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OTS: Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e.V. (VDB) / Nachfolgemonitor 2026: ...

13.10.2026
um 11:47 Uhr

Nachfolgemonitor 2026: Nachfolger fehlen, Investitionen werden
aufgeschoben: Deutschlands Mittelstand läuft in die Nachfolgefalle
Berlin, Frankfurt/Main (ots) - Frauenanteil fällt auf historischen Tiefstand -
mehr als acht von zehn Übernahmen werden allein gestemmt - viele Übernehmende
stehen vor zusätzlichem Modernisierungsbedarf

Deutschlands Mittelstand gerät bei der Unternehmensnachfolge zunehmend unter
Druck. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Übergabealter, während aus
den jüngeren Generationen deutlich weniger potenzielle Nachfolger nachrücken.
Zugleich stehen viele Betriebe vor der Herausforderung, notwendige Investitionen
nachzuholen. Der Nachfolgemonitor 2026 zeigt, wie angespannt die Lage ist: 2024
erreichten die im Datensatz erfassten Unternehmensübergaben einen historischen
Tiefstand. Das mittlere Alter der Übergebenden liegt inzwischen bei 64 Jahren,
während der Frauenanteil unter den Übernehmenden 2025 auf den historischen
Tiefstand von 18,9 Prozent gesunken ist. Wer einen Betrieb übernimmt, muss zudem
häufig nicht nur den Kaufpreis finanzieren, sondern auch in dessen
Modernisierung investieren.

Die demografische Nachfolgelücke verschärft den Handlungsdruck. Ein erheblicher
Teil der Übergaben erfolgt erst im fortgeschrittenen Alter. Zugleich sind mehr
als vier von zehn Übernehmenden zwischen 30 und 39 Jahre alt. Viele Babyboomer
treffen damit auf zahlenmäßig kleinere Nachfolgegenerationen.

"Die Nachfolgelücke ist längst kein abstraktes demografisches Problem mehr. Sie
entscheidet ganz konkret darüber, ob wirtschaftlich tragfähige Betriebe
weitergeführt werden oder vom Markt verschwinden. Je später die Übergabe
angegangen wird, desto schwieriger werden Nachfolgersuche und Finanzierung.
Deshalb müssen wir deutlich früher über Nachfolge sprechen - bevor aus Zeitdruck
ein Existenzproblem für den Betrieb wird", Guy Selbherr, Vorsitzender des
Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB).

Frauen bleiben das größte ungenutzte Nachfolgepotenzial

Besonders brisant ist die Entwicklung bei den Frauen. Ihr Anteil unter den
Übernehmenden fiel 2025 auf 18,9 Prozent - historischer Tiefstand und erstmals
weniger als ein Fünftel. 2017 waren es noch 22,9 Prozent. Dabei fällt die
typische Übernahmephase genau in die "Rushhour des Lebens": Die größte Gruppe
der Nachfolgenden ist zwischen 30 und 39 Jahre alt. Unternehmensübernahme,
berufliche Entwicklung und Familiengründung konkurrieren um dieselben Jahre.

"Wenn weniger als jede fünfte Übernahme von einer Frau erfolgt, können wir das
nicht als Randthema behandeln. Angesichts der demografischen Lücke können wir es
uns schlicht nicht leisten, auf einen so großen Teil des unternehmerischen
Potenzials zu verzichten. Wer mehr Nachfolgerinnen gewinnen will, muss die
Bedingungen für Finanzierung und die Vereinbarkeit von Unternehmertum und
Familie verbessern", sagt Prof. Dr. Holger Wassermann, wissenschaftlicher Leiter
des KCE KompetenzCentrum für Entrepreneurship & Mittelstand der FOM Hochschule.

Hinzu kommt: Nachfolge wird immer häufiger zur Solo-Aufgabe. 81,2 Prozent der
Übernahmen wurden 2025 von Einzelpersonen gestemmt. Team-Nachfolgen bleiben die
Ausnahme.

Der Kaufpreis ist erst der Anfang

Wer einen Betrieb übernimmt, übernimmt häufig auch einen über Jahre
aufgelaufenen Investitions- und Modernisierungsbedarf. Das zeigt sich in der
Ertragsentwicklung nach der Übergabe: Bei 52,9 Prozent der untersuchten
Unternehmen steigt das EBITDA, also das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern
und Abschreibungen. Gleichzeitig verzeichnen 54,1 Prozent einen Rückgang des
EBIT, das die Abschreibungen bereits berücksichtigt. Diese gegenläufige
Entwicklung deutet darauf hin, dass das operative Geschäft in vielen Betrieben
weiterhin tragfähig ist, die Ertragslage jedoch durch nachgeholte Investitionen
belastet wird. Denn neue Maschinen, IT-Systeme oder Digitalisierungsmaßnahmen
verursachen zusätzliche Abschreibungen, die das EBIT zunächst schmälern.
Unternehmensnachfolger müssen damit häufig nicht nur den Kaufpreis finanzieren,
sondern zugleich in die Zukunftsfähigkeit des übernommenen Betriebs investieren.

Das verschärft die Finanzierung: Rund 77 Prozent des erfassten
Finanzierungsbedarfs einer Nachfolge entfallen auf den Kaufpreis. Für
Modernisierung, Betriebsmittel und Wachstum muss zusätzlich Kapital vorhanden
sein.

"Ein tragfähiges Geschäftsmodell allein reicht für eine erfolgreiche Nachfolge
nicht. Unsere Daten zeigen, dass viele Übernehmende nach dem Einstieg erheblich
investieren müssen. Wenn ein hoher Kaufpreis auf Modernisierungsbedarf und
knappe Finanzierungsspielräume trifft, wird Liquidität schnell zum Engpass. Umso
wichtiger ist, den Kapitalbedarf nicht nur bis zum Kauf, sondern für die ersten
Jahre danach realistisch zu planen", sagt Stephan Schütrumpf, Sales Director der
Creditreform Gruppe .

Dabei zeigt der Nachfolgemonitor auch die andere Seite: Neues Management kann
Unternehmen stabilisieren. Mehr als die Hälfte der Betriebe mit zuvor schwacher
Bonität verbessert sich nach dem Eigentümerwechsel. Nachfolge kann damit
wirtschaftliche Substanz nicht nur erhalten, sondern auch neue Entwicklung
ermöglichen.

Unternehmensnachfolge wird zur Frage des Substanzerhalts

Eine ergänzende Untersuchung in Hessen verdeutlicht regionale Besonderheiten:

· Kleinstbetriebe werden für Nachfolger zunehmend unattraktiv, weil ihnen oft
die organisatorischen Strukturen fehlen, die eine Übergabe erleichtern.
Kleinbetriebe mit zehn bis 49 Beschäftigten gewinnen dagegen an Bedeutung.

· Das Nachfolgegeschehen konzentriert sich auf wenige Branchen: Handwerk und
wirtschaftsnahe Dienstleistungen dominieren und vereinen gemeinsam mit der
Industrie rund zwei Drittel aller Übernahmen.

· Beim Frauenanteil unter den Nachfolgenden gibt es Luft nach oben: Bundesweit
liegt er bei 18,9 Prozent, in Hessen bei 13,3 Prozent. Das zeigt, dass
Unternehmensnachfolge für Frauen noch kein selbstverständlicher Weg ist.

"Die Zahlen für Hessen bestätigen: Unternehmensnachfolge ist kein Selbstläufer.
Dass der Frauenanteil unter den Nachfolgern trotz eines wirtschaftsstarken
Bundeslandes so deutlich unter dem Bundesschnitt liegt, zeigt, wo
Handlungsbedarf besteht. Gemeinsam mit unseren Partnern setzen wir uns dafür
ein, dass Nachfolge in Hessen für alle Unternehmerpersönlichkeiten zugänglich
bleibt, unabhängig von Branche, Region oder Hintergrund", sagt Sven Volkert,
Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Hessen.

Der Nachfolgemonitor

Der Nachfolgemonitor basiert auf den realen Unternehmensdaten aus den
Datenbanken der deutschen Bürgschaftsbanken und von Creditreform. Die in allen
Bundesländern bestehenden Bürgschaftsbanken dienen der Förderung der
mittelständischen Wirtschaft und werden in der Regel von regionalen Akteuren wie
den Handwerkskammern, den Industrie- und Handelskammern, mittelständisch
orientierten Kreditinstituten und Verbänden getragen. Mit dem Nachfolgemonitor
wollen der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB), die Creditreform Rating AG
und das KompetenzCentrum für Entrepreneurship & Mittelstand der FOM Hochschule
(KCE) sowie die FH Salzburg dazu beitragen, den Mittelstand bei der Gestaltung
erfolgreicher Nachfolgeregelungen effektiv zu unterstützen.

Herausgeber

FOM Hochschule

Mit mehr als 40.000 Studierenden zählt die FOM zu den größten Hochschulen
Europas. Initiiert durch die gemeinnützige Stiftung BildungsCentrum der
Wirtschaft ermöglicht sie Berufstätigen, Auszubildenden, Abiturienten und
international Studierenden ein Hochschulstudium. Die FOM ist staatlich anerkannt
und bietet mehr als 50 akkreditierte Bachelor- und Master-Studiengänge an - im
Campus-Studium an 35 Hochschulzentren oder im ortsunabhängigen Digitalen
Live-Studium aus den TV-Studios der FOM. Studierende können zudem weltweit
Studienerfahrungen an renommierten Partnerhochschulen sammeln. Weitere
Informationen: http://www.fom.de/

Verband der Vereine Creditreform e.V.

Mit qualitativen Wirtschaftsdaten bewertet Creditreform aktuelle
Geschäftsrisiken, erkennt Marktpotenziale und realisiert offene Forderungen.
Damit bietet Creditreform Unternehmern eine valide Grundlage für datengestützte
und verlässliche Geschäftsentscheidungen. Tagtäglich setzen sich fast 4.000
Mitarbeiter engagiert und vorausschauend für ihre Kunden ein. Mit 162
Geschäftsstellen in Europa und einem weltweiten Businessnetzwerk ist
Creditreform in jeder Wirtschaftsregion erreichbar - persönlich und digital.
Gemeinsam mit 162.000 Mitgliedsunternehmen bildet Creditreform eine starke und
schützende Community, die Menschen und Unternehmen verbindet. So stärkt
Creditreform das gegenseitige Vertrauen in der Geschäftswelt und leistet einen
wertvollen Beitrag, um die Wirtschaft nachhaltig zu sichern.
http://www.creditreform.de/

Die FH Salzburg bietet ihren 3.200 Studierenden in den Departments Angewandte
Sozialwissenschaften, Business and Tourism, Creative Technologies,
Gesundheitswissenschaften, Green Engineering and Circular Design und Information
Technologies and Digitalisation beste akademische Ausbildung mit hohem
Praxisbezug. Mit dem Fokus auf Innovation in Forschung und Lehre sowie der
internationalen Orientierung wird die FH Salzburg zur Initiatorin
zukunftsfähiger Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft.
http://www.fh-salzburg.ac.at/

Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB)

Der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e. V. (VDB) ist die gemeinsame
Interessenvertretung der 17 rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen
Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgarantiegesellschaften sowie der 15
Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen) in Deutschland. 2023
sicherten die deutschen Bürgschaftsbanken über 4.520 Finanzierungsvorhaben ab.
Weitere Informationen: https://vdb.ermoeglicher.de/

Bürgschaftsbank Hessen GmbH

Seit 1954 unterstützt die Bürgschaftsbank Hessen GmbH (BB-H) den
wirtschaftlichen Erfolg kleiner und mittlerer Unternehmen sowie Freiberufler in
Hessen. Als Institution der hessischen Wirtschaft stellt die BB-H Bürgschaften
für Kredite oder Beteiligungen bereit, um Unternehmen den Zugang zu
Finanzierungsmöglichkeiten zu erleichtern - insbesondere dann, wenn die
Hausbanken aufgrund des Risikos zurückhaltend sind. Gesellschafter der
Bürgschaftsbank sind Kammern, Verbände aus Handel, Industrie und Handwerk,
Kreditinstitute sowie eine Versicherung, die gemeinsam das Vertrauen in die BB-H
stärken. https://bb-h.de/

Pressekontakt:

Rico Bigelmann
Pressesprecher
Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB)
Schützenstraße 6a
+4930263965415
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