dpa-AFX Compact

Ölpreise geraten deutlich unter Druck

06.10.2026
um 15:47 Uhr

NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise sind am Dienstag merklich unter Druck geraten. Hinweise auf gestiegene Öllieferungen über die Straße von Hormus belasten die Preise. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent fiel auf 97,61 US-Dollar. Das waren 2,74 Dollar weniger als am Vortag.

Die Ölförderländer aus der Golfregion transportieren trotz Risiken immer größere Mengen durch die Straße von Hormus. Kuwait fördert Öl in einer Menge, die etwa 75 Prozent des Niveaus vor dem Iran-Krieg entspricht, während der Irak versucht, zusätzliche Schiffe zu chartern, um seine Ladungen zu transportieren. Saudi-Arabien liefert 5,8 Millionen Barrel pro Tag durch seine wichtige Ost-West-Pipeline, sagte Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman.

In den vergangenen sieben bis zehn Tagen seien täglich etwa 12 Millionen Barrel Rohöl durch den Engpass geflossen, sagte Russell Hardy, Vorstandsvorsitzender der Vitol Group, am Dienstag auf einer Konferenz in London. "Viele staatliche Ölkonzerne setzen sich dafür ein, dieses Öl herauszubringen", sagte er. "Wir brauchen 10, 12, 14 Millionen Barrel, die über die Seeroute transportiert werden, um das Gleichgewicht im Winter aufrechtzuerhalten, da es im Westen keine weiteren Lagerbestände mehr gibt, auf die wir zurückgreifen können." Die Vitol Group ist eines der weltweit größten, unabhängigen Handelshäuser für Energie und Rohstoffe.

Zudem hat der staatliche saudische Ölkonzern Saudi Aramco den Preis seiner wichtigsten Sorte Arab Light für asiatische Kunden auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gesenkt. Damit will der Konzern Marktanteile gewinnen.

In der Straße von Hormus ist unterdessen einem Bericht zufolge erneut ein Tanker unter Beschuss geraten. Das berichtete die britische Behörde für Sicherheit in der Schifffahrt (UKMTO) auf der Plattform X unter Berufung auf den Kapitän. Am Montag sei zudem ein Schiff, das auf der Einfahrt in die Straße von Hormus unterwegs war, von den iranischen Revolutionsgarden angewiesen worden, umzukehren, andernfalls würde das Schiff zum Ziel eines Angriffs.

Die Erholung der Liefermengen, die saudischen Preissenkungen und die Freigabe strategischer Ölreserven belasteten zwar die Rohölpreise, sagte Naohiro Niimura, Partner bei der Energieberatung Market Risk Advisory, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die zunehmenden Kämpfe im Jemen und die Gefahr weiterer Angriffe begrenzten die Preisverluste jedoch. "Die Sorgen um das Angebot bleiben bestehen, weshalb es für den Markt schwierig ist, über längere Zeit auf fallende Preise zu setzen", sagte Niimura weiter.

Die an ihrer engsten Stelle nur 35 bis 40 Kilometer breite Meerenge ist im Iran-Krieg zum zentralen Konfliktpunkt zwischen dem Iran und den USA geworden. In der für den weltweiten Energiehandel wichtigen Wasserstraße kam es zuletzt wieder regelmäßig zu Beschuss.

Brent-Öl ist seit Jahresbeginn noch immer um rund 65 Prozent teurer geworden. Die USA und Israel hatten den Iran im Februar angegriffen und damit Lieferungen beeinträchtigt sowie den Inflationsdruck verstärkt. Im weiteren Tagesverlauf veröffentlicht die US-Energiebehörde EIA ihren kurzfristigen Energieausblick./jsl/mis/he