Reuters

Schäuble tritt Sorgen vor neuer Bankenkrise entgegen

12.02.2016
um 17:31 Uhr

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist Sorgen vor einer neuen Bankenkrise entgegengetreten.

Die Anstrengungen zur Stabilisierung der Institute hätten sich ausgezahlt, sagte er am Freitag in Brüssel. Der jüngste Kursrutsch bei Banken sei übertrieben, die Fundamentaldaten stimmten. Mit Nachdruck stellte er sich hinter die Deutsche Bank, die an der Börse schwer unter die Räder gekommen war. Das größte deutsche Geldhaus sei eine starke Bank und habe genügend Kapital. Eine Sprecherin Schäubles verwies darauf, dass in Europa Maßnahmen wie der Rettungsmechanismus ESM und die Bankenunion mit neuer Aufsichts- und Abwicklungsregelung getroffen worden seien. "Alle diese Dinge haben dazu beigetragen, dass die Situation stabil ist", sagte sie in Berlin.

Ähnlich äußerte sich Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Die Kapitalsituation der deutschen Banken habe sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Die aktuelle Lage sei nicht im Geringsten mit der Lehman-Krise 2008 vergleichbar. "Deshalb bin ich heute deutlich entspannter", sagte Dombret, der bei der Bundesbank für die Aufsicht über die Geldhäuser zuständig ist, der "Bild"-Zeitung.

Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing hält die Sorge einiger Investoren vor einer neuen Finanzkrise für übertrieben. Der Absturz von Banktiteln in Europa und den USA sei auch auf die sich eintrübende Konjunktur zurückzuführen, sagte Blessing bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Die Aktien von Banken rund um den Globus waren zuletzt in den Keller gerauscht. Viele Investoren fürchten, dass die Weltwirtschaft ins Straucheln gerät, sich Kreditausfälle häufen und Institute deshalb Probleme bekommen. Zu den größten Verlierern gehörte die Deutsche Bank, die Ende Januar einen Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro für das vergangenen Jahr bekanntgegeben hatte. Das Geldhaus büßte binnen drei Wochen rund 30 Prozent seines Börsenwertes ein. Am Freitag legten die Papiere 9,5 Prozent zu. Bei der Commerzbank gab es ein Kursplus von sogar mehr als 14 Prozent. Sie wies für 2015 erstmals seit fünf Jahren wieder einen Milliardengewinn aus.

Die Finanzaufsicht BaFin sieht einem Insider zufolge wegen des dramatischen Kursverfalls der vergangenen Tage keinen Handlungsbedarf. "Wenn der gesamte Markt stark schwankt, ist es völlig normal, dass die Aktien der Deutschen Bank das auch tun", sagte eine mit Angelegenheit vertraute Person am Donnerstag. Es gebe keine Untersuchung, auch keine Routineprüfung wegen Marktmanipulation oder Insiderhandels.

Deutsche Bank AG

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