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APA ots news: Industrie trägt die Erholung, Energiepreise dämpfen die Kaufkraft

14.10.2026
um 10:06 Uhr

Prognose für 2026 und 2027

Wien (APA-ots) - Die österreichische Wirtschaft befindet sich auf einem
zaghaften
Erholungskurs und dürfte trotz des neuerlichen Energiepreisschubs
nicht davon abgebracht werden. Das WIFO erwartet für 2026 ein BIP-
Wachstum von 0,9%. 2027 beträgt es voraussichtlich 1,3%. Im
Prognosezeitraum löst die Industrie den öffentlichen Bereich als
Wachstumsträger ab, während die private Konsumnachfrage aufgrund
sinkender Reallöhne und anhaltend hoher Unsicherheit schwach bleiben
wird. Mittelfristig dämpfen hohe Energiepreise und Lohnstückkosten
sowie weitere strukturelle Herausforderungen das Potenzialwachstum.
Österreichs Wirtschaft dürfte daher bis 2031 etwas langsamer
expandieren als der Euro-Raum (Ø 2026/2031 +1,0% p. a.). Das
Budgetdefizit des Staates wird in der mittleren Frist bei
durchschnittlich 4,1% des nominellen BIP liegen und damit deutlich
über dem Schwellenwert von 3% bleiben.

"2026 löst die Industrie den öffentlichen Bereich als
Wachstumsträger ab; die weitere Entwicklung der
Industriewertschöpfung ist allerdings von der Auslandsnachfrage und
den Energiepreisen abhängig", so Christian Glocker, einer der Autoren
der aktuellen WIFO-Prognose.

Abbildung 1: Wachstumsbeiträge der Wirtschaftsbereiche zum realen
BIP - auf der WIFO-Website

Die österreichische Wirtschaft befindet sich nach der langen
Schwächephase der Jahre 2023 und 2024 in einer zaghaften Erholung,
deren Charakter sich im laufenden Jahr grundlegend verändert. Bis
2025 wurde das Wachstum zu einem wesentlichen Teil vom Bereich
öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit getragen, dessen
Beitrag nunmehr deutlich zurückgeht. An seine Stelle tritt die
Industrie (Herstellung von Waren, ÖNACE 2008, Abschnitt C), die von
einer spürbaren Belebung der Auslandsnachfrage profitiert. Zugleich
belastet ein neuerlicher Angebotsschock das Umfeld: Der Krieg im
Nahen Osten und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus haben
die Preise für Rohöl, Erdgas und Strom kräftig steigen lassen. Anders
als 2022 trifft dieser Schock die heimische Wirtschaft in einer Phase
ohnehin schwacher Kaufkraft und restriktiv ausgerichteter
Wirtschaftspolitik.

Für 2026 erwartet das WIFO ein Wachstum der Wirtschaftsleistung
von 0,9%. Getragen wird es von den Exporten (+2,3%), die sich mit der
Industriekonjunktur auf den wichtigsten Absatzmärkten beleben. Über
Produktion und Einkommen überträgt sich dieser Impuls erst allmählich
auf die Inlandsnachfrage: Der private Konsum wächst weiterhin schwach
(+0,4%), weil die Reallöhne sinken und die gestiegene Unsicherheit
die Ausgabenbereitschaft der Haushalte dämpft.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website

2027 dürfte sich das Wirtschaftswachstum auf 1,3% beschleunigen,
da dann der außenwirtschaftliche Impuls deutlicher auf die
Binnennachfrage durchschlagen sollte: Die Bauinvestitionen werden
2027 erstmals seit fünf Jahren wieder zulegen, die
Ausrüstungsinvestitionen weiter expandieren, und die Bruttoreallöhne
pro Kopf wieder leicht steigen. Die Straffung der Geldpolitik und die
fortgesetzte fiskalische Konsolidierung dämpfen die Dynamik
allerdings über den gesamten Prognosezeitraum.

Im Inland produzierte Güter und Dienstleistungen verteuern sich
2026 um 2,2% und 2027 um 2,4% (2025 +3,0%). Der BIP-Deflator
unterzeichnet damit den Preisauftrieb, dem die privaten Haushalte
gegenüberstehen, denn die Verteuerung importierter Energieträger
erhöht zwar die Verbraucherpreise, nicht aber den Preis der
heimischen Wertschöpfung. Die Verbraucherpreise steigen 2026 um 3,3%
und 2027 um 2,6% (2025 +3,6%). Mit der unterstellten Entspannung auf
den Energiemärkten lässt der Preisauftrieb gegen Ende des
Prognosezeitraumes nach.

Der Arbeitsmarkt reagiert mit Verzögerung auf die
Konjunkturbelebung. Die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten
steigt 2026 um 0,5% und 2027 um 0,7%. Da das Arbeitskräfteangebot vor
allem durch Zuwanderung weiter zunimmt, erhöht sich die
Arbeitslosenquote (nach nationaler Definition) 2026 auf 7,6% und
sinkt erst im Folgejahr auf 7,3%.

Zwtl.: Mittelfristige Aussichten

In der mittleren Frist ringt die österreichische Wirtschaft mit
mehreren Herausforderungen. So sind die Energiepreise und die
Lohnstückkosten trotz der rezenten Annäherung an den europäischen
Durchschnitt immer noch erhöht. Dadurch ist insbesondere die
energieintensive Exportwirtschaft weiterhin einem beträchtlichen
Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die Erwerbsbeteiligung Älterer ist mit
der schrittweisen Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters
der Frauen und der späteren Eintrittsmöglichkeit in die
Korridorpension angestiegen, liegt aber immer noch unter jener in
vergleichbaren Industrieländern. Zudem bestehen weiterhin
strukturelle Probleme bei der Integration von Migrant:innen ins
Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt. Vor diesem Hintergrund dürfte
die österreichische Wirtschaft mittelfristig langsamer wachsen als
der Durchschnitt des Euro-Raumes. Das WIFO erwartet ein Wachstum des
realen BIP von 1,2% p. a. (2026/2031; Ø 2010/2019 +1,6% p. a.).

Abbildung 2: Vergleich der mittelfristigen WIFO-Prognosen zur
Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes in Österreich - auf der
WIFO-Website

Angesichts der demografischen Alterung müssen künftig neben jenen
älterer Erwerbspersonen auch die Potenziale von Arbeitslosen besser
gehoben werden. Gelingt dies, könnte die Arbeitslosenquote bis 2031
auf 5,8% zurückgehen.

Für 2028/29 erwartet das WIFO wieder merklich höhere
Bruttoreallohnzuwächse. Der Preisauftrieb dürfte erst in der zweiten
Jahreshälfte 2028 das 2%-Ziel der EZB erreichen und auch in der
Folgeperiode dort verbleiben.

Übersicht 2: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für
Österreich - auf der WIFO-Website

Das Budgetdefizit des Staates wird 2026/2031 bei durchschnittlich
4,1% des nominellen BIP liegen und bleibt damit auch mittelfristig
deutlich über der 3%-Schwelle. Folglich steigt die Staatsschuld bis
2031 auf 89% der nominellen Wirtschaftsleistung. Der Anstieg der
langfristigen Zinssätze verursacht einen merklich höheren
Zinsendienst für die Staatsschuld und konterkariert bisherige
Konsolidierungsbemühungen. Um das 3%-Maastricht-Ziel zu erreichen
bzw. zu unterschreiten sind ab 2029 zusätzliche
Konsolidierungsanstrengungen von zumindest 1% des nominellen BIP
erforderlich.

Zu den Definitionen siehe " Methodische Hinweise und Kurzglossar
".

Rückfragehinweis:
Rückfragen bitte am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, von 12 bis 15
Uhr, an Mag. Dr. Christian Glocker, MSc, Tel. (1) 798 26 01 - 467,
christian.glocker@wifo.ac.at und Mag. Dr. Josef Baumgartner, Tel. (1)
798 26 01 - 230, josef.baumgartner@wifo.ac.at .

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