Wadephul: Iran-Krieg kann Welt in allergrößte Krise stürzen
BERLIN (dpa-AFX) - Außenminister Johann Wadephul hat vor einer Ausweitung des Iran-Kriegs mit weltweiten Folgen gewarnt. Der Krieg habe "ein wirkliches Eskalationspotenzial, was nicht nur diese Region, sondern die Welt insgesamt in eine allergrößte Krise stürzen kann", sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Noël Barrot in Berlin. Allein die aus der Region sichergestellte Düngerversorgung "ist so essenziell, dass bei einem längeren Ausbleiben eine Nahrungsmittelkrise in großen Teilen Afrikas" drohen würde.
Dies müsse Sorge auslösen "wegen der Menschen, die leiden würden, und natürlich auch wegen der Flüchtlingsströme, die sich daraus ergeben können", warnte Wadephul. "Das hat insofern eine große Bedeutung für uns". Dies müsse in einer verantwortungsvollen Würdigung der Situation gesehen werden.
Barrot hatte vor dem Gespräch mit Wadephul an der Sitzung des Bundeskabinetts mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) teilgenommen. Einen solchen gegenseitigen Austausch soll es nach dem deutsch-französischen Vertrag von Aachen viermal im Jahr geben.
Wadephul: "Geordneter Regimewechsel" nicht zu erwarten
Der Außenminister betonte angesichts der andauernden Angriffe Israels und der USA, es sei nicht zu erwarten, "dass ein derartiger Militärschlag zu einem geordneten Regimewechsel führt". Weder im Irak noch in Libyen habe militärisches Engagement einen geordneten Wechsel hin zu einer freiheitlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Struktur erreicht.
Er wünsche sich innerhalb des Irans einen Wandel hin zu einer humanen, menschenwürdigen Führung - dazu sei man auch mit der Opposition im Gespräch. Dies werde sich allerdings in Kriegszeiten nicht kurzfristig aus dem Land heraus entwickeln, sagte Wadephul. "Ich glaube nur nicht, dass es sozusagen militärisch von außen herbeigeführt werden kann", fügte er hinzu.
Wadephul skizziert Weg hin zu politischer Lösung
Mit den USA und Israel müsse deshalb versucht werden, "einen Punkt zu finden, wo die militärischen Ziele, die diese beiden sich vorgenommen haben, erreicht sind", skizzierte Wadephul einen Weg hin zu einer politischen Lösung. Dann müsse es zu einer Deeskalation und zur Beilegung der kriegerischen Handlungen kommen. Gleichzeitig müsse Sicherheit für die Straße von Hormus und die Golfstaaten hergestellt werden. Dies werde schwierig werden, aber er glaube, "dass Europa dabei eine Rolle spielen kann und sollte".
Barrot rief zu einem Ende der militärischen Auseinandersetzung auf. Dafür müsse "das iranische Regime Zugeständnisse machen und radikal seine Haltung ändern". So könne eine politische Lösung entstehen, die die friedliche Koexistenz des Irans in der Region ermögliche und der iranischen Bevölkerung die Möglichkeit gebe, selbst über die Zukunft zu entscheiden./bk/DP/nas