Wüst: In unserem Land ist etwas ins Wanken gekommen
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt mit Stimmen auch aus anderen Fraktionen als "tiefen Einschnitt in unsere Republik" bezeichnet. "Das Parlament ist die Herzkammer unserer Demokratie", sagte Wüst in Düsseldorf. "Und dass sie in Sachsen-Anhalt nun von einem Mitglied einer gesichert rechtsextremistischen Partei geführt wird, zeigt, dass in unserem Land etwas ins Wanken gekommen ist."
Es dürfe "keine Normalisierung von extremistischen Denkmustern" in den deutschen Parlamenten geben, warnte Wüst. Von den Christdemokraten forderte er Klarheit und "Geschlossenheit im Handeln" ein. "Wir stellen uns der AfD und ihren radikalen Positionen mit aller Kraft entgegen", so der CDU-Politiker. Gleichzeitig müsse die CDU alles daran setzen, Wähler für die politische Mitte zurückzugewinnen.
CDU muss geschlossen handeln
Am Dienstag war der AfD-Abgeordnete Tobias Rausch zum Präsidenten des Landtages in Magdeburg gewählt worden. Dabei bekam er nicht nur wie angekündigt die Stimmen der AfD- und BSW-Abgeordneten, sondern vier weitere Stimmen. Von wem sie kamen, ist unklar - die Abgeordneten stimmten einzeln und geheim in einer Wahlkabine ab.
Die Wahl Rauschs werde nicht der letzte Spannungstest in der parlamentarischen Auseinandersetzung mit den extremen Rändern rechts wie links gewesen sein, sagte Wüst. "Wir Christdemokraten sollten uns in diesen Fällen immer auf unser Menschenbild besinnen und aus diesem heraus geschlossen handeln."
Die AfD und ihre Abgeordneten seien berüchtigt für ihre Geringschätzung der demokratischen Kultur im Parlamentarismus. "Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass der neue Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt seine Ankündigung, das Amt überparteilich führen zu wollen, in die Tat umsetzt", so Wüst.
Bundesregierung hat Auftrag für ganze Wahlperiode
Auf die Frage, ob die Wahl Rauschs mit Stimmen anderer Fraktionen Auswirkungen auf die Koalition in Berlin habe, sagte Wüst: "Die Bundesregierung hat einen Auftrag, eine Verabredung auf Basis des Koalitionsvertrages, für eine ganze Wahlperiode für dieses Land zu arbeiten. Der Verantwortung, die das gerade in diesen Zeiten mit sich bringt, sind sich alle gleichermaßen bewusst."
In den vergangenen Wochen war mehrfach über einen Bruch der schwarz-roten Koalition und ein vorzeitiges Ende der Kanzlerschaft von Friedrich Merz spekuliert worden. Wüst wird als ein möglicher Nachfolger gehandelt./dot/DP/nas