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Ökonomen-Stimmen zum deutlichen Rückgang der Inflation in Deutschland

30.10.2026
um 14:58 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Mit dem erneuten Tankrabatt ist die Inflationsrate in Deutschland deutlich gesunken. Im Oktober lagen die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 3,3 Prozent im September, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Volkswirte hatten mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent gerechnet.

Einschätzung von Bank-Ökonomen im Überblick

Ralph Solveen, Analyst bei der Commerzbank

"Die deutsche Inflationsrate (nationale Definition) ist im Oktober deutlich von 3,3 Prozent auf 2,8 Prozent gefallen. Zum Teil ist dies auf niedrigere Energiepreise zurückzuführen. Denn Kraftstoffe haben sich wegen der temporären Senkung der auf sie erhobenen Energiesteuer spürbar verbilligt. Auch die Kernteuerungsrate ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte im Oktober von 2,4 Prozent auf 2,1 Prozent zurückgegangen sein. Dies wird sich aber kaum als nachhaltig erweisen. Vielmehr wird die Inflationsrate wohl schon bald wieder zulegen."

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank

"Für die EZB werden die heutigen deutschen Inflationsdaten die "Tauben" bestärken, da die Zahlen zeigen, dass noch immer keine indirekten oder Zweitrundeneffekte in Sicht sind. Bleibt diese Situation unverändert, ist selbst eine Zinserhöhung im Dezember möglicherweise noch nicht beschlossene Sache. Damit die EZB den Kurs fortsetzen kann, den EZB-Präsidentin Christine Lagarde gestern als 'die Richtung ist klar' bezeichnete, wären einige Folgewirkungen der höheren Energiepreise hilfreich."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank

"Auch wenn Preisüberwälzungen ausgehend von den höheren Energiekosten bislang ausblieben, durchatmen ist bislang dennoch nicht angebracht. Dass nach wie vor Inflationsdruck vorhanden ist, zeigen die Import-, Großhandels- und Produzentenpreise. Zwar liegen hierfür noch keine Daten für den Oktober vor, doch die teils deutlichen Preisanstiege im September lassen erahnen, dass in den kommenden Monaten das Risiko von Preisanstiegen hoch bleibt. Auch die EZB sieht das Risiko von Zweitrundeneffekten."

Michael Heise, Chefvolkswirt HQ Trust

"Der Rückgang der Inflationsrate ist etwas stärker als erwartet. Dennoch wird bei den Verbrauchern keine große Freude aufkommen, denn mit 2,8 Prozent liegt der Kaufkraftverlust immer noch auf sehr hohem Niveau. Kraftstoffe sind trotz des zeitlich befristeten Tankrabatts erheblich teurer als vor einem Jahr. Das gilt auch für den Energieverbrauch insgesamt. Positiv ist, dass der Preisdruck bislang nicht stark auf andere Güter und Dienstleistungen übergreift: Die Kerninflation ist deutlich auf 2,1 Prozent gesunken. Eine Entwarnung ist aber nicht angebracht. Wegen der Konflikte im Nahen Osten und höherer Kosten für Energie, Vorprodukte und Transporte dürfte die Inflation auch in den kommenden Monaten nahe 3 Prozent liegen."

Ulrich Wortberg, Analyst Helaba Research

"Die Gesamtinflation ist zwar gesunken, liegt aber weiterhin klar oberhalb des EZB-Ziels. Zudem bleibt der Preisdruck in anderen EWU-Ländern hoch, sodass die Zinserhöhungserwartungen kaum gedämpft werden dürften. Marktseitig wird ein Schritt im Dezember mehrheitlich eingepreist und auch wir gehen davon aus, dass dann an der Zinsschraube gedreht wird."

Sebastian Becker, Volkswirt bei Deutsche Bank Research

"Wir rechnen damit, dass die Gesamtinflationsrate (VPI) in Deutschland von 2,2 Prozent im Jahr 2025 auf 2,8 Prozent im Jahr 2026 und weiter auf 3,4 Prozent im Jahr 2027 steigen wird. Während der Anstieg in diesem Jahr überwiegend auf den direkten Energiepreisschock zurückzuführen ist, wird die Dynamik im nächsten Jahr primär von einer höheren Kernrate getragen. Diese könnte im Jahresdurchschnitt 2027 auf bis zu 3,0 Prozent klettern. Dazu dürften insbesondere eine Reihe gesetzlicher Maßnahmen beitragen - darunter die Erhöhung der Tabaksteuer, die Einführung einer Zuckersteuer, höhere Zuzahlungen für Medikamente sowie die Preiserhöhung beim Deutschland-Ticket. Allein diese Maßnahmen könnten die Inflationsrate geschätzt um bis zu 0,4 Prozentpunkte nach oben treiben."

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