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ROUNDUP 2/Kanzler bei Chip-Forschern: Können international mithalten

23.10.2026
um 19:59 Uhr

(Aktualisierung: Kritik des Oberbürgermeisters und vom CDU-Kreisverband ergänzt)

FRANKFURT (Oder) (dpa-AFX) - Bei der Spitzenforschung in der Mikrochip-Entwicklung kann Deutschland nach den Worten des Bundeskanzlers im internationalen Vergleich bestehen. "Unsere Forschung ist international spitze. Wir können mithalten", sagte Friedrich Merz (CDU) bei einem Besuch am Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP) in Frankfurt (Oder).

Wissenschaftler zeigten ihm die Produktion innovativer Mikrochips aus Silizium, die in der Industrie Anwendung finden. In einem Hochfrequenz-Labor ging es darum, die Funktionalität der Mikrochips zu untersuchen.

Hightech Agenda des Bundes

Anlass des Kanzler-Besuchs ist die Hightech Agenda der Bundesregierung. Ziel ist es, durch Investitionen in Schlüsseltechnologien die Wirtschaftskraft zu stärken, neue Arbeitsplätze zu schaffen und dafür zu sorgen, dass Deutschland unabhängiger wird.

AfD protestiert vor Institut

Auf der Zufahrt zur Einrichtung in Frankfurt (Oder) protestierte die AfD gegen den CDU-Regierungschef. Rund 40 Menschen versammelten sich, einige hatten Deutschlandfahnen dabei. Eine Parole der AfD, die der Verfassungsschutz in Brandenburg als rechtsextremistisch einstuft: "Merz muss weg." Im Institut war von dem Protest nichts zu hören.

Der parteilose Oberbürgermeister der Stadt, Axel Strasser, und auch die CDU vor Ort äußerten sich im Zusammenhang mit der Kanzler-Visite enttäuscht. Sie hätten sich gewünscht, dass er seinen Besuch im Forschungsinstitut auch mit einem Gespräch mit der Stadtspitze und der Parteibasis verbinde.

"Es wäre wichtig, der Mitgliedschaft zu signalisieren, dass man sie sieht und wertschätzt (...)", sagte CDU-Kreisvorsitzende Désireé Schrade der "Märkischen Oderzeitung".

Oberbürgermeister nicht eingeladen

Oberbürgermeister Strasser erklärte: "Technologischer Fortschritt und ein funktionierendes Gemeinwesen gehören zusammen. Beides verdient die Aufmerksamkeit der Bundesregierung." Auf Instagram schrieb er weiter: "Wer wissen will, wie politische Entscheidungen im Alltag wirken, sollte auch mit denen sprechen, die sie vor Ort umsetzen müssen." Er klagte über wachsende Aufgaben der Kommunen, ohne dass ihre Finanzierung gesichert sei. Viele Entscheidungen, deren Folgen vor Ort zu tragen seien, würden woanders getroffen.

Strasser war bei dem Kanzler-Besuch im Institut am Vormittag nicht dabei. Die Leibniz-Forschungsgemeinschaft hatte Merz nach eigenen Angaben bereits im Februar eingeladen. Eine Einladung an Strasser habe es nicht gegeben, so ein Sprecher. Das Bundespresseamt war am Nachmittag angefragt, es reagierte bislang nicht auf die Kritik.

Schnelltests vorgeführt

Wissenschaftler demonstrierten dem Kanzler ihre Entwicklungen an einem Sensorchip, der Schnelltests von Flüssigkeiten etwa in der Medizin in wenigen Minuten ermöglicht. Merz legte dabei selbst einen kleinen Chip mit einer Testlösung in ein Gerät, das mit Laser und Licht funktioniert. Er fragte: "Wann ist das Produkt marktfähig?"

Ein Prototyp-Einsatz sei im Laufe des kommenden Jahres geplant, so der Wissenschaftler. Kooperationen gebe es bereits. Ein langfristiges Ziel ist es, die Entwicklung in der Sepsis-Früherkennung (Blutvergiftung) anzuwenden, wie es hieß.

Merz: Innovative Forschung für Lebensverbesserungen

Nach einem Rundgang sagte Merz: "Wir sind in Europa in der Lage, wissenschaftlich souverän zu werden." Gemeint ist damit die Fähigkeit, Schlüsseltechnologien selbst zu entwickeln und herzustellen und weniger abhängig etwa von den USA und Asien zu werden.

"Aus innovativer Forschung entstehen genau die Lebensverbesserungen, die wir brauchen, die innovativen Geschäftsideen, die unser Land als Ganzes voranbringen", so Merz, der einen Wafer - hinter Glas und in einem Rahmen - geschenkt bekam. Wafer werden unter anderem für die Herstellung von Mikrochips und Sensoren verwendet.

Er habe eine "hohe innere Affinität zu Technologien" und eine "große Freude" daran, zu sehen, wie solche konkreten Forschungskooperationen dann auch für unseren heimischen Alltag nutzbar werden, so Merz. "Hier wird europäische Zukunft gemacht und hier wird Zukunft für unser Land gestaltet." Fragen von Journalisten ließ der Kanzler nicht zu.

IHP-Leiter: Mikroelektronik nicht wegzudenken

Institutsleiter Gerhard Kahmen sagte, "Mikroelektronik durchdringt inzwischen sämtliche Bereiche der Gesellschaft. Das geht los von Konsumerelektronik bis hin zur Raumfahrt und ist aus unserem modernen Leben überhaupt nicht mehr wegzudenken." Sie sei eine Schlüsseltechnologie für eine souveräne und letztendlich auch überlebensfähige Gesellschaft, gerade auch in sicherheitsrelevanten Bereichen.

Die Forscher zeigten Merz auch ihren 1.500 Quadratmeter großen Reinraum für Mikroelektronik-Chips - einen abgeschirmten Arbeitsbereich, in dem die Konzentration von Staub und Schwebstoffen in der Luft extrem niedrig gehalten wird. Dort dürfen die Wissenschaftler nur in spezieller Schutzkleidung arbeiten.

Das IHP ist nach eigenen Angaben eine weltweit führende Forschungseinrichtung für silizium-basierte Mikroelektronik. Innovative Technologien werden dann in die kommerzielle Fertigung überführt./mow/DP/he