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ROUNDUP 2/Treffen im Kanzleramt: 80 Prozent der Syrer sollen zurück

30.03.2026
um 18:35 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - In den nächsten Jahren sollen 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren. Diese Zielmarke nannte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach seinem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt und fügte hinzu, dass sich das Staatsoberhaupt des arabischen Landes dies wünsche.

Er dankte der deutschen Bevölkerung, die in den vergangenen Jahren bereit gewesen sei, Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen. "Aber der Bürgerkrieg ist zu Ende. Und jetzt gibt es grundsätzlich die Perspektive, auch in das Heimatland Syrien zurückzukehren."

Zitat nachträglich präzisiert

Zur Zielmarke von 80 Prozent sagte Merz wörtlich: "In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre, das sind auch, ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen, sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren."

Im Protokoll der Pressekonferenz präzisierte das Bundespresseamt den Satz später: "In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre - das ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen - sollen rund 80 Prozent der Syrerinnen und Syrer, die sich derzeit in Deutschland aufhalten, in ihr Heimatland zurückkehren."

Das "auch" taucht in diesem Zitat nicht mehr auf. Damit wird der Wunsch, auf 80 Prozent zu kommen, ganz dem syrischen Präsidenten zugeschrieben.

80 Prozent würde mehr als 750.000 Syrer bedeuten

Deutschland hat während des 14 Jahre dauernden Bürgerkriegs mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als jedes andere Land in der Europäischen Union. Ende November 2025 waren nach Angaben der Bundesregierung noch rund 940.401 Syrerinnen und Syrer in Deutschland. 512.348 von ihnen hatten einen Schutzstatus, beispielsweise als Asylberechtigte.

Legt man diese Zahlen zugrunde, ist die Rückkehr von mehr als 750.000 Syrern innerhalb von drei Jahren das Ziel - darunter auch eine sechsstellige Zahl mit einem Schutzstatus. Zum Vergleich: Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind seit Januar 2025 mindestens 9.777 syrische Staatsangehörige freiwillig aus dem Bundesgebiet ausgereist. Davon seien mindestens 5.004 Ausreisen mit staatlicher Förderung erfolgt.

Rückführung von Straftätern vordringlich

Vordringlich zurückgeführt werden sollten Straftäter, sagte Merz. Der Kanzler sagte aber auch, dass diejenigen, die gut integriert seien, in Deutschland bleiben sollten. Al-Scharaa habe über Ärzte und Pflegepersonal gesprochen, die in deutschen Krankenhäusern tätig seien - und Deutschland habe ein Interesse daran, dass diese Menschen auch in Deutschland blieben. "Aber viele, die hier sind, werden zu Hause gebraucht."

Die Mehrzahl der Syrerinnen und Syrer wolle zurück in ihr Heimatland, um dieses wieder aufzubauen und dort sicher, frei und in Würde zu leben, betonte Merz "Diese Menschen (...) sind Ihnen willkommen", sagte er an die Adresse von al-Scharaa gerichtet. Er wisse es sehr zu schätzen, dass der Übergangspräsident das so zum Ausdruck gebracht habe. "Und das ist wohl die entscheidende Botschaft Ihres Besuches heute hier in Berlin."

Al-Scharaa dankt Deutschland für Aufnahme von Flüchtlingen

Al-Scharaa dankte Deutschland für die Aufnahme der syrischen Geflüchteten in Deutschland. "Wir werden niemals vergessen, wie Sie Ihre Türen für eine Million Syrer geöffnet haben, als diese in größter Not waren und ihnen alle anderen Türen verschlossen blieben", sagte al-Scharaa. "Sie haben unseren Kindern die Möglichkeit gegeben, zu lernen, zu arbeiten und sich ein neues Leben aufzubauen." Der Wiederaufbau beginne jetzt. Dafür könnten auch die Syrer aus Deutschland einen Beitrag leisten.

Syrien kann auf Unterstützung Deutschlands zählen

Für die Stabilisierung des Landes stelle Deutschland in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro bereit. Die wirtschaftlichen Beziehungen sollten gestärkt werden. "Dazu gehört ein attraktives Investitionsklima für deutsche Unternehmen durch entsprechende Reformen mit Rechtssicherheit und dem Aufbau einer funktionierenden Verwaltung in Syrien."

Merz sagte: "Auf die Unterstützung Deutschlands auf dem Weg in eine gute Zukunft können Sie zählen." Der Kanzler ermutigte den syrischen Präsidenten, im neuen Syrien Raum für alle Menschen zu schaffen, ungeachtet ihrer Religion, ethnischen Zugehörigkeit und ihres Geschlechts. "Gewalt gegen Minderheiten und Andersdenkende muss der Vergangenheit angehören."

Früher mit Kopfgeld als Terrorist gesucht

Der 43-jährige al-Scharaa war früher Anführer der Islamistenmiliz HTS, die Ende 2024 den Langzeitherrscher Baschar al-Assad stürzte. Davor gehörte er der Terrororganisation Al-Kaida an und wurde lange Zeit von den US-Behörden mit einem Kopfgeld von 10 Millionen US-Dollar gesucht.

Heute sucht er mit seiner Regierung Anschluss an den Westen. In Berlin wurde er auch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen und nahm an einem Runden Tisch mit Unternehmern teil. Es fanden in der Hauptstadt mehrere Demonstrationen für und gegen den Besuch statt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Besuch bereits im November geplant

Merz hatte den Übergangspräsidenten bereits im November nach Deutschland eingeladen - vor allem um über die Rückführung syrischer Flüchtlinge zu sprechen. Im Januar wurde der bereits geplante Besuch wegen einer neuen Eskalation der Gewalt in Syrien verschoben.

Die politische und sicherheitspolitische Lage in Syrien ist mehr als ein Jahr nach dem Sturz Assads weiterhin fragil. Es kam seitdem zu mehreren Gewaltwellen bei denen Hunderte Menschen getötet wurden. Es gab Gefechte mit Minderheiten wie den Drusen im Süden oder den Alawiten an der Küste. Anfang des Jahres kam es zu schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und kurdisch dominierten Kräften im Norden des Landes. Fachleute warnen auch vor einem Wiedererstarken der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Große Zerstörung, viel Armut und schwache Wirtschaft

Besonders die von der einstigen Opposition gehaltenen Gebiete sind noch immer stark zerstört. In vielen großen Städten liegen ganze Viertel in Trümmern. Ein Leben ist dort kaum möglich.

Die Kosten für den Wiederaufbau liegen nach Schätzungen der Weltbank bei 216 Milliarden US-Dollar (185,3 Mrd. Euro). Nach UN-Angaben leben 90 Prozent der Bevölkerung in Armut und etwa 70 Prozent sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Große Teile der Industrie, Landwirtschaft und Infrastruktur sind zerstört, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch./mfi/DP/zb