LONDON (dpa-AFX) - Die italienische Großbank Unicredit
Orcel wolle auch den Forderungen der Bundesregierung, weiter mit zwei Sitzen im künftigen Aufsichtsrat vertreten zu sein, eine Abfuhr erteilen, hieß es weiter in der Wirtschaftszeitung. Der Bund hält noch gut 12 Prozent an der Bank und ist damit zweitgrößter Aktionär. Sowohl die Commerzbank als auch die Unicredit wollten sich zu den Informationen der "FT" gegenüber nicht äußern.
Mitte September hatte sich Orcel erstmals mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil getroffen, um eine Übernahme auszuloten. "Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt - sowohl in Deutschland als auch international", erklärte der SPD-Chef und Vizekanzler danach. Die Bank müsse ihre wichtige Rolle für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands weiter erfüllen können. Außerdem, so betonte Klingbeil, stehe die Bundesregierung an der Seite der mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Commerzbank.
Orcel sieht bei einer Übernahme der Commerzbank Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Er will zudem das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden. Bei der Commerzbank herrschen Sorgen vor einem Kahlschlag. Zudem gibt es in Frankfurt Befürchtungen, dass die Commerzbank perspektivisch mit der vor Jahren übernommenen HVB (Hypovereinsbank) verschmolzen werden könnte und dann auch München als Hauptsitz infrage käme.
Die Unicredit hat knapp zwei Jahre nach ihrem Einstieg bei der Commerzbank inzwischen mit 47,6 Prozent (inklusive Kaufoptionen) Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile. De facto habe die Commerzbank "einen Kontrollaktionär", sagte Commerzbank-Chefin Orlopp in einer Telefonkonferenz Anfang August. "Vom Zeitplan gehen wir davon aus, dass es im vierten Quartal die Genehmigungen alle geben wird", sagte sie mit Blick auf Prüfungen der Unicredit-Pläne durch die Aufseher./men/nas/stk