BERLIN (dpa-AFX) - Linken-Chef Luigi Pantisano fordert den Rücktritt von Audi-Chef Gernot Döllner, nachdem dieser auf einer Wahlkampfbühne von US-Präsident Donald Trump den Bau eines Werks in den USA angekündigt hat. "Ich finde, es ist eindeutig: Audi-Vorstandschef Gernot Döllner muss seinen Hut nehmen", sagte er dem Nachrichtenportal "t-online". "Gerade bei VW
"Wahlkampfhilfe für Autokraten"
Trump mache Politik für die Interessen der Reichen und Mächtigen, Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechte seien ihm ein Dorn im Auge und die Menschen litten unter den Folgen seiner Kriege, sagt Pantisano. "Und dann kommt ein deutscher Konzernchef auf die Bühne und macht Wahlkampfhilfe für diesen Autokraten. Man möchte vor Scham im Boden versinken."
Zudem kritisiert auch Pantisano - wie die VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo und die IG Metall -, dass Döllners Auftritt gegen die eigenen Grundsätze von Audi verstoße, sich vor Wahlen nicht an öffentlichen Parteiveranstaltungen zu beteiligen. Am 3. November sind in den USA Zwischenwahlen.
Pantisano greift in diesem Zusammenhang auch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD) an. Es sei "ein Armutszeugnis für die deutsche Politik, die offensichtlich keinen Einfluss auf die Konzernführung hat und stattdessen tatenlos dem Abbau der Arbeitsplätze hier vor Ort zuschaut." Das Verhalten Döllners müsse Konsequenzen haben, "sonst muss auch Lies sich die Wahlkampfhilfe für Trump zurechnen lassen".
Lies: Wahlkampfveranstaltung falscher Ort für Ankündigung
Lies, der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, äußerte sich ebenfalls kritisch: "Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden", erklärte er. "Dieser Auftritt hat Befremden ausgelöst, bei den Beschäftigten, die hier um ihre Arbeitsplätze bangen, und weit darüber hinaus. Das kann ich gut verstehen, mir geht es genauso. Hier wurde ein Unternehmensverantwortlicher zum Teil einer politischen Inszenierung."
Zudem betonte Lies: "Über eine Investition dieser Größenordnung entscheiden die zuständigen Gremien des Konzerns, und diese Entscheidung ist noch nicht gefallen. Es ist strategisch richtig, dass Audi den US-Markt besser erschließen will, solange Arbeit und Wertschöpfung hier gesichert und nicht verdrängt werden."/ruc/DP/men