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21.10.2026
um 10:06 Uhr

APA ots news: Ablenkung am Steuer: Acht von zehn Autofahrer:innen sehen wachsendes Risiko durch moderne Fahrzeugtechnik

Allianz Motor Day 2026

München/Wien (APA-ots) - - Umfrage unter 1.200 Österreicher:innen: fast
jede:r dritte
Autofahrer:in hat durch Touchscreen-Bedienung während der Fahrt
mindestens eine kritische Situation erlebt

- Ablenkung verursacht mindestens jeden dritten Verkehrsunfall und
ist riskanter als das Fahren mit 0,8 Promille

- Die Allianz fordert daher sicherheitsoptimierte Cockpits, klare
regulatorische Vorgaben und mehr Verantwortungsbewusstsein im
Straßenverkehr

Beim 14. Allianz Motor Day stand eines der größten Sicherheitsrisiken
im Straßenverkehr im Fokus: die Ablenkung am Steuer. Neue
Untersuchungen des Allianz Zentrums für Technik (AZT) zeigen, dass
ihr Anteil am Unfallgeschehen deutlich höher ist als bislang
angenommen. Während frühere Schätzungen von rund 10 Prozent der
Verkehrsunfälle in Deutschland ausgingen, weisen die aktuellen
Analysen auf einen Anteil von mehr als 30 Prozent hin. Auch
Autofahrer:innen in Österreich nehmen das Problem vermehrt wahr.

Laut einer aktuellen Umfrage der Allianz unter 1.200
Österreicher:innen sind 79 Prozent überzeugt, dass die Ablenkung
durch Technologien im Fahrzeug in den vergangenen Jahren zugenommen
hat. Mehr als jede:r zweite Fahrer:in (58 %) stuft das
Ablenkungsrisiko inzwischen als hoch oder sehr hoch ein. Besonders
bemerkenswert: 70 Prozent der Fahrer:innen, die in den vergangenen
drei Jahren einen Unfall verursacht haben, halten Ablenkung für eine
definitive oder mögliche Ursache. Fast jede:r Dritte (31 %) hat zudem
während der Fahrt bereits mindestens eine kritische Situation durch
die Bedienung des Touchscreens erlebt. Entsprechend groß ist der
Wunsch nach einfacherer Bedienung: Zwei Drittel der Befragten (66
Prozent) würden bestimmte Fahrzeugfunktionen lieber über klassische
Schalter und Tasten bedienen. Ein großes Problem bleibt zudem das
Smartphone: 40 Prozent der Befragten geben an, "zumindest selten" (40
%) oder "zumindest gelegentlich" (19%) mit dem Handy in der Hand
Textnachrichten während der Fahrt zu schreiben. Dabei sehen die
Autofahrer:innen die Verantwortung durchaus bei sich selbst: 85
Prozent sind der Meinung, dass in erster Linie die Fahrer:innen
selbst gefordert sind, Ablenkung zu reduzieren.

"Ablenkung ist für die Autofahrer:innen in Österreich kein
abstraktes Risiko, sondern gelebte Realität. Viele kennen brenzlige
Momente am Touchscreen aus eigener Erfahrung, und wer einen Unfall
verursacht hat, sieht im Nachhinein häufig Ablenkung als Ursache.
Bemerkenswert ist, wie selbstkritisch die Befragten sind. Diese
Einsicht ist eine gute Grundlage, denn wer das Risiko kennt, kann es
auch vermeiden", so Jörg Hipp, CPO der Allianz Österreich . "Unser
Ziel ist, dass der Blick dort bleibt, wo er hingehört: auf der
Straße."

Zwtl.: Ablenkung ist der Grund für mindestens jeden dritten Unfall

Die Einschätzung der Befragten deckt sich auch mit einer
gemeinsamen Studie des AZT und des auf kognitive Modellierung
spezialisierten Unternehmen cogniBIT. Diese weist erstmals nach, wie
stark sich Ablenkung in ausgewählten kritischen Verkehrssituationen
auf das Kollisionsrisiko auswirken kann. Die Berechnungen basieren
auf einem kognitiven Fahrermodell und realen Blickdaten aus einer
umfangreichen Fahrzeugstudie.

Die Ergebnisse zeigen die erheblichen Auswirkungen von Ablenkung
auf die Verkehrssicherheit: In einem simulierten Notbrems-Szenario
auf der Autobahn stieg der Anteil der Unfälle von 18,2 Prozent bei
aufmerksamen Fahrer:innen auf 54,3 Prozent bei abgelenkten
Fahrer:innen. In einem Szenario, in dem ein Kind unvermittelt die
Fahrbahn betritt, erhöhte sich die Unfallquote von 3,9 Prozent auf
11,2 Prozent. Besonders alarmierend: In 39 Prozent dieser Fälle
reagierten die abgelenkten Fahrer:innen überhaupt nicht.

Nach Einschätzung der Allianz ist inzwischen mindestens jeder
dritte Verkehrsunfall auf Ablenkung zurückzuführen und damit deutlich
mehr als bislang angenommen. Untersuchungen zeigen zudem, dass
abgelenkte Fahrer:innen in kritischen Situationen sogar schlechter
abschneiden können als Fahrer:innen mit einem simulierten
Blutalkoholwert von 0,8 Promille. Ablenkung am Steuer kann damit in
bestimmten Situationen noch gefährlicher sein als Alkohol und sollte
entsprechend ernst genommen werden.

Zwtl.: Das Auto ist kein Smartphone

Der stark gewachsene Funktionsumfang moderner Fahrzeuge macht es
notwendig, bestimmte Funktionen über den Touchscreen abzubilden.
Dabei wandern Funktionen, die früher intuitiv und ohne Blickkontakt
bedient werden konnten, zunehmend in digitale Menüs. Für zentrale und
häufig genutzte Funktionen wie Klimaanlage oder Radio sind heute
oftmals mehrere Eingaben am Bildschirm nötig. Dadurch wenden
Fahrer:innen ihren Blick länger und häufiger vom Verkehrsgeschehen ab
- mit Folgen für die Fahrsicherheit.

"Unsere Forschung zeigt, dass derselbe Bedienvorgang in einem
Fahrzeug bis zu 25 Prozent weniger visuelle Aufmerksamkeit
beanspruchen kann als in einem anderen. Das macht deutlich: Ablenkung
ist nicht nur eine Frage des Verhaltens, sondern auch der
Benutzeroberfläche. Das Cockpit selbst ist zu einem Bildschirm
geworden, der mit der Straße um die Aufmerksamkeit des Fahrers
konkurriert. Aber ein Auto ist kein Smartphone. Wenn es um Sicherheit
geht, muss Design der Funktion folgen", sagte Dr. Klaus-Peter Röhler,
Vorstandsmitglied der Allianz SE , zuständig für Insurance German
Speaking Countries, Central Europe, Global Property & Casualty.

Zwtl.: Das Design entscheidet: Das Cockpit als Sicherheitsfaktor

Eine Fahrstudie des Allianz Zentrum für Technik (AZT) unter
realen Bedingungen zeigt, dass die Gestaltung des Touch-
Bedienkonzepts erheblichen Einfluss darauf hat, wie lange
Fahrer:innen den Blick von der Straße abwenden. Beim Vergleich
aktueller Fahrzeugmodelle führten identische Alltagsaufgaben zu teils
deutlich unterschiedlichen Blickabwendungszeiten.

Bei einzelnen Aufgaben ließen sich durch ein günstiger
gestaltetes Bedienkonzept bis zu 25 Prozent beziehungsweise rund drei
Sekunden Blickabwendungszeit einsparen. Die Ergebnisse zeigen: Nicht
der Touchscreen selbst ist das Problem, sondern die Art, wie
Funktionen in das Bedienkonzept des Fahrzeugs integriert werden.

"Für eine sichere Fahrzeugbedienung braucht es verbindliche
Empfehlungen, welche Funktionen über physische Schalter und welche
per Touchscreen gesteuert werden sollten. Gleichzeitig sollten
wissenschaftliche Erkenntnisse zur Mensch-Maschine-Interaktion
konsequent genutzt werden, um Touchscreen-Bedienungen so
auszugestalten, dass sie Fahrer:innen möglichst wenig vom
Verkehrsgeschehen ablenken", sagte Christian Sahr, Leiter des AZT .

Über die Studien

Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) führte sein bislang
umfassendstes Forschungsprogramm zum Thema Ablenkung am Steuer durch.
Dabei wurden die Analyse von mehr als 34.000 Unfälle, Eye-Tracking-
Studien in realen Fahrzeugen, eine Fahrsimulationsstudie in
Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München, kognitive
Modellierung kritischer Verkehrssituationen mit cogniBIT, eine
internationale, repräsentative Fahrerbefragung in neun Ländern (je
1.200 Personen) sowie eine Auswertung von mehr als 80
veröffentlichten Studien kombiniert. Die Ergebnisse wurden auf dem
14. Allianz Motor Day vorgestellt und sind im Bericht "SWIPE. TAP.
CRASH. Ablenkung am Steuer im digitalen Auto" veröffentlicht.

Den gesamten Report finden Sie hier zum Download.

Rückfragehinweis:
Allianz Österreich
Dr. Thomas Gimesi
Telefon: +43 676 878 222 914
E-Mail: presse@allianz.at
Website: https://www.allianz.at/

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