dpa-AFX Compact

ROUNDUP/Eurozone: Schwache französische Wirtschaft belastet Unternehmensstimmung

23.10.2026
um 11:48 Uhr

LONDON (dpa-AFX) - Belastet vom Inflationsdruck und von den Sorgen um den französischen Staatshaushalt hat sich die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im Oktober überraschend deutlich eingetrübt. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Eurozone fiel im Monatsvergleich um 1,2 Punkte auf 51,9 Punkte, wie S&P am Freitag in London nach einer ersten Schätzung mitteilte.

Analysten hatten im Schnitt mit einem leichten Rückgang auf 52,7 Punkte gerechnet. Belastet wurde der Indikator insbesondere durch die deutliche Stimmungseintrübung in Frankreich. Dort rutschten die Teilindikatoren für die Industrie und den Dienstleistungsbereich unerwartet unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten, was einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität signalisiert.

Die jüngsten Proteste gegen die Sparpläne der Pariser Regierung schränken Experten zufolge den Spielraum der Politiker ein, den Haushalt zu konsolidieren. Sorgen bereitet der jüngste deutliche Anstieg der Renditen französischer Staatsanleihen, was als Zeichen des Misstrauens von Investoren gewertet werden kann. So rentieren zehnjährige Papiere mittlerweile bei gut fünf Prozent. Damit erhöhen sich die aktuellen Zinskosten des Staates gegenüber der Niedrigzinsphase in den 2010er-Jahren stark.

"Diese Stimmungsdaten werden die Befürchtungen verstärken, dass politische Unsicherheit und Volatilität am Anleihemarkt die Konjunktur in Frankreich - und in der gesamten Eurozone - bremsen, indem sie das Vertrauen belasten und die finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen", sagte Claus Vistesen, der für die Eurozone zuständige Chefvolkswirt von Pantheon Macroeconomics. Man sollte jedoch bedenken, dass die französischen Einkaufsmanagerindizes schwankungsanfällig seien und nur eine geringe Aussagekraft für das kurzfristige Wirtschaftswachstum (BIP) hätten. Der Experte rechnet weiterhin mit einem BIP-Anstieg von 0,2 Prozent im vierten Quartal, da sich das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe erholten.

Laut Chefvolkswirt Chris Williamson von S&P Global Market Intelligence wurde das Wachstum in der Eurozone maßgeblich durch den erneuten Rückgang der Geschäftstätigkeit im französischen Dienstleistungssektor gebremst. Ein Teil der Schwäche Frankreichs könnte mit Streiks und Unruhen zusammenhängen, die einige lokale Wirtschaftszweige beeinträchtigt haben. Gleichwohl hat sich dem Experten zufolge das Wachstum auch im Rest der Eurozone sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Servicesektor leicht abgeschwächt.

Mit ausschlaggebend für die allgemeine Konjunkturabkühlung war Williamson zufolge auch der weitere Anstieg des Inflationsdrucks im Euroraum. Die Einkaufspreise legten erneut stark zu, insbesondere in der Industrie habe sich der Kostenauftrieb wegen der höheren Energiepreise beschleunigt. Darauf hätten die Unternehmen mit einer Anhebung der Verkaufspreise reagierten, um ihre Gewinnmargen zu sichern.

In Deutschland legte die Stimmung in der Industrie überraschend zu, während sie sich im Dienstleistungssektor stärker als erwartet eintrübte. Beide Teilindizes liegen weiter klar im Expansionsbereich. Dies deute auf eine anhaltend positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung hin, schrieb Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Die Entwicklung im Überblick:

^
Region/Index Oktober Prognose Vormonat

EURORAUM
Gesamt 51,9 52,7 53,1
Industrie 52,4 52,8 52,9
Dienste 51,7 52,5 53,0

DEUTSCHLAND
Industrie 54,2 53,5 53,9
Dienste 51,7 52,5 52,9

FRANKREICH
Industrie 49,3 50,5 50,6
Dienste 48,4 50,7 51,2°

/la/jkr/mis