dpa-AFX Compact

Wie geht es mit Evonik weiter? Gewerkschaft stellt Fragen

08.10.2026
um 16:02 Uhr

ESSEN/LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - In der Diskussion über die BASF -Übernahmepläne für den Chemiekonzern Evonik hat die Gewerkschaft IGBCE zur Besonnenheit aufgerufen. Es dürfe jetzt keine Schnellschüsse geben, heißt es einem von Skepsis geprägten Brief des IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis und des Hauptvorstandsmitglieds Alexander Bercht an die Betriebsräte der beiden Unternehmen. Er liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.

"Diese Initiative kommt in einer sensiblen Zeit, für beide Unternehmen, aber auch für die Chemieindustrie in Deutschland und Europa insgesamt", schreiben die Gewerkschafter in dem dreiseitigen Brief. Der Druck auf die deutschen Standorte und Arbeitsplätze sei unvermindert hoch und präge den Alltag in beiden Unternehmen seit Jahren. "Darum darf es jetzt keine Schnellschüsse geben."

Gewerkschaft: "Größer ist nicht automatisch besser"

"Größer ist nicht automatisch besser, und ein bloßes Weiter-so auch nicht", heißt es weiter. Man wolle die derzeit geäußerte Unterstützung für Arbeitsplätze und Standorte nutzen. "Mit ihr wollen wir die Themen voranbringen, die schon heute auf dem Tisch liegen, und das Für und Wider der Initiative sorgfältig bewerten."

Der Brief enthält mehrere Fragen an die beiden Unternehmen und die RAG-Stiftung, der mit 43 Prozent größten Evonik-Anteilseignerin. Die IGBCE will unter anderem wissen, welches Zukunftsangebot BASF "den Beschäftigten und Standorten beider Unternehmen" macht. An Evonik richtet sich die Frage: "Wie sieht eine Zukunft aus eigener Kraft verbindlich aus? Wann kommen die strategischen Initiativen, für die der harte Personalabbau die Grundlage schaffen sollte?"

"Welche Mitverantwortung will und muss die Stiftung übernehmen?"

Die Gewerkschaft weist in dem Brief außerdem auf die besondere Bedeutung der Evonik-Beteiligung für die Stiftung hin. "Ohne die Evonik-Dividende müsste die Stiftung ihr übriges Vermögen künftig deutlich erfolgreicher anlegen als bisher. Wie das gelingen soll, ist bislang nicht dargelegt."

Die Gewerkschafter schließen daran Fragen an wie etwa: "Ist jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt, sich mit einem möglichen Gesamtverkauf der Evonik-Aktien von der Verantwortung für dieses Erbe zu lösen?" und "Welche Mitverantwortung will und muss die Stiftung für die verschiedenen Wege übernehmen, die Evonik gehen könnte?"

Die beiden Gewerkschafter sind selbst Mitglied in Gremien der Beteiligten. Vassiliadis gehört sowohl dem BASF-Aufsichtsrat als auch dem Stiftungskuratorium an. Bercht ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Evonik.

Vor knapp zwei Wochen hatten die beteiligten Unternehmen sowie die RAG-Stiftung als größte Evonik-Anteilseignerin bekannt gemacht, dass es ein Angebot gibt. Evonik sprach von einer unverbindlichen Ansprache durch die BASF. "Diese ist auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet." Gespräche fänden derzeit nicht statt. BASF hatte mitgeteilt: "Fortgang und Ausgang der Sondierungen sind gegenwärtig offen."/tob/DP/nas

BASF SE

WKN BASF11 ISIN DE000BASF111

Evonik Industries AG

WKN EVNK01 ISIN DE000EVNK013