IPO: KNDS hält an Börsenplänen fest - Partnersuche in Deutschland
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - KNDS-Chef Jean-Paul Alary will den Rüstungskonzern weiterhin an die Börse bringen und die Produktion in Deutschland deutlich hochfahren. "Der Börsengang ist vorerst ausgesetzt, aber nicht abgesagt", sagte der Manager dem "Handelsblatt". Die derzeit erzielbare Bewertung entspreche nicht den Erwartungen der Anteilseigner. Deshalb liegt das Vorhaben seit Juni auf Eis. Der Verwaltungsrat des französisch-deutschen Konzerns habe das Management aber gebeten, sich bereitzuhalten, "dass es jederzeit losgehen kann", erklärte Alary. Dies könnte noch im laufenden Jahr geschehen.
Sollte sich das Vorhaben doch bis 2027 verzögern, könnte der französische Präsidentschaftswahlkampf zum Risiko werden. "Eine Wahlperiode bringt Unsicherheit", sagte Alary. "Mitten im Wahlkampf wäre kein idealer Zeitpunkt für einen Börsengang." So weit sei man aber noch nicht.
An der ursprünglich verhandelten Aufteilung will KNDS festhalten: 20 Prozent des Unternehmens sollen an die Börse gehen, jeweils 40 Prozent sollen beim französischen und beim deutschen Staat liegen. Frankreich hält derzeit 50 Prozent an KNDS. Neu ist laut Alary, dass neben institutionellen Investoren auch Privatanleger zeichnen können sollen. Dies löse jedoch nicht das Bewertungsproblem.
Unterdessen sucht KNDS nach Industriepartnern für den Geschäftsausbau. "Besonders in Deutschland müssen wir die Produktion in den kommenden zwei bis drei Jahren hochfahren", sagte Alary. Hierzulande brauche das Unternehmen zwei potenzielle Partner. "Bei mindestens einem könnte noch vor Jahresende eine Ankündigung erfolgen".
Hintergrund ist die stark gestiegene Nachfrage: Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz von KNDS im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent, der Auftragseingang legte um 38 Prozent zu. "Für das Gesamtjahr erwarten wir rund 30 Prozent Umsatzwachstum", sagte Alary.
Für den Kapazitätsausbau will KNDS in den Jahren 2026 und 2027 rund 1,5 Milliarden Euro investieren, und zwar in alle drei Unternehmensbereiche: Systeme in Frankreich, Systeme in Deutschland und Munition.
In Frankreich plant der Konzern eine zweite Anlage zum Befüllen von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen. Damit sollen künftig fünfmal so viele Geschosse befüllt werden können wie 2022. Am Standort Görlitz, einem früheren Alstom-Werk, seien eineinhalb Jahre nach der Übernahme bereits 40 bis 50 Prozent der vorgesehenen Industrieflächen für die Produktion erschlossen.
KNDS war 2015 aus der Fusion des deutschen Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann und des staatlichen französischen Rüstungsunternehmens Nexter hervorgegangen. Der Zusammenschluss lag unter anderem an den Kürzungen in den Verteidigungsetats Deutschlands und vieler weiterer europäischer Länder. Hauptsitz des Konzerns ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München. Inzwischen rüsten europäische Staaten wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine deutlich auf, um für mögliche künftige Angriffe aus Russland gewappnet zu sein./stw/men/stk