dpa-AFX Compact

Empörung über mutmaßlichen Siedlerangriff auf US-Fotografin

18.10.2026
um 17:08 Uhr

TEL AVIV/RAMALLAH (dpa-AFX) - Führende israelische Oppositionspolitiker haben einen mutmaßlichen Siedlerangriff auf eine US-Fotografin im besetzten Westjordanland scharf verurteilt. Der Vorsitzende der linksliberalen Demokraten, Jair Golan, schrieb bei X, Heidi Levine von der "Washington Post" habe ihm bei einem Besuch von den "Momenten des Schreckens" berichtet. "Von der furchtbaren Angst, möglicherweise nicht lebend davonzukommen. Von den Schlägen, dem Blut und davon, wie die Angreifer sie verletzt am Boden zurückließen."

Nach Angaben der "Washington Post" griffen Dutzende maskierte israelische Siedler am Freitag palästinensische Dorfbewohner an, die Oliven geerntet hätten. Sie hätten nahe der Ortschaft Abu Falah Olivenhaine in Brand gesetzt und Steine geworfen.

Levine trug nach Angaben der Zeitung eine Schutzweste, auf deren Vorder- und Rückseite deutlich "PRESS" zu lesen war. Sie sei von den Tätern zu Boden gestoßen und wiederholt getreten worden. Levine habe Schnittwunden am ganzen Körper erlitten. Eine Rippe und vier Wirbel seien gebrochen. Ein Finger sei so aufgerissen worden, dass der Knochen freigelegen habe.

Warnungen vor jüdischem Terror

Golan schrieb dazu: "Eine 65 Jahre alte Frau, konfrontiert mit einer Gruppe hasserfüllter jüdischer Randalierer." Es breche ihm das Herz. "Und es bringt mein Blut zum Kochen." Der ehemalige Vize-Generalstabschef warnte vor den Gefahren des "jüdischen Terrorismus" und kündigte an, nach einem Sieg der Opposition bei der Parlamentswahl am 27. Oktober werde man die Sicherheit wiederherstellen.

Auch der Hauptrivale des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bei der Wahl, Ex-Militärchef Gadi Eisenkot, hatte den Angriff klar verurteilt und harte Schritte gegen die Täter gefordert.

US-Außenminister Marco Rubio sagte, die Regierung sei sehr beunruhigt über die Bilder und habe die israelische Regierung aufgefordert, gegen derartige Vorfälle vorzugehen. US-Botschafter Mike Huckabee schrieb auf X, die US-Staatsbürgerin habe "bei einem brutalen und feigen Angriff schwere Verletzungen" erlitten. Er sprach von einem "verabscheuungswürdigen Terrorakt" und forderte mehrjährige Haftstrafen für die Täter. "Wir haben eine umfassende Untersuchung sowie die Festnahme und strafrechtliche Verfolgung aller Beteiligten unter voller Ausschöpfung des gesetzlichen Strafrahmens gefordert", schrieb Huckabee, der als siedlerfreundlich gilt.

Der Sohn der Fotografin, Michael Milner, sagte dem israelischen Kan-Sender, seine Mutter liege im Krankenhaus und könne nicht aufstehen. "Vier Rückenwirbel wurden ihr gebrochen. Einer ihrer Finger wurde beinahe abgetrennt." Sie sei durch das Geschehene "psychisch schwer erschüttert".

Levine arbeite seit mehr als 40 Jahren als Fotografin, vor allem in Kriegsgebieten, darunter in der Ukraine, Russland, Afghanistan und Syrien. "Aber einen solchen Angriff hat es noch nie gegeben", sagte der Sohn dem Sender. "Noch nie habe ich erlebt, dass sie Opfer einer solchen Lynchattacke wurde."

In einer Erklärung von Netanjahu auf X hieß es, die Umstände der Auseinandersetzung, bei der Levine angeblich angegriffen worden sei, seien unklar und würden untersucht./le/DP/men