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Türkei nominiert OSZE-Chef für Guterres-Nachfolge

31.10.2026
um 11:13 Uhr

ANKARA (dpa-AFX) - Im Rennen um die Nachfolge des scheidenden UN-Generalsekretärs António Guterres hat die türkische Regierung einen neuen Kandidaten nominiert. Da sich der UN-Sicherheitsrat in der Personalfrage bislang nicht einigen konnte, sei der amtierende OSZE-Generalsekretär Feridun Sinirlioglu als Kompromisskandidat vorgeschlagen worden, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Quellen im Außenministerium. Das formelle Nominierungsschreiben wurde demnach am Freitag vom türkischen UN-Botschafter ans Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York übermittelt.

Der langjährige Diplomat Sinirlioglu vertrat die Türkei von 2016 bis 2023 bei den Vereinten Nationen und wurde Ende 2024 einstimmig zum Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit Sitz in Wien gewählt. Die regionale Sicherheitsorganisation, der auch Russland sowie Staaten aus Nordamerika und Asien angehören, setzt sich für Stabilität, Frieden und Demokratie ein.

Festgefahrener Auswahlprozess

UN-Generalsekretär Guterres scheidet Ende des Jahres aus dem Amt, doch der seit Monaten laufende Prozess zur Auswahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin ist festgefahren. Die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrates befinden sich noch immer in der Findungsphase, in der anhand geheimer Probeabstimmungen versucht wird, sich auf einen Kandidaten zu verständigen. Die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat - China, Frankreich, Russland, Großbritannien und die USA - haben auch dabei eine Sonderstellung und können Kandidaten mit einem Veto blockieren. Gibt es eine Einigung, wird die Personalie den 193 Staaten in der UN-Generalversammlung vorgeschlagen.

Unter den UN-Mitgliedsländern herrschte zuletzt weitgehend Einigkeit darüber, dass der prestigeträchtige Posten zum ersten Mal in der Geschichte der UN von einer Frau bekleidet werden sollte. Laut der regionalen Rotationsregel wären nach dem Portugiesen Guterres diesmal zudem die Länder Lateinamerikas und der Karibik an der Reihe, das höchste Amt der Vereinten Nationen zu besetzen.

"Die Welt ist größer als fünf"

Sinirlioglu erfüllt keines dieser Kriterien, weiß aber den mächtigen türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan hinter sich, der nicht nur im Nahen Osten bestens vernetzt ist und als geschickter Strippenzieher gilt. Zu Zeiten der Interimsregierung 2015 war Sinirlioglu kurzzeitig türkischer Außenminister.

Erdogan fordert seit vielen Jahren eine Reform des UN-Systems, insbesondere der Struktur des Sicherheitsrats. Sein Vorwurf, die wenigen Mitglieder mit Vetorecht hätten unverhältnismäßig großen Einfluss, spiegelte sich in Erdogans Satz "Die Welt ist größer als fünf" wider, den er zuletzt im September 2026 bei seiner Rede vor der UN-Generalversammlung wiederholte./mk/DP/zb