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APA ots news: Smart bewegen, smart versorgen: Verkehrslösungen für die Städte von morgen
WKÖ-Veranstaltung beleuchtete, welche Rolle autonome
Fahrzeuge, Lieferdrohnen und Seilbahnen im Stadtverkehr der
Zukunft spielen
Wien (APA-ots) - Wie sehen die Innenstädte der Zukunft aus und wie
gelangen Waren
dorthin? Welche Rolle spielen autonome Fahrzeuge, Drohnen oder
Seilbahnen im Stadtverkehr? Und welche rechtlichen Rahmenbedingungen
braucht es dafür? Diesen Fragen ging man bei der Veranstaltung "Smart
bewegen, smart versorgen - Städte im Wandel: Lösungen für Verkehr und
Versorgung" nach, zu der die Abteilung für Rechtspolitik der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) gemeinsam mit der Bundessparte
Transport und Verkehr heute in die WKÖ einlud.
Für Rosemarie Schön , Leiterin der Abteilung für Rechtspolitik in
der WKÖ, steht dabei fest: "Wir müssen uns nicht vor
verkehrsberuhigten Innenstädten fürchten, sondern sollten die
diversen Innovationen, die hier im Entstehen sind, als Chance für
intelligente Verkehrslösungen sehen." Sie erinnerte an vorangegangene
Schwerpunkte der Veranstaltungsreihe, in denen man sich einzelnen
Themen wie beispielsweise im Vorjahr dem autonomen Fahren widmete.
"Für die besten Lösungen gilt es, die Zukunftsthemen in ihrer
Gesamtheit zu betrachten. Es reicht nicht nur auf eine Technologie zu
setzen, sondern zum Wohle der Stadt sollten wir mehrere Innovationen
gemeinsam verwirklichen", betonte Schön in ihren Eröffnungsworten.
Elisabeth Rothmüller-Jannach , stellvertretende Obfrau der
Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ, wies darauf hin, dass
man sich zuerst die grundsätzliche Frage stellen müsse, wie eine
lebenswerte Stadt aussehen soll. Dazu gelte es, Verkehr und Logistik
gemeinsam zu betrachten. "Jede Stadt lebt davon, dass Menschen bewegt
und Güter transportiert werden. Die Bäckerei benötigt ihre Zutaten.
Das Krankenhaus braucht Medikamente. Der Handwerksbetrieb muss seine
Kunden erreichen. Und auch der Handel setzt leistungsfähige Verkehrs-
und Logistiksysteme voraus", erläuterte Rothmüller-Jannach. Die
Herausforderung bestehe darin, diese Leistungen in immer dichter
werdenden Städten effizient und nachhaltig zu erbringen. "Städte
verändern sich, die Erwartungen an Umweltverträglichkeit, Sicherheit
und Lebensqualität steigen. Das stellt die Transportwirtschaft sowie
den öffentlichen Verkehr vor große Aufgaben, eröffnet aber auch
enorme Chancen", sagte Rothmüller-Janach und betonte: "Die neuen
Entwicklungen sind nicht isoliert zu betrachten. Die Stadt von morgen
braucht kein Nebeneinander verschiedener Verkehrssysteme, sondern ein
intelligentes Zusammenspiel."
Stadtplanung muss auf Veränderungen reagieren
Wie die Planung der Infrastruktur darauf reagieren muss,
schilderte Martin Berger , Ordinariums für Raumplanung an der TU
Wien. Schon jetzt seien große Veränderungen der Innenstädte zu
beobachten: Laut Berger ist der Onlineanteil an den
Einzelhandelsausgaben von 2017 bis 2026 um den Faktor 1,6 gestiegen,
zugleich sind die Handelsfläche um 15 Prozent gesunken, die
Leerstandsquote ist gestiegen. "Damit muss sich Planung
auseinandersetzen", betont Berger und empfiehlt unter anderem,
Bewusstsein dafür zu schaffen, dass für Lieferungen Raum vorhanden
sein muss, sowie durch Anreize und Steuerung die dafür nötigen
Maßnahmen zu setzen.
Julie Garland von Avtrain, die aus Dublin zugeschaltet war,
berichtete über erste Erfahrungen mit Drohnen in der City-Logistik in
Irland, wo in einem Testbetrieb sogar Kaffee per Drohne geliefert
wurde. Allerdings sind in dicht verbauten Gebieten rechtliche Aspekte
zu beachten. Dabei gelten unterschiedliche Kategorien, wie Raphaela
Reiner von AustroControl erläuterte. Bei der offenen Kategorie
braucht es keine spezielle Genehmigung, bei der spezifischen sowie
der zertifizierten Kategorie hingegen sind in Österreich eine
Risikoanalyse sowie Genehmigung durch die AustroControl nötig. Dabei
fließen u.a. Risiken für den Luftraum, Bevölkerungsdichte sowie
Lärmentwicklung in die Bewertung ein.
Alexandra Anderluh , Mobilitätsforscherin an der University of
Applied Sciences St. Pölten, schilderte, wie weit einzelne
österreichische Städte im Bereich Sustainable Urban Logistics
Planning (SULP) sind und wie sich Unternehmen hier einbringen können.
Denn solche Pläne enthalten in der Regel auch Zufahrtsbeschränkungen
und Zero Emission Zonen. Wie darauf zu reagieren ist, diskutierten im
Anschluss Andrea Faast von der Wirtschaftskammer Wien, Sonja Aboulez
von der Post AG, Andreas Liebsch von der GO Asset Development GmbH
und David Strauß von der FH des bfi Wien. Erste Ansätze, etwa
Grätzelladezonen oder Postabholstationen, sind bereits in Umsetzung.
Dennoch ist noch viel zu tun, etwa seien Genehmigungsverfahren zu
beschleunigen und brachliegende Industrieflächen für die Logistik
nutzbar zu machen.
Automatisiertes Fahren: Technik ist bereits sehr weit
Große Chancen ergeben sich auch durch automatisiertes Fahren.
Hier ist die Technik bereits sehr weit, doch es bedarf auch komplexer
rechtlicher Anpassungen. Über die Fortschritte bei den rechtlichen
Rahmenbedingungen sowie erste Anwendungen für automatisiertes Fahren
informierte Michael Nikowitz vom Infrastrukturministerium (BMIMI).
Österreich teste bereits in Form von Leitprojekten und
Modellregionen. Hier gelte es, sämtliche Akteure, von den Betreibern
bis zu den Kommunen, einzubinden. um den Rechtsrahmen so zu
gestalten, dass automatisiertes Fahren im öffentlichen Verkehr sowie
im Güterverkehr tatsächlich einsetzbar und skalierbar ist.
Liisa Andersen von Ruter As berichtete aus Oslo über die dortige
ambitionierte Strategie, den gesamten Verkehr klimaneutral zu
gestalten. Vor allem im Individualverkehr ist Norwegen mit einem E-
Auto-Anteil an den Neuzulassungen von 98 Prozent Vorreiter, aber auch
Modelle wie Carsharing und On-Demand-Services werden stark forciert.
Mittels App wird versucht, den Kund:innen das in der jeweiligen
Situation am besten geeignete Verkehrsmittel vorzuschlagen.
Dass auch die Seilbahn gerade im urbanen Raum eine Rolle spielen
kann, betonte Reinhard Fitz von Doppelmayr. Sie sind oftmals
wichtiger Bestandteil integrierter Verkehrsplanung, Paris sei ein
gutes Beispiel dafür: Nach der Identifizierung von Schwachstellen im
öffentlichen Verkehr wurde eine Direktverbindung mittels Seilbahn
geschaffen, die Zeit spart und einen nahtlosen Umstieg in die Metro
ermöglicht.
Gudrun Senk von den Wiener Linien, berichtete über die
Herausforderung, 2,47 Millionen Menschen täglich - so viele steigen
jeden Tag in ein öffentliches Verkehrsmittel in Wien ein - sicher und
zuverlässig zu transportieren. Auch dabei spielt Automatisierung
bereits eine Rolle, wobei dies aktuell oft Überwachungssysteme und
einzelne Elemente wie Stellwerke oder Fahrzeugtüren betrifft, bei der
in Bau befindlichen U5 aber dann schon vollautomatisiertes Fahren
bedeuten soll.
Zum Abschluss der Veranstaltung diskutierten Thomas Novak ,
Leiter des Pilotprojekts Roberta (selbstfahrende Busse), Martin
Schmidt von der Holding Graz, Samira Chadli von SC CONCEPTS e.U.
sowie Christian Holzhauser von der Wirtschaftskammer Wien darüber,
wie Automatisierung die städtische Personenbeförderung verändern
wird. Dabei waren sich die Podiumsteilnehmer einig: Die Technologie
ist kein Selbstzweck, sondern muss auch Nutzen bringen, damit sie von
den Menschen akzeptiert wird. (PWK565/DFS)
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