dpa-AFX Compact

OTS: Capgemini / Stablecoins und tokenisierte Einlagen werden zum Mainstream: ...

24.09.2026
um 08:47 Uhr

Stablecoins und tokenisierte Einlagen werden zum Mainstream: Banken
droht der Verlust von 230 Milliarden US-Dollar an
Zahlungsverkehrserträgen
Berlin (ots) -

- Stablecoins, tokenisierte Einlagen und digitale Zentralbankwährungen werden
bis 2030 voraussichtlich vier Prozent des weltweiten Zahlungsvolumens
ausmachen
- Fast 60 Prozent der Unternehmen sind offen dafür, Stablecoin-Dienstleistungen
von Nichtbanken zu beziehen
- Tokenisierte Einlagen sind für Banken kurzfristig die wichtigste Priorität, um
Einlagen und Liquidität zu sichern
- 4 Billionen US-Dollar an Kapital sind in Konten gebunden, die zur Finanzierung
grenzüberschreitender Zahlungsströme genutzt werden

Stablecoins, tokenisierte Einlagen [1] und digitale Zentralbankwährungen werden
zunehmend kommerziell genutzt. Dadurch geraten die traditionellen Ertragsquellen
von Banken im Zahlungsverkehr immer stärker unter Druck. Laut dem World Payments
Report 2027 des Capgemini Research Institute werden die oben genannten
Instrumente bis 2030 voraussichtlich rund vier Prozent des globalen
Zahlungsvolumens ausmachen. Davon betroffen sind insbesondere margenstarke
Ertragsquellen wie Devisenspreads, Korrespondenzbankgeschäft, Zinserträge aus
Guthaben sowie Transaktionsgebühren.

In den vergangenen drei Jahren lag die Priorität von Banken auf Innovation von
Zahlungsdienstleistungen für Firmenkunden. 60 Prozent der Institute sehen darin
einen strategischen Investitionsschwerpunkt. Dennoch ist nur ein Drittel der
Unternehmenskunden mit seiner Hauptbank zufrieden. Das offenbart eine wachsende
Lücke zwischen den Leistungen von Banken und den Erwartungen der Unternehmen.

Fast drei Viertel (74 Prozent) der Unternehmen beschreiben grenzüberschreitende
Zahlungen als langsam, teuer und wenig vorhersehbar. Der gesamte Prozess einer
Unternehmenszahlung, vom Auslösen der Zahlung über die Überweisung bis hin zur
Bestätigung und Abstimmung, dauert im Schnitt rund 3,5 Tage. Währenddessen haben
mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Unternehmen keinen Zugriff auf
Echtzeitinformationen zum Zahlungsstatus, zu Liquiditätspositionen oder zu
transparenten Preisstrukturen. Eine bessere Vorhersagbarkeit von
Zahlungseingängen, Echtzeittransparenz über den Zahlungsfortschritt sowie ein
stärkerer Schutz vor Betrug zählen zu den Anforderungen, die am häufigsten nicht
erfüllt werden. Dadurch entstehen Unternehmen Kosten in Höhe von
durchschnittlich zwei Prozent des Transaktionswerts für eine übliche
grenzüberschreitende Business-to-Business-Zahlung (B2B).

"Die Zahlungsbranche erlebt derzeit den größten Umbruch seit dem Aufkommen des
digitalen Bankings" , erklärt Florian Forst, Global Head of Payment Services bei
Capgemini Invent. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen und die
Transaktionsvolumina von intelligentem Geld werden derzeit so groß, dass Banken
die neuen Instrumente nicht mehr ignorieren können. Sie müssen sich entscheiden,
welche Rolle sie in diesem entstehenden Ökosystem einnehmen wollen - es geht um
Erträge von 230 Milliarden US-Dollar. Einzelne Banken haben diese Entscheidung
bereits getroffen und gestalten heute die Standards und Governance-Strukturen,
die den Markt künftig prägen werden. Wer jetzt handelt, kann dauerhaftes
Vertrauen aufbauen, neue Zahlungsströme erschließen und die Unternehmensguthaben
sichern, die die Grundlage weitergehender Kundenbeziehungen bilden."

Für die 22. Ausgabe der Studie wurden mehr als 1.100 Großunternehmen mit einem
Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar befragt. Durchschnittlich sind
diese Unternehmen in 14 Märkten aktiv, unterhalten elf Bankbeziehungen und
wickeln 34 Prozent ihres B2B-Zahlungsvolumens über grenzüberschreitende
Transaktionen ab. Trotz Fortschritten bei der Zahlungsinfrastruktur bleibt die
operative Fragmentierung die größte Herausforderung für Unternehmenskunden.

"Accelerated Intelligent Money" wird zum Treiber der Transformation

Strukturelle Einschränkungen bestehender B2B-Zahlungsinfrastrukturen, mehr
regulatorische Klarheit und veränderte Marktbedingungen fördern eine
Entwicklung, die die Studie als "Accelerated Intelligent Money" bezeichnet:
Stablecoins, tokenisierte Einlagen und digitale Zentralbankwährungen, durch die
mit Geld weit mehr möglich wird als lediglich der Transfer zwischen Konten.
Durch Zahlungsabwicklungen rund um die Uhr, integrierte Regelwerke und
Echtzeit-Überweisungen ermöglichen diese Instrumente nahtlosere
grenzüberschreitende Zahlungsströme.

Laut der Studie könnte eine breite Einführung dieser Instrumente bis zu vier
Billionen US-Dollar freisetzen, die derzeit in Abwicklungs- und
Liquiditätskonten gebunden sind. Dieses Kapital erwirtschaftet nur geringe
Erträge und kann weder für Kredite, Investitionen noch für andere produktive
Zwecke genutzt werden.

Die Nachfrage von Unternehmen nach dieser neuen Generation von
Zahlungsinstrumenten steigt bereits deutlich an. Banken bleiben dabei der
bevorzugte Anbieter: 71 Prozent der Unternehmen würden tokenisierte Zahlungen
bei gleichen Kosten und gleicher Qualität über eine Bank statt über ein FinTech
abwickeln. Diese Präferenz ist jedoch keineswegs garantiert. Fast 60 Prozent der
Unternehmenskunden wären bereit, Stablecoin-Dienstleistungen von Nichtbanken zu
beziehen, falls ihre Bankpartner nicht mit der Marktentwicklung Schritt halten.
Derzeit laufen bereits 36 Prozent des von Unternehmen abgewickelten
B2B-Zahlungsvolumens über Nichtbanken.

Tokenisierte Einlagen sind wichtigste Priorität für Banken

Mit der fortschreitenden Kommerzialisierung intelligenter Geldformen müssen
Banken ihre strategische Position in diesem Ökosystem finden. Laut der Studie
sehen Führungskräfte in Banken tokenisierte Einlagen als wichtigste kurzfristige
Priorität an, da diese weiterhin in den Bankbilanzen verbleiben und sich in
bestehende regulatorische Rahmenbedingungen integrieren lassen. Derzeit
skalieren jedoch lediglich 21 Prozent der Banken, die als Vorreiter eingestuft
werden, mindestens ein Instrument des "Accelerated Intelligent Money". Die
übrigen 79 Prozent befinden sich noch in der Evaluierungsphase.

Die Vorreiterbanken konzentrieren sich auf konkrete Anwendungsfälle für
Unternehmenskunden, die operative Probleme reduzieren und ihren Mehrwert über
klassische Transaktionsgebühren hinaus monetarisieren. Diese Banken
identifizieren dreimal häufiger als andere Institute neue Ertragsquellen und
erwarten, rückläufige Transaktionserlöse innerhalb von 15 Monaten auszugleichen.
Für den Rest der Branche liegt dieser Zeitraum bei 25 Monaten.

Zudem verfolgen diese Institute deutlich ambitioniertere Strategien: 33 Prozent
der Vorreiterbanken streben eine transformative Marktrolle an und möchten aktiv
mitgestalten, wie das Ökosystem künftig funktioniert. Demgegenüber wollen 40
Prozent der übrigen Banken vor allem reaktiv auf Entwicklungen reagieren.

Da Transaktionen mit intelligentem Geld nach ihrer Ausführung nicht mehr
rückgängig gemacht werden können, legen Vorreiterbanken besonderen Wert auf
Compliance und integrieren entsprechende Prüfungen direkt in die Ausführung,
bevor Gelder bewegt werden. Sie übertreffen andere Banken beim Monitoring
netzwerkübergreifender Transaktionen um den Faktor 1,5 und investieren 1,2-mal
häufiger in KI-gestützte Überwachungssysteme zur Erkennung ungewöhnlicher
Wallet-Aktivitäten. Gleichzeitig implementieren sie häufiger Echtzeitprüfungen
zur Geldwäschebekämpfung und zur Kundenidentifikation direkt in die
Transaktionsabläufe.

Trotz dieser Fortschritte bestehen auch bei den Vorreitern weiterhin
grundlegende Herausforderungen. Nur etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent) gibt
an, über die Talente, Kompetenzen und technischen Voraussetzungen zu verfügen,
die für den Aufbau und Betrieb digitaler Vermögenswerte sowie für Tokenisierung,
Smart Contracts und Interoperabilität über verschiedene Finanznetzwerke hinweg
erforderlich sind. Der Erfolg von Banken wird zunehmend davon abhängen, ob sie
diese Kompetenzlücke schließen können.

Methodik

Der World Payments Report 2027 basiert auf zwei primären Forschungsquellen. Für
die Global Corporate Survey, die von Mai bis Juni 2026 in Zusammenarbeit mit INJ
Partners durchgeführt wurde, wurden 1.110 Großunternehmen mit einem Jahresumsatz
von mehr als einer Milliarde US-Dollar in neun Ländern befragt. Die Teilnehmer
verteilten sich zu gleichen Teilen auf die Branchen Versicherung, Fertigung
sowie Logistik und Transport. Im Rahmen der Global Banking Executives Survey,
die im selben Zeitraum durchgeführt wurde, wurden 300 Führungskräfte aus Banken
in neun Märkten befragt: Australien, Frankreich, Deutschland, Hongkong, den
Niederlanden, Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Großbritannien und
den USA. Als Vorreiter ("Leaders") werden Banken eingestuft, die mindestens ein
Instrument des "Accelerated Intelligent Money" aktiv skalieren. Die restlichen
Banken befinden sich dagegen noch in Pilotprojekten, bewerten den Markt oder
verfolgen diese Instrumente derzeit nicht.

[1] Stablecoins sind digitale Währungen, deren Wert an eine traditionelle
Währung gekoppelt ist. Tokenisierte Einlagen hingegen sind klassische
Bankguthaben, die in Form digitaler Token auf einer Blockchain ausgegeben
werden.

Pressekontakt:

Markus Wild
Tel.: + 49 151 1137 4312
E-Mail: mailto:markus.wild@capgemini.com

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16952/6358060
OTS: Capgemini