements auch außerhalb der
Streitkräfte.

Autor und Studie

Dr. Timo Graf
(https://zms.bundeswehr.de/de/zmsbw-ueber-uns-ueberblick/timo-graf-5409174)
forscht zur öffentlichen Meinung über Sicherheits- und Verteidigungspolitik, zu
strategischen Kulturen sowie zu den zivil-militärischen Beziehungen in
Deutschland. Dr. Graf leitet die jährliche ZMSBw-Bevölkerungsbefragung und ist
der Autor des Forschungsberichts.

Die jährliche ZMSBw-Bevölkerungsbefragung ist seit Beginn der Umfragestudie im
Jahr 1996 der Gradmesser für die gesellschaftliche Legitimation, Relevanz und
Integration der Bundeswehr. Ihre Ergebnisse dienen dazu, das Verhältnis zwischen
Bundeswehr und Gesellschaft zu analysieren sowie die Informationsarbeit der
Bundeswehr zu evaluieren (Ressortforschung). Mit der öffentlichkeitswirksamen
Publikation der Befragungsergebnisse in vielfältigen Formaten leistet das ZMSBw
einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der deutschen Sicherheits- und
Verteidigungspolitik (Wissenstransfer). Darüber hinaus werden die
Befragungsdaten in wissenschaftlichen Fachpublikationen aufbereitet, als
Grundlage für sozialwissenschaftliche Qualifikationsarbeiten und in der
universitären Lehre genutzt sowie der Forschung allgemein im Datenarchiv des
GESIS zur Verfügung gestellt (Grundlagenforschung).

Ausführlichere Informationen zur Studie mit Zahlen, Methodologie und ein
Download auf der Website des ZMSBw (https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-u
eberblick/bevoelkerungsbefragung-2026-wehrbereitschaft-deutschland-6150566) .

Pressekontakt:

Oberstleutnant Michael Gutzeit
Leiter der Informationsarbeit
Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
0331 9714 400

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/171701/6355547
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