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Verkehr '45 plant am Mobilitätsbedarf der Schweiz vorbei
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auto-schweiz / Schlagwort(e): Sonstiges
Verkehr '45 plant am Mobilitätsbedarf der Schweiz vorbei
13.10.2026 / 14:00 CET/CEST
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Bern, 13. Oktober 2026
Die vom Bundesrat vorgeschlagene Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur
bis 2045 setzt falsche Prioritäten. An einer Medienkonferenz im Hotel
Schweizerhof in Bern fordern führende Vertreter aus Wirtschaft und Politik
eine grundlegende Überarbeitung von Verkehr '45 und deutlich mehr
Investitionen in die Nationalstrassen. Die Investitionen müssten sich
stärker an Verkehrsleistung, Nachfrage, volkswirtschaftlicher Bedeutung und
vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten orientieren.
An der Medienkonferenz legten Nationalrätin Jacqueline de Quattro (FDP),
Nationalrat und Transportunternehmer Benjamin Giezendanner (SVP), Ständerat
Fabio Regazzi (Die Mitte), Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands
sgv, und Peter Grünenfelder, Präsident von auto-schweiz, ihre Erwartungen an
die künftige Schweizer Verkehrspolitik dar.
Begrüsst wird grundsätzlich, dass der Bundesrat Strasse und Schiene in
Verkehr '45 gemeinsam betrachtet. Ein Gesamtverkehrskonzept kann jedoch nur
überzeugen, wenn sich der Ausbau der Infrastruktur an der tatsächlichen und
künftigen Nachfrage orientiert. Die vom Bundesrat vorgeschlagene
Schwerpunktsetzung zugunsten der Bahninfrastruktur wird diesem Anspruch
nicht gerecht und lässt die Bedarfsorientierung der Bürgerinnen und Bürger
für die Strassenverkehrsinfrastruktur aussen vor.
Jaqueline de Quattro, FDP-Nationalrätin VD, sagt: «Mobilität ist die
Voraussetzung für Wohlstand, Arbeitsplätze und gesellschaftliche Teilhabe.
Wer die Schweiz auch in zwanzig Jahren als attraktiven Wirtschafts- und
Lebensraum erhalten will, muss heute dafür sorgen, dass ihre Verkehrsadern
leistungsfähig bleiben.»
Für Transportunternehmer Benjamin Giezendanner, SVP-Nationalrat AG ist klar:
«Der Unternehmensstandort Schweiz braucht zwingend ein Nationalstrassennetz,
das mit der Entwicklung von Bevölkerung, Wirtschaft und Mobilität Schritt
hält. Hier überzeugt Verkehr 45 in der heutigen Konzeption nicht.»
Gewerbeverbandspräsident Fabio Reggazzi, Ständerat (die Mitte) TI führt aus:
«Der vorgesehene Ausbau der Nationalstrassen reicht angesichts der
bestehenden und absehbaren Engpässe nicht aus. Wir brauchen mehr Projekte
und eine stärkere Gewichtung der Strasseninfrastruktur, damit Menschen und
Güter auch künftig zuverlässig ans Ziel kommen.»
Peter Grünenfelder, Präsident auto-schweiz ergänzt: «Eine grundlegende
Überarbeitung von Verkehr '45 ist notwendig. Das Projekt droht zu einem
milliardenschweren Bahnausbauprogramm zu verkommen, während die Engpässe auf
den Nationalstrassen immer grösser werden.»
Staurekorde rufen nach Konsequenzen
Die Lage auf den Nationalstrassen verschärft sich seit Jahren. Die Zahl der
Staustunden erreicht regelmässig neue Höchstwerte und verursacht
volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Die beiden im Ausbauschritt
2027 vorgesehenen Strassenprojekte Birrfeld im Aargau und Perly-Bernex in
Genf reichen deshalb bei weitem nicht aus, um die Staustundenentwicklung
einzudämmen. Sie verbessern die Situation lediglich punktuell und lösen die
strukturellen Kapazitätsprobleme des Nationalstrassennetzes nicht. Es sind
deshalb weitere Projekte mit hoher Priorität aufzunehmen. Dazu gehören unter
anderem der Ausbau Wallisellen-Brüttisellen, Lugano Sud-Mendrisio, der
Ausbau des Anschlusses La Blécherette sowie die Beseitigung des Engpasses
Crissier in der Waadt. Gleichzeitig sollen auf besonders staugeplagten
Autobahnen die Pannenstreifen konsequent für den Verkehr nutzbar gemacht
werden. Auch die vom Parlament überwiesene Motion für einen sechsspurigen
Ausbau der N1 müsse in Verkehr '45 berücksichtigt werden. Die N1 als
zentrale Ost-West-Achse sei für die Funktionsfähigkeit des Landes von
herausragender Bedeutung.
Mobilität ist Voraussetzung für eine starke Wirtschaft
Die Vertreter aus Politik und Wirtschaft unterstrichen an der
Medienkonferenz, dass eine leistungsfähige Strasseninfrastruktur weit über
die Interessen der Automobilisten hinausgeht. Auch Gewerbe, Logistik und
Industrie, sind täglich auf funktionierende Verkehrswege angewiesen.
Kapazitätsengpässe führen zu Zeitverlusten, höheren Kosten und sinkender
Standortattraktivität.
Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung der Strasse im Güterverkehr: 63
Prozent des Güterbinnenverkehrs werden auf der Strasse erbracht; beim
Personenverkehr entfallen über 68 Prozent der Personenkilometer auf das
Automobil. Gleichzeitig tragen der motorisierte Individual- und Güterverkehr
jährlich mehr als 13 Milliarden Franken zur Finanzierung der
Verkehrsinfrastruktur und der allgemeinen Bundeskasse bei.
Höherer Eigenfinanzierungsgrad bei der Bahn
Vor diesem Hintergrund beurteilt auto-schweiz die Finanzierung des geplanten
Bahnausbaus kritisch. Während für die Strasse mit dem Nationalstrassen- und
Agglomerationsverkehrsfonds NAF ein zweckgebundenes Finanzierungsinstrument
besteht, sieht die Vorlage bei der Bahn Ausbauvorhaben vor, deren
Finanzierung nicht ausreichend gesichert ist. auto-schweiz fordert deshalb
einen höheren Eigenfinanzierungsgrad der Bahn und lehnt eine zusätzliche
oder unbegrenzte Finanzierung über die Mehrwertsteuer ab.
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