LINGEN (dpa-AFX) - Der Stromkonzern RWE
Die Gasturbine könne sowohl mit Wasserstoff als auch mit Erdgas und jedwedem Mischungsverhältnis aus beiden Gasen betrieben werden, sagte der Vorstandschef von RWE Generation SE, Nikolaus Valerius. Damit sichere sie die Stromerzeugung bei einem zunehmenden Anteil grünen Wasserstoffs, der aus Wind- und Solarenergie gewonnen werde. Denn mit dem Wasserstoff ist auch beim Einsatz von erneuerbaren Energien Sicherheit für die Stromversorgung bei Windflaute und in Dunkelzeiten gegeben.
Test läuft über mehrere Monate
Die beiden Unternehmen wollen in den kommenden Monaten die Verstromung von bis zu 100 Prozent Wasserstoff im industriellen Maßstab erproben. Getestet werden sollen unterschiedliche Betriebsweisen und Lastzustände, wie sie künftig in einem von Wind- und Solarenergie gespeisten Stromsystem auftreten können.
Die Anlage zeige, dass der Umbau zu einer klimaneutralen Energieversorgung funktioniere, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Der Weg vom fossilen Erdgas hin zu klimaneutral erzeugtem Wasserstoff sei ein Weg in Schritten. "Das geht nicht auf einmal. Wir werden noch eine ganze Zeit fossiles Gas brauchen", erklärte Lies.
Wasserstoff hat für Japan strategische Bedeutung
Die japanische Botschafterin in Deutschland, Mitsuko Shino, wies auf einen besonderen Stellenwert der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Japan und Deutschland hin. Dafür sei die Inbetriebnahme der Gasturbine in Lingen ein Beispiel. "Die japanische Regierung stuft Wasserstoff als eines der Kerngebiete der Förderung der grünen Transformation ein", sagte Shino.
Wasserstoff sei für Japan aber nicht nur ein Beitrag zur Reduzierung fossiler Energien, sondern auch von strategischer Bedeutung, um neue Industrien zu schaffen und Wirtschaftswachstum zu erzeugen, erklärte die Botschafterin: "Das ist nicht einfach nur Dekarbonisierung oder Industriepolitik. Es ist unsere zukünftige wirtschaftliche Wettbewerbskompetenz."
Wasserstoff aus erneuerbaren Energien
Kawasaki erprobe in Lingen den Einsatz modernster Gasturbinentechnologie mit Wasserstoff im großtechnischen Maßstab, hieß es. Die Technologie sei bereits in kleineren Anlagen getestet worden. In Lingen werde sie erstmals im industriellen Umfang erprobt.
Bei der sogenannten Elektrolyse wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. RWE nutzt für die Wasserstoffproduktion in Lingen vor allem Windenergie aus der Nordsee. Da bei diesem Prozess kein CO2 freigesetzt wird, gilt der erzeugte Wasserstoff als grün. Für den Verkehrssektor und energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie, als Grundstoff für Raffinerien und die chemische Industrie gilt grüner Wasserstoff als ein entscheidender Schritt in Richtung Klimaneutralität.
Lingen wichtiger Wasserstoff-Standort
Das sogenannte GET H2 Nukleus-Wasserstoffprojekt wird in Teilen von den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mitfinanziert. Lingen sei damit einer der bedeutendsten Energiestandorte Deutschlands, sagte Valerius.
Vom kommenden Jahr an soll die gesamte Anlage 300 Megawatt produzieren. Nach Unternehmensangaben erfüllt der in Lingen produzierte Wasserstoff die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO). Damit erhalten Abnehmer des Wasserstoffs Nachhaltigkeitsnachweise und können so ihrerseits Einsparungen beim Klimagas CO2 geltend machen./eks/DP/mis