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ROUNDUP: Baugenehmigungen steigen - Bundesbaugesellschaft vor Start

16.10.2026
um 10:42 Uhr

WIESBADEN (dpa-AFX) - Hoffnung im seit Jahren kriselnden Wohnungsbau: Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland hat im August erneut deutlich zugelegt. Insgesamt wurden 20.600 Wohnungen bewilligt, das sind 6,8 Prozent oder 1.300 Genehmigungen mehr als ein Jahr zuvor.

Damit hält der Aufwärtstrend aus dem ersten Halbjahr an, als die Baugenehmigungen um gut 15 Prozent gestiegen waren - der stärkste Anstieg für ein erstes Halbjahr seit 2016. Die Bewilligungen sind ein Indikator für den Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten.

Bundesbauministerin Verena Hubertz kündigte zudem den baldigen Start einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft an, die den Neubau in Schwung bringen soll. "Das Ziel ist, dass die Wohnungsbaugesellschaft 2027 an den Start geht", sagte die SPD-Politikerin dem Portal "t-online". "Wir werden noch im Herbst unser Konzept vorstellen und dann schnellstmöglich damit loslegen."

Aufwärtstrend hält an

Von Januar bis August wurden Baugenehmigungen für 169.400 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden erteilt, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Das sind gut 12 Prozent oder 18.300 mehr als im Vorjahreszeitraum. In neu zu errichtenden Gebäuden wurden 137.500 Wohnungen bewilligt (plus 12,7 Prozent).

Dabei wuchs die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um knapp acht Prozent. Bei den Zweifamilienhäusern gab es sogar ein Plus von gut einem Fünftel (21,7 Prozent). In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig wichtigsten Gebäudeart, genehmigten die Behörden 90.600 Neubauwohnungen oder 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Gute Zahlen, aber höhere Zinsen

Die steigenden Zahlen nähren die Hoffnung, dass sich die Auftragslage im Wohnungsbau belebt. Allerdings steigen für Bauherren die Kosten, da sich Materialien und Energie wegen des Iran-Kriegs verteuert haben und die zehnjährigen Bauzinsen mit Inflationssorgen über die Marke von 4 Prozent gestiegen sind. Finanzierungen werden damit für Hausbauer ebenso wie private Investoren teurer. Daher gibt es Befürchtungen, dass der Aufschwung bei den Baugenehmigungen schon bald abebbt.

Nachdem sich die Stimmung im Wohnungsbau zuletzt gebessert hatte, verzeichnete das Ifo-Institut im September wieder einen Rückgang. Während die aktuelle Lage weitgehend gleich bewertet werde, schauten die Baufirmen skeptischer auf die kommenden Monate. "Die Aussicht auf wieder höhere Finanzierungskosten belastet die Branche", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, auch mit Blick auf steigende Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Auch die Baubranche gibt sich verhalten. "Eine genehmigte Wohnung ist nicht automatisch eine gebaute Wohnung", meint Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbands ZDB. "Ende 2025 lagen rund 450.000 genehmigte Wohnungen auf Eis, weil sich der Bau für viele nicht rechnet." Auch dürften die steigenden Genehmigungen nicht täuschen. "Wir erholen uns von einem historischen Tiefpunkt, von einem normalen Niveau sind wir noch weit entfernt."

Bundesbaugesellschaft setzt auf Zinsvorteil

Die von Bundesbauministerin Hubertz und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) geplante Bundesbaugesellschaft soll gegen die Krise am Bau helfen - eine der größten Aufgaben der Bundesregierung, an der schon die vorherige Ampel-Koalition scheiterte. Hubertz sagte, ihr sei wichtig, dass es ein schlankes Konstrukt werde, keine Behörde. "Davon haben wir genug." Man wolle auch keine neue Baufirma, sondern mit den Partnern auf dem Markt zusammenarbeiten.

Geplant sei, dass der Bund 51 Prozent der Anteile hält, 49 Prozent sollen bei Externen liegen. "Die Partner des Bundes können aus der freien Wirtschaft sein oder auch kommunale und landeseigene Wohnungsbaugesellschaften", sagte Hubertz. "Wir als Bund können im großen Stil Aufträge vergeben und dadurch einen Preisvorteil erzielen. Außerdem bringen wir das AAA-Rating mit, das wir für Top-Finanzierungskonditionen nutzen."

Bei einem AAA-Rating - der Bestnote von Rating-Agenturen für die Kreditwürdigkeit - kommen Investoren in den Genuss guter Konditionen. Das kann entscheidend sein für Investitionen am Bau, die stark am Zins hängen.

In Deutschland fehlen geschätzt mehr als eine Million Wohnungen. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Im vergangenen Jahr wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt - so wenige, wie seit 2012 nicht mehr.

Die Bundesregierung will mit einem "Bau-Turbo" über schnellere Genehmigungen den Bau voranbringen. Zuletzt stockte das Bauministerium den Fördertopf für den Neubau von energieeffizienten Häusern mit dem verbreiteten Standard EH 55 auf. Wer ein energieeffizientes Haus baut, kann damit bis Jahresende weiter mit Unterstützung vom Bund rechnen.

"Der Abwärtstrend beim Wohnungsbau ist gebrochen", sagte der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak. "So erfreulich der Trend ist, in einer Baugenehmigung kann niemand wohnen. Es kommt auf die Fertigstellungen an, deswegen dürfen wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen."/als/DP/jha