FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem wilden Ritt der vergangenen Tage trauen Börsenexperten dem zuletzt schwachen Dax
Als Risiko gilt am Markt weiterhin eine Ausweitung des aktuellen Konflikts zwischen Israel und der Hamas. Dieser hatte die Stimmung aber nur zu Wochenbeginn etwas beeinträchtigt. Beobachter gehen derzeit nicht davon aus, dass es zu einem Flächenbrand kommen wird. Danach sorgten Aussagen von US-Notenbankern für eine Erholungsrally von Dax & Co, die zuletzt aber von überraschend starken amerikanischen Inflationsdaten wieder einen Dämpfer bekam.
"Wir sehen weiterhin gute Gründe für eine Fortsetzung der jüngsten Kurserholung, mahnen jedoch, die aktuellen Risiken ernst zu nehmen", heißt es in der wöchentlichen Wertpapierstrategie der DZ Bank. Die Erwartung noch länger hoher Zinsen sehen die Autoren inzwischen als vollständig eingepreist. "Mittelfristig sinkende Anleiherenditen infolge einer globalen Konjunkturabkühlung und nachlassender Inflation sollten weiter Druck von Aktienbewertungen und Kursen nehmen."
Maik Bolsmann vom Kölner Vermögensverwalter B&K Vermögen ist ebenfalls eher optimistisch und traut dem Dax trotz der jüngsten Inflationsdaten aus den USA weitere Gewinne zu. Dafür sprächen neben dem verbesserten Chartbild und der positiven Saisonalität die eher schlechte Stimmung unter den Anlegern, die er als Kontraindikator werte. "Viele Investoren sitzen auf hohen Cashbeständen und geraten bei steigenden Kursen unter Zugzwang."
Auch für die Experten der Dekabank spricht die jüngste Marktkorrektur "für eine bereits sehr vorsichtige Stimmung und Positionierung unter den Anlegern, was den weiteren Verkaufsdruck begrenzen sollte". Der jüngste, massive Renditeanstieg sei überzogen und sollte sich in den kommenden Monaten umkehren, was den Aktienmarkt unterstützen sollte.
Mindestens in der neuen Woche drohe dem deutschen Leitindex zudem kein Gegenwind von der Zinsseite, meint Nicolas Pilz vom Vermögensverwalter Societas. Die US-Inflation sei im September zwar nicht gesunken, habe aber auch nicht angezogen, und gleichzeitig sei die wichtige Kerninflation spürbar zurückgegangen. Bei dieser werden die sehr schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel nicht berücksichtigt. Hebe die US-Notenbank Fed Anfang November die Zinsen nochmals an, "so sollten zumindest ab diesem Zeitpunkt weitere Zinserhöhungen unwahrscheinlich sein und der Zeitpunkt etwaiger Zinssenkungen näher rücken". Damit rechne er aber nicht vor dem dritten Quartal 2024.
Nach einem sich abzeichnenden, ruhigen Wochenauftakt stehen am Dienstag und Mittwoch mit den Zahlen von Bank of America
Zur Wochenmitte veröffentlicht der Essenslieferdienst Just Eat Takeaway
Am traditionell vollgepackten Donnerstag folgen unter anderem ein Kapitalmarkttag des Pharma- und Spezialchemieriesen Merck KGaA
Die anstehenden Konjunkturdaten dürften weiterhin auf ihren Einfluss auf die Geldpolitik abgeklopft werden. Dies gilt insbesondere für Daten aus den USA angesichts des nahenden Fed-Zinsentscheids. Am Dienstag stehen neben dem deutschen ZEW-Index der für die amerikanische Wirtschaft wichtige dortige Einzelhandelsumsatz sowie US-Industriedaten auf der Agenda.
Tags darauf dürften Verbraucherpreise aus der Eurozone mit Blick auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank genau beäugt werden. Zudem geben Industrie- und Einzelhandelsdaten aus China Aufschluss über die derzeitige Verfassung der angeschlagenen zweitgrößten Volkswirtschaft. Am Freitag stehen dann noch die deutschen Erzeugerpreise und der Zinsentscheid der chinesischen Notenbank im Fokus./gl/la/he
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---