dpa-AFX Compact

OTS: Roland Berger / Restrukturierungsstudie 2026: Stagnation treibt ...

24.09.2026
um 08:06 Uhr

Restrukturierungsstudie 2026: Stagnation treibt Fallzahlen, KI soll
Sanierungen beschleunigen
München (ots) -

- Stagnation wird zur neuen Realität: 65 Prozent der Studienteilnehmenden
erwarten eine unveränderte Wirtschaftsleistung, 29 Prozent ein sinkendes
Bruttoinlandsprodukt - nur 6 Prozent rechnen mit Wachstum.
- Restrukturierungsdruck nimmt deutlich zu: 83 Prozent beobachten steigende
Fallzahlen, die Automobilindustrie weist mit 87 Prozent weiterhin den größten
Transformationsbedarf auf.
- KI verspricht Tempo, ist aber kaum verankert: 74 Prozent erwarten schnellere
Diagnose und Umsetzung, doch 45 Prozent berichten bislang lediglich von
Pilotprojekten und kein Befragter von einem breitflächigen Einsatz.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase anhaltender struktureller
Schwäche - und der Druck auf Unternehmen nimmt weiter zu. Das zeigt die neue
Restrukturierungsstudie von Roland Berger, für die 130 Experten aus dem
deutschsprachigen Raum befragt wurden. Knapp zwei Drittel der befragten
Restrukturierungsexperten erwarten für die kommenden zwölf Monate eine
unveränderte Wirtschaftsleistung, weitere 29 Prozent ein sinkendes
Bruttoinlandsprodukt. Nur 6 Prozent rechnen mit Wachstum.

Die Belastungen sind vielfältig: 65 Prozent der Befragten nennen Bürokratie und
Regulierung als besonderes Risiko für die deutsche Wirtschaft. Energiepreise und
Versorgungssicherheit folgen mit 53 Prozent - ein Anstieg um 22 Prozentpunkte
gegenüber dem Vorjahr. Jeweils 51 Prozent sehen geopolitische Spannungen sowie
den technologischen Wandel als zentrale Gefahren. Gleichzeitig attestiert mehr
als die Hälfte der Experten den deutschen Unternehmen eine schlechte
Vorbereitung auf eine weitere Konjunktureintrübung, nur 8 Prozent bewerten sie
als gut vorbereitet.

Restrukturierungsdruck steigt - Automobilindustrie bleibt besonders gefordert

Die angespannte Lage schlägt sich unmittelbar im Restrukturierungsgeschehen
nieder: 83 Prozent der Praktiker berichten von einer Zunahme der Fälle. 21
Prozent beobachten sogar einen starken Anstieg - mehr als doppelt so viele wie
im Vorjahr. Zugleich sagen 61 Prozent, dass Restrukturierungsprozesse länger
dauern, 56 Prozent sehen komplexere Finanzierungsstrukturen und 42 Prozent
komplexere Stakeholder-Strukturen. Konsensuale Lösungen werden dadurch
schwieriger, langsamer und liquiditätsintensiver.

"In einer Phase anhaltender Stagnation reicht es nicht mehr aus, lediglich
durchzuhalten", sagt Alexander Müller, Senior Partner bei Roland Berger.
"Unternehmen müssen den Schritt zur konsequenten Anpassung gehen und die akute
Krisenbewältigung zugleich als Ausgangspunkt für die notwendige strukturelle
Erneuerung nutzen."

Mit 87 Prozent weist die Automobilindustrie aus Sicht der Experten weiterhin den
größten Restrukturierungs- und Transformationsbedarf auf, gefolgt vom Maschinen-
und Anlagenbau mit 54 Prozent. Besonders stark steigt der Handlungsdruck in
Pharma, Gesundheit und Krankenhauswesen auf 26 Prozent sowie in der
Chemiebranche auf 31 Prozent. Auch transaktionale Sanierungen gewinnen an
Bedeutung: 72 Prozent erwarten eine moderate oder starke Zunahme von Verkäufen
und anderen strukturellen Lösungen.

Belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen bleiben mit 61 Prozent der
wichtigste Erfolgsfaktor. Deutlich an Bedeutung gewinnen ein ambitioniertes und
realistisches Maßnahmenprogramm sowie eine zielgerichtete
Stakeholder-Kommunikation: Beide legen gegenüber dem Vorjahr um jeweils 11
Prozentpunkte auf 38 beziehungsweise 32 Prozent zu. Die reine Krisendiagnose
genügt daher nicht mehr - entscheidend sind Geschwindigkeit, Verständigung und
konsequente Umsetzung.

KI beschleunigt Prozesse - der Mensch behält die Verantwortung

Künstliche Intelligenz eröffnet dabei neue Möglichkeiten,
Restrukturierungsprozesse effizienter zu gestalten. 89 Prozent sehen das größte
Unterstützungspotenzial in der Datenanalyse, 60 Prozent in der Recherche. 74
Prozent erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung, 65 Prozent
geringere Prozesskosten. Eine höhere Erfolgsquote bei der Umsetzung erwarten
dagegen bislang nur 4 Prozent - denn Urteilsvermögen, Vertrauen, Verhandlung und
Führung bleiben menschliche Aufgaben.

Der tatsächliche Einsatz bleibt jedoch begrenzt: Kein Befragter sieht KI bereits
breitflächig in Restrukturierungsprozessen verankert. 45 Prozent berichten von
einzelnen Pilotprojekten, 26 Prozent von ersten Diskussionen und weitere 26
Prozent von etablierten Anwendungen in spezifischen Bereichen. Für den Einsatz
setzen die Experten klare Leitplanken: 56 Prozent fordern nachweislich hohe
Qualität, 50 Prozent höchste Datensicherheit und Vertraulichkeit, 49 Prozent
vollständige Transparenz.

"KI verändert die Arbeit der Restrukturierer, nicht ihre Verantwortung", sagt
Dr. Adrian Pielken, Senior Partner bei Roland Berger. "Sie kann Daten schneller
auswerten und Routinen automatisieren. Den entscheidenden Freiraum müssen
Unternehmen und Berater für Kommunikation, Stakeholdermanagement und Umsetzung
nutzen."

Für 89 Prozent bleibt der Mensch auch künftig klar in der Führungsrolle. 71
Prozent favorisieren eine Arbeitsteilung, bei der KI Daten liefert und
Routineaufgaben automatisiert, während der Mensch entscheidet. Die Studie
versteht sich deshalb als Weckruf: Wer KI jetzt kontrolliert, transparent und
systematisch integriert, gewinnt Zeit, Erfahrung und Handlungsspielraum - in
einem Umfeld, in dem Warten keine Option mehr ist.

Über die Studie

Die Restrukturierungsstudie von Roland Berger erscheint seit dem Jahr 2001 und
untersucht regelmäßig die wichtigsten Entwicklungen der Branche. An der Ausgabe
2026 beteiligten sich 130 Restrukturierungs- und Transformationsexperten aus dem
deutschsprachigen Raum.

Über Roland Berger

Roland Berger ist die einzige führende Strategieberatung mit europäischen
Wurzeln. Das Unternehmen vereint tiefe Industrie- und Branchenkenntnis mit
umfassender Erfahrung in zentralen Managementfunktionen und
Transformationsprojekten. 1967 gegründet und mit Hauptsitz in München,
unterstützt Roland Berger Unternehmen weltweit bei der Gestaltung und Umsetzung
komplexer Transformationen - von strategischer Neuausrichtung über
Performance-Steigerung bis hin zur Entwicklung und Anwendung datenbasierter,
KI-gestützter Lösungen. Roland Berger hat sich unternehmensweit
Net-Zero-Emissionsziele bis 2040 gesetzt, die von der Science Based Targets
Initiative validiert wurden. Über die Fortschritte berichtet das Unternehmen
jährlich in seinem ESG-Bericht. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen
Umsatz von über einer Milliarde Euro.

Pressekontakt:

Philipp Topitsch
Corporate Communications & PR
Tel.: +49 160 744-4452
E-Mail: mailto:philipp.topitsch@rolandberger.com
http://www.rolandberger.com

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/32053/6358031
OTS: Roland Berger