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US-Medien: Laut CIA kein Angriff Kiews auf Putins Residenz

01.01.2026
um 15:19 Uhr

WASHINGTON (dpa-AFX) - Der US-Geheimdienst CIA ist Medienberichten zufolge zu dem Schluss gekommen, dass einer der jüngsten Drohnenangriffe der Ukraine nicht den russischen Präsidenten Wladimir Putin oder dessen Residenz zum Ziel hatte. Das berichteten das "Wall Street Journal" sowie die Sender PBS und CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung.

Damit widerspricht der US-Auslandsgeheimdienst schweren Vorwürfen aus Moskau vom Montag. Zunächst hatte auch Präsident Donald Trump nach einem Gespräch mit Putin die Ukraine wegen des angeblichen Angriffs kritisiert.

Kiew hat vehement bestritten, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Die Ukraine sah darin einen russischen Vorwand, den Krieg trotz laufender Verhandlungen um eine Friedenslösung weiter fortzusetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen.

Russland präsentierte am Mittwoch erstmals mögliche Beweise für den Angriff, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Viele Experten bezweifeln, dass der von Russland geschilderte Angriff so stattgefunden hat.

Trump von CIA-Chef über Erkenntnisse unterrichtet

Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf US-Beamte, der umstrittene ukrainische Drohnenangriff habe einem militärischen Ziel in derselben Region wie Putins Residenz gegolten - allerdings nicht in der Nähe des Anwesens. Dies werde auch von einer Analyse der CIA belegt, hieß es.

Die Sender PBS und CNN berichteten, Trump sei am Mittwoch von CIA-Chef John Ratcliffe über die Erkenntnisse des Geheimdienstes unterrichtet worden. Am selben Tag (Ortszeit) teilte der US-Präsident dann auf überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social. Das Boulevardblatt "New York Post" stellt in dem Stück Putin als eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden dar und geht hart mit ihm ins Gericht.

Laut russischen Medien handelt es sich bei dem behaupteten Angriffsziel um Putins Waldai-Residenz, die im Gebiet Nowgorod zwischen Moskau und St. Petersburg liegt. Dort soll Putin oft seine Wochenenden mit der Familie verbringen. Sein Privatleben aber hütet der Kreml wie ein Staatsgeheimnis.

Moskau sprach von "Terroranschlag" auf Putins Residenz

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Montag von einem versuchten "Terroranschlag" gesprochen. Er sprach von 91 ukrainischen Drohnen mit größerer Reichweite, die Russlands Flugabwehr abgeschossen habe. Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow, sagte später, der Kremlchef habe Trump darüber bei einem Telefonat informiert, nachdem es einen versuchten Drohnenangriff der Ukraine gegen seine Präsidentenresidenz im Gebiet Nowgorod gegeben habe. Der Kreml hoffe auf Verständnis der USA, dass Russland nun seine Position bei den Verhandlungen überdenke.

Uschakow nannte weder den Namen der Residenz noch machte er Angaben dazu, ob sich Putin dort aufgehalten hatte in der Nacht zum Montag. Für den russischen Präsidenten stehen in vielen Teilen des flächenmäßig größten Landes der Erde Residenzen zur Verfügung. Außerhalb Moskaus hält sich Putin etwa immer wieder auch in St. Petersburg auf und in Sotschi am Schwarzen Meer.

Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen einen von Putin befohlenen Angriffskrieg gegen das Nachbarland./ngu/DP/zb