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IRW-News: Dr. Reuter Investor Relations: Tourette-Syndrom betrifft Millionen Menschen: Warum Forscher in Deutschland nach besseren Behandlungsmöglichkeiten suchen

06.11.2026
um 09:44 Uhr

IRW-PRESS: Dr. Reuter Investor Relations: Tourette-Syndrom betrifft Millionen Menschen: Warum Forscher in Deutschland nach besseren Behandlungsmöglichkeiten suchen

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Für Menschen mit schwerem Tourette-Syndrom können selbst einfachste Alltagssituationen zu einer enormen Belastung werden. Plötzliche, unwillkürliche Bewegungen, wiederkehrende Lautäußerungen und die ständige Anstrengung, unkontrollierbare Tics zu unterdrücken, können den Schulbesuch, die Berufstätigkeit oder soziale Kontakte erheblich erschweren. In manchen Fällen gehen damit körperliche Schmerzen, Schlafstörungen und eine ausgeprägte soziale Isolation einher.

Dabei ist das Tourette-Syndrom weitaus verbreiteter, als viele Menschen vermuten.

Europäische klinische Leitlinien gehen davon aus, dass zwischen 0,3 und 1 % der Bevölkerung von dieser neurologischen Störung betroffen sind - abhängig vom Alter und den verwendeten Diagnosemethoden. Eine große systematische Übersichtsarbeit ermittelte eine Prävalenz von etwa 0,77 % bei Kindern; eine neuere weltweite Analyse schätzte die Häufigkeit in den untersuchten Populationen auf rund 0,5 %.

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass das Tourette-Syndrom europaweit eine erhebliche Zahl von Menschen betrifft - möglicherweise mehrere Millionen. Genaue Schätzungen sind schwierig, da die Erkrankung bei Kindern deutlich häufiger auftritt als bei Erwachsenen und viele Fälle möglicherweise unerkannt bleiben.

Für die europäischen Gesundheitssysteme geht die Herausforderung über die reine Zahl der Betroffenen hinaus. Zwar bessern sich die Symptome bei vielen Menschen mit zunehmendem Alter, andere leiden jedoch bis weit ins Erwachsenenalter unter stark beeinträchtigenden Tics. Die Behandlung wird zudem häufig durch Begleiterkrankungen wie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Zwangssymptome und Angststörungen erschwert.

Die Suche nach wirksameren Therapien ist deshalb zu einem wichtigen Gebiet der neurologischen Forschung geworden. In Hannover untersucht nun ein internationales klinisches Studienprogramm, ob eine neue Generation cannabinoidbasierter Arzneimittel eine zusätzliche Behandlungsoption bieten könnte.

Eine neurologische Erkrankung mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten

Das Tourette-Syndrom ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die durch unwillkürliche Bewegungen und Lautäußerungen, sogenannte Tics, gekennzeichnet ist. Diese reichen von vergleichsweise leichtem Blinzeln, Gesichtsbewegungen und Räuspern bis hin zu komplexeren Bewegungsabläufen und vokalen Ausbrüchen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können.

Entgegen einem weitverbreiteten Missverständnis tritt unwillkürliches Fluchen nur bei einer Minderheit der Menschen mit Tourette-Syndrom auf. Bei den meisten Betroffenen umfasst die Erkrankung ein wesentlich breiteres und oft weniger sichtbares Spektrum neurologischer und verhaltensbezogener Herausforderungen.

Die Behandlung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen, insbesondere umfassende verhaltenstherapeutische Interventionen bei Tics, können manchen Patienten helfen, ihre Symptome besser zu kontrollieren. Daneben stehen Medikamente zur Verfügung, darunter Wirkstoffe, die in die Dopamin-Signalübertragung im Gehirn eingreifen.

Dennoch wirken die bestehenden Therapien nicht bei allen Menschen gleichermaßen gut. Manche Medikamente können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Gewichtszunahme und bewegungsbezogene Komplikationen verursachen. Für Patienten, deren Beschwerden trotz Behandlung schwerwiegend bleiben, werden zusätzliche Optionen benötigt.

Europäische Fachleute betonen zunehmend die Bedeutung individuell angepasster Behandlungskonzepte. Aktualisierte Leitlinien der European Society for the Study of Tourette Syndrome legen einen deutlichen Schwerpunkt auf Verhaltenstherapien und beschreiben zugleich medikamentöse Möglichkeiten für Patienten, die eine pharmakologische Behandlung benötigen.

Diese Weiterentwicklung der Therapielandschaft eröffnet neue Forschungsansätze rund um das körpereigene Endocannabinoid-System - ein Netzwerk, das an der Regulierung neuronaler Signalprozesse, von Schmerzen, Stimmung und weiteren physiologischen Funktionen beteiligt ist.

Cannabinoide sind in den Fokus der Wissenschaft gerückt, weil sie möglicherweise Signalwege beeinflussen, die mit Bewegungen und neurologischer Aktivität zusammenhängen. Obwohl die Forschung noch vergleichsweise am Anfang steht, haben klinische Untersuchungen erste ermutigende Hinweise geliefert, die eine weitere Erforschung rechtfertigen.

Entscheidend ist nun, diese Beobachtungen in Arzneimittel zu überführen, deren Wirksamkeit, Verträglichkeit und reproduzierbare Ergebnisse in kontrollierten klinischen Studien nachgewiesen werden können.

Hannover beteiligt sich an internationalem klinischem Forschungsprogramm

Ein Unternehmen, das sich dieser Herausforderung stellt, ist NeuroThera Labs (TSXV: NTLX). Das kanadische Pharmaunternehmen in der klinischen Entwicklungsphase erforscht eigene cannabinoidbasierte Behandlungen für Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Der führende Wirkstoffkandidat SCI-110 wird zur Behandlung von Erwachsenen mit Tourette-Syndrom entwickelt.

Das Programm verbindet drei etablierte medizinische Forschungseinrichtungen: das Yale Child Study Center der Yale School of Medicine in den USA, die Medizinische Hochschule Hannover in Deutschland und das Tel Aviv Sourasky Medical Center in Israel.

Die Beteiligung Deutschlands ist besonders bedeutsam, weil europäische klinische Expertise damit unmittelbar in die Entwicklung einer potenziell neuen neurologischen Therapie einfließt.

Im Juli 2026 gab NeuroThera bekannt, dass der Standort der klinischen Phase-IIb-Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover nach Genehmigung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie die zuständige Ethikkommission initiiert worden sei.

Dies war ein wichtiger Schritt, um SCI-110 in einem anspruchsvollen internationalen klinischen Umfeld zu untersuchen.

Am 22. Oktober 2026 meldete NeuroThera einen weiteren Fortschritt: Die Herstellung des Prüfpräparats sei abgeschlossen und die erforderliche Chargenfreigabe durch eine europäische sachkundige Person (Qualified Person) erteilt worden.

Dieser regulatorisch relevante Meilenstein in der Herstellung ermöglicht den Versand des Prüfpräparats an die teilnehmenden Studienzentren.

Nach Angaben des Unternehmens haben alle drei Standorte ihre Initiierungsmaßnahmen abgeschlossen und bereiten sich auf den Erhalt des Prüfpräparats vor. Als nächster wichtiger Schritt steht die Aufnahme von Patienten in die Studie an.

Für die deutsche Forschungslandschaft bietet das Programm die Möglichkeit, zur Bewertung eines Therapieansatzes beizutragen, der langfristig auch für die neurologische Versorgung in Europa relevant werden könnte.

Kann die Kombination zweier Substanzen die Behandlung verbessern?
SCI-110 verfolgt einen anderen Ansatz als herkömmliche medizinische Cannabisprodukte.

Statt auf ein einzelnes Cannabinoid zu setzen, hat NeuroThera eine eigene orale Formulierung entwickelt, die Dronabinol - eine pharmazeutische Form von Tetrahydrocannabinol (THC) - mit Palmitoylethanolamid (PEA) kombiniert. PEA ist eine endocannabinoidähnliche Substanz, die natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt.

PEA wird mit der Regulierung entzündlicher und neurologischer Prozesse in Verbindung gebracht und aufgrund möglicher therapeutischer Eigenschaften wissenschaftlich untersucht.

Die zentrale Hypothese von NeuroThera lautet, dass die Kombination beider Substanzen die therapeutische Wirksamkeit verbessern und zugleich niedrigere Cannabinoiddosen ermöglichen könnte. Dadurch ließen sich möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen verringern.

Dieser Unterschied ist wesentlich: Das Unternehmen möchte nicht einfach Produkte auf Cannabisbasis vermarkten, sondern standardisierte pharmazeutische Formulierungen entwickeln, die nach etablierten klinischen und regulatorischen Verfahren geprüft werden können.

Erste klinische Ergebnisse liefern Anlass zur weiteren Untersuchung.

In einer früheren offenen Phase-IIa-Studie mit Erwachsenen mit Tourette-Syndrom berichtete NeuroThera nach der Behandlung mit SCI-110 über eine Verringerung der Tic-Schwere um etwa 21 %.

So ermutigend dieses Ergebnis auch ist: Die Studie verfügte über keine placebokontrollierte Vergleichsgruppe. Die Beobachtung ist deshalb ein früher Hinweis auf eine mögliche Wirkung, aber noch kein eindeutiger Wirksamkeitsnachweis.

Das laufende Phase-IIb-Programm soll genau diese Einschränkung adressieren.

In der multizentrischen Studie wird SCI-110 bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren in einem randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studiendesign untersucht. Die Forschenden wollen feststellen, ob die Behandlung den Schweregrad der Tics klinisch bedeutsam reduzieren kann, und zugleich ein klareres Bild von Sicherheit und Verträglichkeit gewinnen.

Solche Studien sind entscheidend, um einen tatsächlichen Behandlungseffekt von den natürlichen Schwankungen der Symptome zu unterscheiden, die für das Tourette-Syndrom charakteristisch sind.

Weitere Perspektiven in der neurologischen Medizin
Die Forschung von NeuroThera beschränkt sich nicht auf das Tourette-Syndrom.

Das Unternehmen untersucht SCI-110 auch zur Behandlung von Agitation im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit - einem weiteren Krankheitsbild, das Patienten, Angehörige und das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen stellt.

Agitation kann für Menschen mit Demenz besonders belastend sein. Sie kann sich unter anderem durch Unruhe, Aggression, emotionale Anspannung und Verhaltensweisen äußern, die die tägliche Betreuung erschweren.

In einer früheren Phase-IIa-Studie mit 20 Alzheimer-Patienten, die unter Agitation litten, berichtete NeuroThera, dass SCI-110 in den untersuchten Dosierungen gut vertragen worden sei. 75 % der Teilnehmer benötigten während der Studie keine zusätzliche Medikation zur Kontrolle der Agitation.

Zudem meldete das Unternehmen bei 75 % der Teilnehmer einen gesteigerten Appetit.

Diese Ergebnisse sind vorläufig und müssen in größeren kontrollierten Studien bestätigt werden. Sie deuten jedoch darauf hin, dass die Kombination aus Cannabinoid und PEA möglicherweise bei mehr als einer neurologischen Erkrankung Anwendung finden könnte.

Ein separates Entwicklungsprogramm namens SCI-210 kombiniert Cannabidiol (CBD) mit PEA und wird unter anderem für Autismus-Spektrum-Störungen und den Status epilepticus untersucht.

Zusammen spiegeln diese Programme einen breiteren Trend in der pharmazeutischen Forschung wider: die gezielte Kombination etablierter oder biologisch aktiver Substanzen, um neurologische Erkrankungen zu behandeln, für die bislang keine vollständig zufriedenstellenden Therapieoptionen bestehen.

Für Europa, wo alternde Bevölkerungen den Bedarf an neurologischer Versorgung und Demenzbetreuung erhöhen, ist die Entwicklung zusätzlicher Behandlungsansätze sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung.

Die nächste Bewährungsprobe für cannabinoidbasierte Arzneimittel

Das internationale Phase-IIb-Programm zum Tourette-Syndrom ist nun der wichtigste kurzfristig anstehende klinische Meilenstein für NeuroThera.

Nach den Fortschritten bei den regulatorischen Vorbereitungen und der Chargenfreigabe richtet sich der Blick auf die Patientenrekrutierung, die Behandlung und die Gewinnung kontrollierter klinischer Daten.

Die Ergebnisse werden dazu beitragen zu klären, ob sich die ermutigenden Beobachtungen früherer Studien unter strengeren wissenschaftlichen Bedingungen bestätigen lassen.

Für die Medizinische Hochschule Hannover verdeutlicht die Teilnahme zugleich Deutschlands anhaltende Rolle in der internationalen Arzneimittelentwicklung. Europäische Forscher werden dabei mit klinischen Programmen aus Nordamerika und Israel vernetzt.

Darüber hinaus zeigt die Forschung, wie sich cannabinoidbasierte Medizin zunehmend von der allgemeinen Debatte über medizinisches Cannabis hin zu den etablierten Standards der pharmazeutischen Entwicklung bewegt.

Für Menschen mit schwerem Tourette-Syndrom ist diese Unterscheidung von großer Bedeutung.

Was sie benötigen, ist nicht eine weitere vielversprechende Theorie, sondern Behandlungen, die nachweislich Symptome lindern und den Alltag verbessern.

Die Forschung in Hannover, Yale und Tel Aviv bietet nun die Möglichkeit zu prüfen, ob eine gezielt entwickelte Cannabinoid-Kombination dazu beitragen kann, diesen Bedarf zu decken.

Für NeuroThera Labs werden die nächsten Schritte von klinischen Daten bestimmt. Für Patienten und ihre Familien bleibt die Hoffnung, dass wissenschaftlicher Fortschritt irgendwann etwas sehr Konkretes ermöglicht: mehr Kontrolle über eine Erkrankung, die das Leben tiefgreifend prägen kann.

Quellen
European Society for the Study of Tourette Syndrome - European Clinical Guidelines, Assessment (2021)
https://link.springer.com/article/10.1007/s00787-021-01842-2
Knight et al. - Prevalence of Tic Disorders: A Systematic Review and Meta-Analysis (2012)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22759682/
Jafari et al. - Systematic Review and Meta-Analysis of Tourette Syndrome Prevalence, 1986-2022
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36182698/
European Clinical Guidelines for Tourette Syndrome - Summary Statement
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34244849/
NeuroThera Labs - Initiation of Phase IIb Clinical Trial at Hannover Medical School, 15 July 2026
https://thenewswire.com/press-releases/1LpMF0p9W-neurothera-labs-announces-initiation-of-phase-iib-clinical-trial-at-hannover-medical-school-in-germany-for-innovative-treatment-of-tourette-syndrome.html
SciSparc / NeuroThera Labs - Phase IIb Clinical Trial Progress, 22 October 2026
https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1611746/000121390026111852/ea030941001ex99-1.htm
NeuroThera Labs - Corporate Presentation, supplied by the company (2026).

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NeuroThera Labs Inc.
Land: kanadisch
ISIN: CA64136J2002
https://small-microcap.eu/neurothera-labs/

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