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US-Zölle erschüttern Afrika

04.04.2025
um 13:17 Uhr

MASERU/ANTANANARIVO/PRETORIA (dpa-AFX) - Afrikanische Länder bereiten sich infolge der neuen US-Zölle auf einen wirtschaftlichen Schock vor. Viele Regierungen haben Sorge und Empörung bekundet.

Großer Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet

Der Handelsminister von Lesotho, das mit der höchsten Tarifrate von 50 Prozent belegt wurde, warnte vor einem "Blutbad auf dem Arbeitsmarkt" des 2,3 Millionen-Einwohner-Landes. Die Wirtschaft des kleinen Binnenstaats im südlichen Afrika hängt in hohem Maße vom Export von Textilien und Diamanten in die USA ab. "Wir stecken in großen Schwierigkeiten", sagte Handelsminister Mokhethi Shelile. Er hoffe, Lesotho werde schnellstmöglich mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump neu verhandeln können.

Ähnlich wie in Lesotho gefährden die Strafzölle die Textilindustrien der südostafrikanischen Inselstaaten Mauritius und Madagaskar, deren Zölle auf 40 Prozent und 47 Prozent angehoben wurden. Vertreter beider Regierungen gaben sich zunächst pragmatisch und sagten, sie bemühten sich um bilaterale Neuverhandlungen.

Schwerer Schlag für Schwellen- und Entwicklungsländer

Ebenfalls stark betroffen ist die stärkste Wirtschaftsmacht des Kontinents, Südafrika, deren Regierung sich über den neuen Zollsatz von 30 Prozent entrüstet zeigte. "Einseitig eingeführte Strafzölle sind besorgniserregend und stellen ein Hindernis für den Handel und den gemeinsamen Wohlstand dar", teilte die Präsidentschaft mit. Südafrika führt in großen Mengen Platin, Gold und Eisen, Fahrzeuge sowie Zitrusfrüchte in die USA aus.

Zu weiteren afrikanischen Ländern, die besonders von der neuen Zollregelung betroffen sind, gehören Botsuana mit 37 Prozent, Angola mit 32 Prozent, Libyen mit 31 Prozent, Algerien mit 30 Prozent, Tunesien mit 28 Prozent und die Elfenbeinküste mit 21 Prozent.

Sorge um Agoa-Abkommen

Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die neuen Zölle das Agoa-Handelsabkommen außer Kraft setzen werden, das aktuell vielen afrikanischen Staaten zollfreien Zugang zum US-Markt gewährt, aber im September ausläuft./fm/DP/stw